Projekt „Willkommenskultur in Wohnquartier und Zivilgesellschaft“

21.08.2015

Diakonie Deutschland startet Inklusionsprojekt für psychisch kranke Menschen - Bremen wird einer der fünf Modellstandorte sein

Wie finden Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen mehr Akzeptanz im Wohnquartier, in Kirchengemeinden oder Vereinen? Diesen Fragen geht ein mehrjähriges Projekt der Diakonie Deutschland nach.
Wer psychisch schwer erkrankt ist, leidet nicht nur unter der Krankheit, sondern wird nach aktuellen Studien von der Gesellschaft weiter ausgegrenzt. Die Vorbehalte gegenüber Erkrankungen wie zum Beispiel Psychosen sind hoch. Menschen mit diesen Krankheitsbildern werden oft als störend wahrgenommen. Daran haben Aufklärungskampagnen und eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit bisher nicht viel ändern können.
Um zu zeigen, dass ein gemeinsames Zusammenleben in Wohnquartieren möglich ist, hat die Diakonie Deutschland mit Unterstützung der Aktion Mensch das Projekt „Willkommenskultur in Wohnquartier und Zivilgesellschaft“ gestartet.

Fünf Modellstandorte

An fünf Modellstandorten – Bremen, Düsseldorf, Hörsel, Stuttgart, Wetzlar – werden ab Herbst 2015 gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partnern wie Volkshochschulen, Kleinbetrieben oder kulturellen Anbietern Projekte für beispielhaftes Zusammenleben entwickelt und umgesetzt. "Wir freuen uns, dass Bremen einer der fünf Modellstandorte ist. Unsere Mitgliedseinrichtung, der Verein für Innere Mission, setzt sich mit dem Projekt entscheidend für die gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz für Menschen mit schwer verlaufenden psychischen Erkrankungen ein", sagt Manfred Meyer, Landesdiakoniepfarrer und Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bremen e.V. Gefördert werden soll eine offene Nachbarschaft.  Betroffene sollen vor allem darin gestärkt werden, ihre eigenen Belange wirkungsvoll zu vertreten.
Allen Modellstandorten ist gemeinsam, dass bei den geplanten Aktivitäten psychisch kranke Menschen, ihre Angehörigen und Experten beteiligt werden. Zusätzlich eingeladen sind auch interessierte Bürger, kommunale und lokale zivilgesellschaftliche Akteure im Bereich der Quartiersentwicklung, Vertreter von Kontakt-  und Beratungsstellen für psychisch kranke Menschen sowie regionale Organisationen.

Das Projekt in Bremen

In Bremen wurde eine Mitgliedseinrichtung des Diakonischen Werks Bremen e.V. für die Teilnahme an dem Modellprojekt ausgewählt. Der Verein für Innere Mission in Bremen wird mit seinem Bereich Psychosoziale Hilfen für Menschen mit psychischen Erkrankungen an diesem Projekt beteiligt sein. Die Angebote der Abteilung stellen für die Klientinnen und Klienten sehr kleinteilige Wohnangebote, Beratungs- und Kontaktangebote zur Verfügung und sind gut in den Stadtteilen vernetzt. Im Rahmen des Projekts sollen die Bereiche Wohnen,  Freizeit und Arbeit und Krisenbegleitung den Raum Bremen Mitte für die Klienten und Klientinnen weiter erschlossen werden. Auch sollen die bereits vorhandenen Kontakte zu „Sozialraum“ und „Zivilgesellschaft“ ausgebaut werden. „Eine Möglichkeit, die wir im Rahmen des Projekts in den Blick nehmen möchten, ist eine inklusive Wohngemeinschaft. Dazu gibt es auch bereits erste Interessenten. Wir freuen uns über weitere Anfragen“, sagt Gabriele Ravenborg-Natur, Einrichtungsleiterin der Wohnheime Frida-Bücker-Haus und Parkstr. 101 und des ambulanten Trainingswohnens.
Die Mitarbeitenden haben Erfahrungen mit Menschen verschiedener Nationalitäten und arbeiten auf dieser Ebene in Bremen mit verschiedenen Initiativen zusammen. Sie kooperieren unter anderem mit den Kirchengemeinden in der Region, Beschäftigungsträgern und einzelnen Wohnbaugesellschaften, Schwimmbädern und Werder Bremen. Außerdem hoffen die Mitarbeitenden auf eine noch stärkere Beteiligung von Privatpersonen aus dem Stadtteil. „Wir werden auf jeden Fall eine Begleitgruppe gründen. Es wäre für uns sehr hilfreich, wenn sich interessierte Menschen aus dem Stadtteil für das Projekt interessieren und in der Begleitgruppe mitmachen würden“, sagt Gabriele Ravenborg-Natur.