„Ich bleibe, bis der Bagger anrollt!“

03.08.2016

Pressekonferenz des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen

„Eine große Gruppe von Menschen wird aus unserer Stadt an deren Rand getrieben. Es ist allerhöchste Zeit, dass dagegen etwas geschieht“, betonte Manfred Meyer, Landesdiakoniepastor und Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bremen, bei der Pressekonferenz des von der Diakonie unterstützten Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen. Das Bündnis thematisierte die Perspektiven für die Bremer „Schlichtwohnungsquartiere“. Auch Bewohner und Bewohnerinnen der betroffenen Gebiete - Reihersiedlung in Oslebshausen (ca. 50 Wohnungen), Holsteiner Straße in Walle (35 Wohnungen) sowie Am Sacksdamm / Alte Landwehr in Sebaldsbrück (knapp 100 Wohnungen) - waren anwesend.  

Fazit des Aktionsbündnisses:  Die Anwohner und Anwohnerinnen und Stadtteilpolitiker und Stadtteilpolitikerinnen, bzw. Beiräte, haben sich bereits gegen die Abrisspläne positioniert und fordern stattdessen eine einfache Sanierung, die der Vermieter seit Jahren ausgesetzt hat. Der Vermieter, die Vonovia / Annington (früher Bremische), hält allerdings unverändert an den Abrissplänen fest und stellt – mit Billigung der Behörde - vorhandene Wohnungen seit Jahren nicht mehr dem Wohnungsmarkt zur Verfügung. Wir finden, dass dies ein Skandal ist, der ein entsprechendes Handeln unserer  verantwortlichen Politiker erfordert.
Das Aktionsbündnis fordert für die Schlichtwohnungsquartiere eine einfache Sanierung anstelle des Abrisses. Denn die Mieter und Mieterinnen wollen dort bleiben.
So berichtet ein Mieter aus der Holsteiner Straße, dass in seinem Haus drei Generationen seiner Familie leben. „Wir sind gut vernetzt“, betont der Mieter. Der Zusammenhalt als Familie und auch mit den Nachbarn würde durch einen Umzug zerstört. „Mit sechs Kindern, einer pflegebedürftigen Schwiegermutter und einer Frau ist es schwer, eine Wohnung zu finden“, gibt der Mieter darüber hinaus lächelnd zu bedenken.
„Die Diakonie versucht, nachbarschaftlichen Zusammenhalt zu fördern – hier gibt es ihn bereits“, so Meyer. Es sei unsinnig diesen durch den Abriss zu gefährden. Ganz ähnlich schildert auch eine Mieterin aus Am Sacksdamm die Situation. Die Gemeinschaft mit den Nachbarn werde seit Jahren gepflegt. Das wolle man nicht verlieren.  „Wenn ich einkaufen gehe, passen die Nachbarn auf meine Kinder auf“, berichtet die Mieterin. Das wäre in einer neuen Wohnung keinesfalls selbstverständlich.
Für Joachim Barloschky, Sprecher des Aktionsbündnisses ist die Situation untragbar: „Wir erleben hier eine brutale Entmietungspolitik und das anstatt die leerstehenden Wohnungen Menschen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen.“ Daher setzt sich das Aktionsbündnis für den Erhalt der Schlichtwohnungsquartiere ein – aber fordert auch deren Instandsetzung. Schließlich gebe es in manchen Wohnungen nicht einmal ein richtiges Badezimmer.

 

Presseberichte:

Buten un Binnen vom 4. August >

Weser-Kurier vom 4. August >

NWZ vom 4. August >