Debatte: Wie reich ist Bremen?

16.05.2017

Unter dieser Überschrift veranstalteten die Diakonie Bremen und die Initiative Offene Gesellschaft am Dienstag, 16. Mai, um 17 Uhr gemeinsam eine Debatte mit prominenten Impulsgebenden in der Kunsthalle Bremen (Am Wall 207, 28195 Bremen).

 

Um über die Frage "Wie reich ist Bremen?" zu diskutieren, gaben die sechs anwesenden Impulsgebenden zunächst ein kurzes Statement ab. Nach dieser Einleitung waren alle etwa 60 Anwesenden aufgefordert, mitzudiskutieren. "Wir sind alle Publikum, wir sind alle Diskutanten", betonte der Moderator des Abends Max Bohm von der Initiative Offene Gesellschaft.

In seinem Eingangsstatement betonte Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, wie gerne er in Bremen lebe. "Bremen ist bunt und das ist gut. In Bremen gibt es vieles, was wunderbar funktioniert. Aber wir könnten den Reichtum in Bremen etwas gerechter verteilen." Seiner Meinung nach sollten starke Schultern auch mehr Solidarität leisten.

Dr. Dorothee Hansen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, war froh bei der Debatte dabei zu sein, denn sie findet es wichtig, darüber zu sprechen, was gut in Bremen läuft. So sei es ein Reichtum der Stadt Bremen, dass es so eine engagierte Kunst- und Kulturszene gäbe. „Dafür steht auch der Kunstverein aus Bremen“, so Dr. Hansen. Schließlich sei dieser der zweitgrößte – nach Werder Bremen.

Bürgermeisterin und Senatorin für Finanzen Karoline Linnert (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) wies in ihrem Eingangsstatement darauf hin, dass man bei einer Diskussion über Reichtum auch die Armut nicht vergessen dürfe. „Es gibt viele Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen“, so Linnert. Die große Spaltung zwischen arm und reich in Bremen sei eine „offene Wunde“.

Die Bundestagsabgeordnete Bettina Hornhues (CDU) betonte, dass Armut und Reichtum zwei wichtige Bestandteile zur Beschreibung einer Gesellschaft seien. „In keinem anderen Bundesland ist die Pro-Kopf-Verschuldung so hoch wie hier. Gleichzeitig sind die Bremer aber auch reich, im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt Bremen bei den Einkommensmillionären ganz oben. Es leben also viele Reiche in einem armen Land.“ Sie sei sich aber sicher, dass wir, wenn wir der Armut unsere Vielfalt entgegenstellen, eine Chance hätten, die Armut ein wenig abzumildern.

Thomas Fürst, Vorstand der Sparkasse Bremen, betonte, dass Bremen zwar in vielen Bereichen reich sei, man aber auch noch Luft nach oben hätte. „In keinem anderen Bundesland ist der Anteil derer höher, die mit anpacken“, lobte Fürst das Engagement in Bremen. So sei beispielsweise der jährliche Haushalt des Bürgerparks nur dank zahlreicher Spenden und Vermächtnisse möglich.

Maria Loheide, Vorstand der Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, stellte klar, dass Reichtum eine hohe Lebensqualität ermöglicht. „Diese Lebensqualität und der materielle Reichtum einer Gesellschaft dürfen nicht nur wenigen zukommen“, kritisierte sie. Die Lebensqualität müsse alle erreichen, auch jene, die auf Hilfe angewiesen seien. „Ein solider finanzierter Sozialstaat, ein durchlässiges Bildungssystem, und gut ausgestattete Kommunen sind für mich die Voraussetzung dafür.“

In der anschließenden Diskussion kamen alle Anwesenden, die sich äußern wollten, zu Wort. Sie entstand eine lebhafte Diskussion – ganz im Sinne des Konzepts für diese Debatten der Initiative Offene Gesellschaft und der Diakonie Bremen.  

 

Ankündigung der Veranstaltung

Aus dem zweiten Armuts- und Reichtums-Bericht wissen wir, dass etwa ein Drittel der Kinder und ein Viertel der Erwachsenen in Bremen von Armut betroffen sind. Ein großer Teil unserer Gesellschaft. Gleichzeitig leben in Bremen aber auch viele Einkommensmillionäre. Die Kluft zwischen arm und reich ist in der Hansestadt deutlich zu sehen – je nach Stadtteil bestimmen Obdachlosigkeit, Wohnblocksiedlungen oder großzügige Villen das Bild der Stadt.

