Höchste Priorität für Qualität in der Pflege

28.11.2012

Die Qualität in der Pflege zu sichern – diesem Ziel müsse höchste Priorität eingeräumt werden. Das fordern die in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V. (LAG FW) zusammengeschlossenen Organisationen und Einrichtungen.

Der legitime Wettbewerb der Anbieter von Pflegeleistungen dürfe nicht länger über den Lohn, sondern müsse über die Qualität der Pflege ausgetragen werden, sagt LAG- Vorstandssprecher Arnold Knigge.

Zur Steigerung und Sicherung der Qualität seien etliche Aktivitäten gefragt. So unterstützt die LAG jede Initiative auf Bundes- und Landesebene, die konkrete Schritte zur Reform der Altenpflegeausbildung, zur Ausweitung der Qualifizierung von Fachkräften und zur Steigerung der Attraktivität der Berufe in der Altenpflege einleitet. Angesichts des sich weiter verschärfenden Mangels an Fachkräften in der Pflege müssten mehr Jugendliche in der Altenpflege ausgebildet und mehr Umschulungen finanziert werden. Voraussetzung sei, dass die finanziellen Rahmenbedingungen durch das Land Bremen, die Pflegekassen und die Bundesagentur für Arbeit an den steigenden Bedarf angepasst würden.

Qualität habe – wie in jedem anderen Bereich – ihren Preis. Der wirtschaftliche Druck in den Einrichtungen der Altenpflege sei inzwischen bedrohlich. An vielen aktuellen Beispielen werde deutlich, dass es notwendig sei, das Gesamtsystem der Pflege finanziell angemessener auszustatten. So lasse sich die Qualität der Arbeit durch bessere personelle Ausstattung der Pflegeeinrichtungen und durch zielgerichtete Qualifizierung und Fortbildung der Pflegekräfte, etwa zum Umgang mit Demenz oder zur Gewaltprävention, steigern. Knigge: „Wir müssen die Arbeitsbelastung in der Pflege Ernst nehmen. Wir wollen keinen Wettbewerb über unterschiedliche Tarife in der Bezahlung von Pflegekräften und schon gar kein Lohndumping. Sinnvoll sind einheitliche und angemessene Tarife, die den Ausbau von qualitätssichernden Strukturen möglich machen.“

Zu den wesentlichen Ansatzpunkten gehöre auch, dass die starke Belastung der Pflegekräfte durch zeitaufwändige bürokratische Auflagen in Form von Dokumentationen und Statistiken abgebaut werde. „Wir benötigen dringend mehr Zeit für den eigentlichen Kern unserer Aufgaben, und dieser Kern ist die Pflege.“ Der betriebswirtschaftliche Aufwand für bürokratische Auflagen sei in den vergangenen Jahren enorm gestiegen und von vielen Pflegeeinrichtungen kaum noch zu verkraften. Der derzeitige hohe Aufwand für Dokumentation und Statistik komme der Qualität nicht zugute, sondern behindere sie eher.



Die bestehende Finanzierung von Pflegeeinrichtungen müsste verbessert werden mit dem Ziel, die Pflege für die wachsenden Aufgaben in der Zukunft abzusichern, fordert die LAG. Nur auf diesem Weg sei es möglich, der Qualität in der Pflege den zentralen Stellenwert einzuräumen, der ihr gebühre. Wirtschaftliche Spielräume ließen sich darüber hinaus durch Aktivitäten zur Vermeidung von Pflege gewinnen. Dazu seien jedoch bestehende Strukturen in einem gemeinsamen Anlauf aller Beteiligten gezielt zu vernetzen und auszubauen.

Knigge kündigte für das kommende Frühjahr einen Fachkongress mit renommierten Experten und allen Bremer Akteuren zur Zukunft der Pflege an, in dessen Fokus die Themen Qualität und Finanzierung stehen sollen. „Das“, so Knigge, „werden für uns noch lange Zeit die entscheidenden Themen bleiben.“

Der LAG FW gehören als Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Land Bremen die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, die Jüdische Gemeinde, der Paritätische sowie die Bremerhavener Volkshilfe an.