Bürgerinnen und Bürger mit ihren Sorgen und Ängsten ernst nehmen

25.09.2017

Bremer Landesdiakoniepastor zur Bundestagswahl

„Die Bundestagswahl 2017 hat viele Bürgerinnen und Bürger motiviert, wählen zu gehen. Eine  bundesweite Wahlbeteiligung von 76 Prozent ist ein tolles Ergebnis“, betont Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, Vorstand der Diakonie Bremen. Bedauerlich sei allerdings, dass auch in Bremen in den benachteiligten Stadtteilen, die Wahlbeteiligung deutlich unter dem Durchschnitt liegt.  

Hier gilt es in den nächsten Jahren darauf zu achten, dass sich einzelne Bevölkerungsgruppen wieder mitgenommen fühlen, denn gerade Gerechtigkeit und Teilhabe aber auch die Gestaltung einer offenen Gesellschaft bedürfen der Beteiligung aller gesellschaftlichen Kräfte.

„Rassistische und teils völkische sowie Angst machende Botschaften sind in einem demokratischen Prozess aufs Schärfste zu kritisieren. Bürgerinnen und Bürger, die teilweise auch in Bremen die AFD aus einer Verunsicherung oder Verdrossenheit gewählt haben, sind mit ihren Sorgen und Ängsten ernst zu nehmen“, betont Manfred Meyer.

Die Diakonie setzt sich für eine offene Gesellschaft ein, für gerechte Teilhabe und gesellschaftliche Vielfalt – und wird das auch in Zukunft tun. In Deutschland dürfen Diktatur, Rassismus und Antisemitismus nie wieder einen Platz haben.

Ebenso wichtig sei es aber auch, sich mit allen demokratisch gewählten Parteien nun auseinanderzusetzen. Laut Infratest dimap finden zwar 86 Prozent der Wählerinnen und Wähler, dass sich die AfD nicht genug von rechtsextremen Parteien distanziert, doch auch 49 Prozent der Wählerinnen und Wähler denken, dass die AfD besser verstanden hat als andere, dass sich „viele Menschen nicht mehr sicher fühlen“. Das bringe zum Ausdruck, so Meyer, dass es andere Parteien nicht geschafft haben, zu vermitteln, dass auch sie die Ängste der Menschen ernst nehmen. „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen abgehängt werden und aus dem Blick geraten“, betont Meyer.

Die Diakonie setzt sich soziale Gerechtigkeit ein – für menschenwürdigen Wohnraum, gegen Armut und Arbeitslosigkeit und für Inklusion und Integration. Meyer hofft, dass jetzt auch bundespolitische Programme für den sozialen Wohnungsbau deutlich ausgebaut und intensive Anstrengungen für öffentlich geförderte Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose unternommen werden.  Die Diakonie schlägt hier seit einigen Jahren den sogenannten  „Passiv-Aktiv-Transfer“ vor, um Langzeitarbeitslosen eine sinnstiftende Tätigkeit zu ermöglichen.  „Nur, wenn wir alle Menschen unserer Gesellschaft im Blick haben, kann die Spaltung unserer Gesellschaft gestoppt werden“, so Meyer. Das Wahlergebnis bringe dies deutlich zum Ausdruck.

 

Die Diakonie Deutschland sagt dazu:

 

 

Neue Regierung soll Bildungsgerechtigkeit stärker in den Fokus nehmen Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: Keine Zusammenarbeit mit Rassisten

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie erwartet von der neuen Bundesregierung, dass sie das Thema Bildungsgerechtigkeit stärker in den Fokus nimmt. "Die soziale Herkunft eines Kindes darf nicht länger über seine Bildungschancen entscheiden", sagt Lilie in einem Videostatement nach der Bundestagswahl.

Die einschneidenden Ergebnisse dieser Wahl zeigten deutlich, dass sich die politisch Verantwortlichen dringend um gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland kümmern müssten. "Egal, ob jemand in Stuttgart oder Remscheid lebt, in Mecklenburg-Vorpommern oder in München, er muss er die gleichen Chancen auf Schulbildung und gleiche berufliche Perspektiven haben", betont der Diakonie- Chef.

Zum Einzug der AfD in den Bundestag sagt Lilie, dass sich die Diakonie mit allen Vertretern demokratisch gewählter Parteien auseinandersetzen und den fachlichen Austausch suchen werde. "Wir werden aber nicht mit Menschen zusammen arbeiten, die sich immer wieder rassistisch oder menschenverachtend äußern, die gruppenbezogen Menschenfeindlichkeit unterstützen oder selber proklamieren. Die disqualifizieren sich selber aus dem Kreis derer, die sich für eine offene und demokratische Gesellschaft einsetzen."

Das Videostatement finden Sie unter https://www.diakonie.de/