Es gibt eine Reihe sozialer Projekte im Bundesland Bremen und auch engagierte Einzelpersonen, die sich für den sozialen Zusammenhalt in Bremen und Bremerhaven einsetzen. Wohlhabende tragen dabei eine besondere Verantwortung, denn Eigentum verpflichtet (Art. 14 GG).

Doch die Frage „Wie reich ist Bremen?“ bezieht sich nicht nur auf die finanziellen Ressourcen der Stadt. Der Reichtum Bremens definiert sich auch über zahlreiche engagierte Ehrenamtliche, ein großes Kunst- und Kulturangebot, soziale Projekte für den Zusammenhalt, Sportangebote, kulturelle Vielfalt, eine starke Wirtschaft und vieles mehr.

Im Rahmen der Debatte „Welches Land wollen wir sein? Wie reich ist Bremen?“ möchten wir mit Ihnen über diese Themen ins Gespräch kommen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Impulsgebende:

  • Thomas Fürst, Vorstand der Sparkasse Bremen
  • Dr. Dorothee Hansen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Bremen
  • Bettina Hornhues (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages (Bremen II - Bremerhaven)
  • Karoline Linnert (Bündnis 90/DIE GRÜNEN), Bürgermeisterin und Senatorin für Finanzen
  • Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland
  • Manfred Meyer, Landesdiakoniepastor und Vorstand der Diakonie Bremen
  • Moderation: Max Bohm, Initiative Offene Gesellschaft

Statements:

  •  "Bremens Vielfalt ist gleichzeitig auch Bremens Reichtum“ – Bettina Hornhues
  • "In einem reichen Land ist Armut eine Schande, in einem schlecht regierten Reichtum“ – Thomas Fürst
  • "Starke Schultern müssen mehr Solidarität leisten“ – Manfred Meyer
  • "Reich zu sein - an Geld oder Zeit- verpflichtet zu teilen. Bremen ist reich, weil sich viele Bürgerinnen und Bürger engagieren, für andere eintreten, für den Rechtsstaat, die Demokratie, gegen Gleichgültigkeit und  die Verwahrlosung der politischen Sprache und Kultur“ – Maria Loheide
  • "Bremen ist besonders reich an bürgerschaftlichem Engagement: Der Kunstverein in Bremen ist dafür ein traditionsreiches Beispiel." - Dr. Dorothee Hansen
  • "Bremen ist schön, lebendig und liebenswert. Reichtum entsteht durch eine solidarische Gemeinschaft“ - Kaoline Linnert

 

Hintergrund:

Allzu oft gilt die ganze Aufmerksamkeit der Minderheit unserer Gesellschaft, die keine offene Gesellschaft möchte. Ziel der Initiative Offene Gesellschaft gemeinsam mit der Diakonie ist es, der „schweigenden Mehrheit“ der Bevölkerung vor der Bundestagswahl eine Stimme zu geben - und eine positive Debatte über die Zukunft unserer offenen Gesellschaft zu führen. 

Bei den zahlreichen in Debatten unter der Fragestellung  „Welches Land wollen wir sein?“ gibt es ganz verschiedene Schwerpunkte. So soll sich die Debatte in Bremen der Frage widmen: „Wie reich ist Bremen?“.

Diese Debatte ist eine Folgeveranstaltung der Debatte, die im Januar zum Thema „Wie arm ist Bremen“ im Überseemuseum stattfand. Aufgrund der großen Nachfrage, haben wir das Platzangebot erweitert. Bis zu 100 Personen können an dieser Veranstaltung teilnehmen.

 

Bilder der Debatte im Januar:

Bild 1- Blick in den Raum

Bild 2 - Impulsgebende bei der Debatte

Bild 3 - Impulsgebende bei der Debatte

Bild 4 - Gruppenbild der Impulsgebenden

Weitere Bilder erhalten Sie bei Frau Gruse.

Fotos: Karsten Klama