Erster Pflegetisch in Bremen gegründet

22.02.2018

Diakonie Bremen setzt sich für die Stärkung der regionalen Vernetzung im Pflegebereich ein, begleitet vom Bundesministerium für Gesundheit

Mit dem Inkrafttreten der Pflegestärkungsgesetzte im Jahr 2015 fand die umfangreichste Erneuerung der Pflegeversicherung seit ihrer Einführung vor über 20 Jahren statt. Das Bundesministerium für Gesundheit begleitet noch bis März bundesweit die Einführung sogenannter Pflegetische zur Stärkung der regionalen Vernetzung im Pflegebereich. In Bremen hat das Diakonische Werk nun die Gründung des allerersten Bremer Pflegetischs in Bremen-Nord organisiert. Rund 40 Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Pflegeeinrichtungen, der regionalen Politik und der senatorischen Behörde kamen zur Auftaktveranstaltung in Friedehorst zusammen.

„Als Sie die Einladung bekommen haben, haben Sie vielleicht gedacht ‚Ach schon wieder sollen wir über die Pflege reden, aber reden allein bringt noch nichts. Man muss was tun!‘ Deshalb sind wir heute hier, um den ersten Pflegetisch für Bremen-Nord ins Leben zu rufen“, erklärte Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, Vorstand des Diakonischen Werkes Bremen, in seiner Begrüßung. Auch der Lesumer Ortsamtsleiter Florian Boehlke nahm an der konstituierenden Sitzung teil. „In Bremen-Nord Leben viele ältere Menschen. Pflege spielt hier also eine große Rolle. Zudem ändern sich die Anforderungen an eine gute Pflege: Die Menschen wollen immer länger zu Hause wohnen bleiben, sie werden immer älter und dementsprechend muss die Pflege sich auch darauf einstellen. Von einem gut funktionierenden Netzwerk können die Pflegebedürftigen und deren Familien nur profitieren.“

Elisabeth Kamrad und Sybille Steinmetz von der IFOK GmbH, die den Pflegetisch moderierten, gaben zunächst einen kurzen Überblick zur Geschichte des Regionaldialoges und des Pflegetisches. In den vergangenen zwei Jahren gab es in zehn Metropolregionen die Regionaldialoge „Pflege stärken“. Eins der Ergebnisse daraus war, dass das regionale Netzwerk sehr wichtig ist und Pflege im Netzwerk besonders gut funktioniert. Daher wurden diese vom Bundesgesundheitsministerium begleiteten Pflegetische ins Leben gerufen. Die Pflegetische dienen der Vernetzung der für die Pflege zuständigen Personen und Institutionen vor Ort, mit dem Ziel gute Angebote und Lösungen für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu entwickeln.

In der Vorstellungsrunde äußerten die Teilnehmer unter anderem den Wunsch nach einer besseren Vernetzung und Zusammenarbeit der Träger, nach einem offenen und ehrlichen Austausch sowie nach der Optimierung der Angebote in der Region. Eine der Anwesenden fasste treffend zusammen: „Ich bin hier, weil ich jeden Tag Menschen enttäuschen muss.  Denn es rufen bei uns jeden Tag Leute an, die ich abweisen muss, weil ich keine freien Plätze habe. Ich wünsche mir Solidarisierung und Stärkung des Zusammenhalts zwischen den Trägern“.

Im Rahmen der Diskussion bewerteten die Teilnehmer die Vernetzung und Zusammenarbeit als gut, aber noch ausbaufähig. Die aktuelle Pflegeversorgung in Bremen Nord hingegen wurde von ihnen hingegen als schlecht eingeschätzt. Als mögliche Ursachen nannten sie zu wenige Kapazitäten insbesondere in der Kurzzeitpflege und in der ambulanten Versorgung, eine Überhand nehmende Bürokratie oder auch den fehlenden Praxisbezug der Entscheider in der Politik.

Die Teilnehmer beschlossen, sich zukünftig zwei Mal im Jahr zum Pflegetisch Bremen-Nord zu treffen. Es wurde der Wunsch geäußert, jede Sitzung unter ein relevantes Schwerpunktthema wie die Digitalisierung, die Stärkung des Berufsbildes und eine genaue Bedarfserfassung zu stellen. Das Diakonische Werk Bremen freut sich über die Gründung des Pflegetisches Bremen-Nord und wird auch weiterhin diesen Prozess begleiten. Die Dienste für Senioren und Pflege Friedehorst werden auch künftig die Räumlichkeiten und die Moderation für die Treffen des Pflegetisches – organisiert vom Diakonischen Werk Bremen – anbieten.