Brot für die Welt: Mega-Konzerne verhindern, bäuerliche Landwirtschaft stärken

12.01.2017

Brot für die Welt-Partnerin spricht bei Agrardemonstration

Anlässlich der Großdemonstration „Wir haben Agrarindustrie satt“ am 21. Januar in Berlin warnt das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt vor den Folgen der geplanten Mega-Fusionen der Saatgut- und Pestizid-Konzerne. Wenn drei Konzerne weltweit den Markt für Saatgut und Pestizide wie Glyphosat kontrollieren, gerät die bäuerliche Landwirtschaft weiter unter Druck. Brot für die Welt begrüßt daher, dass das neue Grünbuch des Landwirtschaftsministeriums die Förderung alter Sorten, der mittelständischen Züchtung und die Förderung des Anbaus nicht gentechnisch veränderter Pflanzen auch außerhalb Deutschlands ausdrücklich als Aufgaben formuliert.

„Wir brauchen die vielfältige bäuerliche und züchterische Arbeit mit alten und neuen Sorten als Antwort auf den Klimawandel und als Ergänzung zu den züchterischen Anstrengungen der mittelständischen Saatgutfirmen“, sagt Stig Tanzmann, Agrarexperte von Brot für die Welt. „Noch können die Regierungen den potentiellen Schaden des Zusammenschlusses von Bayer und Monsanto für eine standortgerechte Züchtung und Vermehrung von Saatgut in der Souveränität der Regierungen und der Bauern selbst begrenzen. Das wollen wir mit der Demonstration unterstreichen.“

Bei der Großdemonstration spricht auch Mariam Mayet vom Brot für die Welt-Partner African Center for Biodiversity. Sie sagt: „In Afrika haben wir in den letzten Jahren eine Übernahmewelle einheimischer Saatgutfirmen durch die großen Konzerne ohne Gleichen gesehen. Es sind keine größeren unabhängigen Saatgutzüchter übrig geblieben.“ Neue Gesetze beschneiden die Möglichkeiten der bäuerlichen Saatgutzüchtung und das Recht auf Tausch und Nachbau von Saatgut, obwohl diese Praktiken die Quelle für den größten Teil des Saatguts in Afrika sind.

Jedes einzelne Land muss die Mega-Fusion gesetzlich regeln, bevor sie in Kraft treten kann. Neben Bayer und Monsanto planen auch ChemChina und Syngenta sowie Dow und Du Pont, sich zusammen zu schließen. Die drei Großkonzerne kontrollieren dann weltweit 60 Prozent des Saatgut- und 70 Prozent des Pestizidmarkts. Ihr Einfluss auf Welternährungsfragen und Welternährungspolitik wäre in der Folge noch einmal drastisch höher als bisher schon. Im Fokus der Konzerne sind insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländer. Dort wird ein nicht unbedeutender Teil der jeweiligen Übernahmekosten refinanziert werden müssen.