Einfach Wohnen

16.02.2016

Pressekonferenz des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen zum Thema „Schlichtwohnungen“

„Wohnen ist keine Ware“, betont Manfred Meyer, Landesdiakoniepastor und Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bremen e.V. „Der Wohnungsmarkt folgt seinen eigenen Regeln und muss stärker gesteuert werden.“ Daher unterstützt die Diakonie das Bremer Aktionsbündnis Menschenrecht auf Wohnen, das sich seit vier Jahren engagiert gegen die Wohnungsnot und für mehr bezahlbaren Wohnraum einsetzt. Es fordert bezahlbare Wohnungen für alle: Geflüchtete, Obdachlose und weitere von Wohnungsnot Betroffene und Bedrohte.
Die Initiativen, Aktionen und Veranstaltungen des Aktionsbündnisses haben dazu beigetragen, dass in Politik und Gesellschaft vermehrt Aktivitäten für mehr Wohnungen, auch im sozialen Bereich, entfaltet wurden. „Allerdings ist deutlich und zunehmend zu erkennen, dass das alles nicht ausreicht und vor allem nicht schnell genug greift“, so Joachim Barloschky, Sprecher des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen.
Im Zentrum der Pressekonferenz stand das Thema „Schlichtwohnungen“. Dies sind nach Zählungen der Arbeitsgruppe „Einfach Wohnen“ des Aktionsbündnisses rund 200 Wohnungen in Bremen, die aktuell der Vonovia gehören.
Bertold Reetz vom diakonischen Verein für Innere Mission in Bremen  kennt aus seiner langjährigen Tätigkeit im Bereich der Wohnungslosenhilfe das Konzept der Schlicht- oder auch OPR-Wohnungen (Ortspolizeirecht) genau. „Wer obdachlos ist, begibt sich in Gefahr. Das bedeutet, die Stadt muss Wohnungen für diese Menschen bereits halten. Aber die Menschen haben dann keinen Mietvertrag“, erklärt er.
Streetworker Jonas Pot d´Or kennt die Menschen, die auf der Straße leben. „Es gibt verschiedene Gruppen“, so der Streetworker. „Manche fühlen sich in einer Mietwohnung nicht wohl, manche sind Einzelgänger und wollen nicht mit ihren Nachbarn sprechen. Für solche Menschen bieten Schlichtwohnungen genau die richtige Umgebung“. Zumindest, wenn sie dann auch das Angebot einer Begleitung erhalten. „Es reicht nicht, den Menschen nur einen Schlüssel in die Hand zu drücken.“
So sind Jonas Pot d´Or und Bertold Reetz auf die Idee gekommen, die das Aktionsbündnis gerne aufgegriffen hat. Die Frage sei gewesen, was mit den Obdachlosen passiere, die nicht „geschossfähig“ seien – diese würden ihre Wohnung schnell wieder verlieren. Für diese Menschen würde das Aktionsbündnis gerne die früheren Schlichtwohnungen, wie in der Reihersiedlung in Oslebshausen, Holsteiner Str. in Walle sowie Am Sacksdamm / Alte Landwehr in Sebaldsbrück, nutzen, die heute der Vonovia gehören. „Es sind etwa 200 Wohnungen, die belegt werden könnten. 400 bis 500 Menschen leben auf der Straße, aber die Wohnungen vergammeln oder sind nicht belegt. Man kann nur spekulieren warum“, so Reetz.
Daher fordert das Aktionsbündnis, dass die Stadt Bremen die Wohnungen aufkauft und saniert. Diese Wohnungen seien ideal für diese Menschen, da sie oft im Erdgeschoss liegen und einen separaten Eingang haben. Auch die Nachbarschaften seien tolerant. „Wir als Verein für Innere Mission würden anbieten Zwischenmieter zu sein“, so Reetz.“ Anders als bei den Schlichtwohnungen soll beim „Einfach Wohnen“ ein Mietvertrag mit den Bewohnern geschlossen werden, damit sie ein Gefühl von Stabilität und Sicherheit haben können.
Der Leerstand der rund 200 Wohnungen, empört die Vertreter und Vertreterinnen des Aktionsbündnisses – so auch den Streetworker Jonas Pot d´Or: „Jahrelang hätten meine Leute in diesen Wohnungen wenigstens Wetterschutz gehabt!“