Diakonie Deutschland

30.06.2017

Weniger Schutz für Prostituierte durch das Prostituiertenschutzgesetz

Am 1.Juli tritt das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft. In weiten Teilen hilft es den Menschen in der Prostitution nicht. Ganz im Gegenteil: Durch die Einführung einer Anmeldepflicht drängt es Prostituierte eher dazu, im "Verborgenen" zu arbeiten. Nach wie vor werden Prostituierte diskriminiert, sodass sie ihre Tätigkeit oft verschweigen.

Die Diakonie Deutschland unterstützt ausdrücklich das Ziel des Gesetzes, die Selbstbestimmungsrechte von Menschen in der Prostitution zu stärken, verträgliche Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und den Gesundheitsschutz zu verbessern.

Als Kernelement eine Anmeldepflicht für Menschen in der Prostitution einzuführen, ist allerdings der völlig falsche Weg. "Dadurch werden Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht anmelden können oder wollen, von den Hilfe- und Unterstützungsangeboten ausgeschlossen", sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland." "Das kann nicht im Sinne des Gesetzes sein.

Vielmehr sei zu befürchten, dass aus Angst vor Verlust der Anonymität und Ausgrenzung nicht wenige Prostituierte auf die Anmeldung verzichten werden, im Verborgenen arbeiten und damit kaum erreichbar sind für Hilfeangebote. "Unsere Fachberatungsstellen arbeiten zu einem großen Teil mit Frauen in der Armutsprostitution. Insbesondere Frauen aus osteuropäischen Ländern können die Voraussetzungen für das gesetzlich geregelte neue Anmeldeverfahren nicht erfüllen. Sie werden notgedrungen weiter schutzlos sein. Frauen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus werden durch die Anmeldepflicht noch stärker in die Illegalität gedrängt. Das bedeutet weniger Schutz, weniger staatliche Einflussmöglichkeiten und eben kein Mittel gegen Menschenhandel", so Loheide weiter.

Um Unterstützung und Beratung für Menschen in der Prostitution zu verbessern, müssen die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Die Zahl der Beratungsstellen für Prostituierte reicht nicht aus. Zudem sind sie finanziell und personell unzureichend ausgestattet, keineswegs perspektivisch gesichert und nicht in allen Bundesländern vorhanden.

Der Ausbau dieser Strukturen ist eine wichtige Voraussetzung, um Menschen in der Prostitution und Betroffenen von Menschenhandel zu helfen, selbstbestimmt Alternativen für ihre Lebensgestaltung entwickeln zu können.