Diakonie-Projekt fördert Akzeptanz psychisch kranker Menschen im Wohnquartier

06.04.2017

Menschen mit schweren psychischen Beeinträchtigungen haben selten Kontakte mit der "Normalbevölkerung". Vielmehr wohnen, arbeiten und verbringen sie ihre Freizeit vor allem mit anderen Psychiatrie-Erfahrenen. Ein Projekt der Diakonie fördert seit eineinhalb Jahren an fünf Standorten in Deutschland das gemeinsame Zusammenleben in Wohnquartieren. Ziel ist es, die Akzeptanz chronisch psychisch kranker Menschen in der Gesellschaft spürbar zu verbessern. Die fünf Modellstandorte sind in Bremen, Düsseldorf, Hörsel, Stuttgart und Wetzlar. In Bremen wurde der Verein für Innere Mission mit dem Bereich Psychosoziale Hilfen als Modellstandort ausgewählt.

"Mit unterschiedlichen  Partnern vor Ort konnten viele gemeinsame Aktivitäten realisiert werden: Straßenfeste, Filmnachmittage, Musikveranstaltungen, themenbezogene Vorträge, Ausflüge, Theatergruppen, Bibelkreise. All diese Aktivitäten leisten quasi "nebenbei" Anti-Stigma-Arbeit", sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April, der in diesem Jahr Depressionen zum Thema hat.

Darüber hinaus wurden Sprach- und Nähkurse angeboten, Netzwerke mit anderen Gruppen gebildet und Stadtspaziergänge durchgeführt. Betroffene Menschen konnten in Arbeit vermittelt werden, anderen konnten Wohnungen verschafft werden.

Herzstück der Modellstandorte ist die Arbeit der trialogisch besetzten Projektbeiräte. Hier beteiligen sich psychisch kranke Menschen, ihre Angehörigen, Laienhelfer,  Mitarbeiter aus der Einrichtung, Experten und nach Möglichkeit auch zivilgesellschaftliche Akteure. Diese vor Ort zu gewinnen, habe sich durchaus als Herausforderung erwiesen, betont Loheide.

An den Modelstandorten  wurden zudem Aktivitäten aus einem Handlungskonzept erprobt und weiterentwickelt,  Kontakt zu zivilgesellschaftlichen Akteuren gesucht und ein Erfahrungsaustausch der Projekte durchgeführt. Eine Fachtagung diente zur Reflexion und gab fachliche Impulse. Die Modellstandorte werden in den Erprobungsphasen von der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld wissenschaftlich begleitet.

Mehr Informationen zum Projekt und eine Video-Reportage über einen der Modellstandorte finden Sie hier >