Kinder brauchen gerechte Teilhabemöglichkeiten

01.06.2017

Diakonie Bremen fordert anlässlich des heutigen internationalen Kindertags eine Grundsicherung für alle Kinder

In Bremen sind laut dem zweiten Armuts- und Reichtumsbericht etwa ein Drittel der Kinder von Armut betroffen. Kinderarmut schränkt die Bildungschancen der Kinder, ihre gesundheitliche Entwicklung und die kulturellen sowie sozialen Beteiligungsmöglichkeiten ein.

Die finanzielle Situation der Familie stellt einen Kernfaktor für die weitere Entwicklung der Kinder dar. Sie entscheidet mit darüber, welche Bildungs-und Teilhabechancen die Kinder im weiteren Leben haben. „Auch die Gesundheit der Kinder - als ein weiterer Teilhabebereich - kann durch Armut beeinflusst werden. So ist die Gesundheit von Kindern, die lange in Armut leben, schlechter als die anderer Kinder“, sagt Landesdiakoniepastor und Vorstand des Diakonischen Werks Bremen e.V. Manfred Meyer. Konkret sei es dringend notwendig, eine  finanzielle Grundförderung für alle Kinder einzuführen. „Um nachhaltig etwas gegen Kinderarmut tun zu können, braucht es sichere und angemessene finanzielle Rahmenbedingungen", so Meyer.

Meyer fordert damit einen Systemwechsel in der Familienförderung. Das bestehende Versorgungssystem aus Kindergeld, Kinderfreibeträgen, Kinderzuschlag und Hartz-IV-Regelsätzen soll durch eine Kindergrundsicherung für jedes Kind in Höhe von 573 Euro pro Kind und Monat ersetzt werden. „Die Grundsicherung für Kinder ist ein wichtiger Grundstein, um finanziell gerechtere Rahmenbedingungen zu schaffen“, so Meyer.

Aktuell werden Kinder je nach der Erwerbssituation ihrer Eltern höchst ungleich finanziell gefördert. Die Kinder von Gut- und Spitzenverdienern bzw. -verdienerinnen profitieren mit steigendem Einkommen von den steuerlichen Kinderfreibeträgen.  „Die gegenwärtige Ungleichbehandlung von Kindern ist zutiefst ungerecht. Dem Staat sollte jedes Kind gleich viel wert sein“, fordert Meyer. Bildung und Gesundheit sollten nicht länger vom Portmonee der Eltern abhängig sein. Jedes Kind muss gleiche Chancen haben.

Für die Forderung der Diakonie Bremen nach einer Grundsicherung für Kinder erhält Meyer auch Unterstützung durch den Präsidenten der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie.  Auch er setzt sich für diese Grundsicherung ein, um der Armut unter den Heranwachsenden wirkungsvoll begegnen zu können. Insbesondere die Teilhabechancen benachteiligter Kinder könnten so, nach Lilie, verbessert werden.
 
„Um an einer gerechteren Gesellschaft mitzuwirken, fordern wir Land und Stadtgemeinden auf, mehr zu tun, um soziale Gerechtigkeit für Kinder und Jugendliche zu schaffen, die sonst zunehmend abgehängt werden und kaum eine Perspektive haben“, so Meyer.  „Der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung und Bildung darf nicht von der Kassenlage der beiden Stadtgemeinden Bremerhaven und Bremen abhängig gemacht werden. Er gilt uneingeschränkt. Familienzentren mit Quartiersbezogenheit und ein erleichterter Zugang zu einer Ganztagsbetreuung für Kindern von Alleinerziehenden sind unabkömmlich.“
 
In Bremen gibt es bereits viele gute Einzelprojekte, die sich für den sozialen Zusammenhalt und gegen (Kinder-)Armut einsetzen. „Diese Projekte gegen Kinderarmut in den einzelnen Stadtteilen Bremens müssen verstetigt werden. Die Vernetzung zwischen den Haupt- und Ehrenamtlichen, den von Armut Betroffenen und den Hilfeträgern ist hervorragend. Diese wertvolle Arbeit muss auch zukünftig verlässlich finanziert werden und so ihre Wirkung nachhaltig entfalten können“ so Meyer.