Schäßburg - ein Ort der Gegensätze

01.06.2017

Immer wieder nutzen wir die Gelegenheit uns mit unseren Partnern in Schäßburg zu treffen, denn durch die mehr als 40-jährige Partnerschaft zwischen der Evangelischen Gemeinde Schäßburg und dem Diakonischen Werk Bremen sind aus Partnern Freunde geworden.

Vom Flughafen wird die zehnköpfige Reisegruppe aus Bremen von Dieter König und Dieter Fritsch abgeholt. Die beiden Schäßburger werden herzlich begrüßt, bevor die knapp zweistündige Autofahrt nach Schäßburg beginnt. Die Stadt in der Region Siebenbürgen ist ein wahrer Ort der Gegensätze: Autos überholen Pferdekarren, neue prachtvolle Gebäude stehen neben verfallenen Hütten.

Mittags macht die Gruppe einen Stopp in der Anlage "Dracula Danes". Mit ihrem einladenden Pool, dem gepflegten Park und den Pferdestallungen, die zum Reiten einladen, ist diese Anlage ein gutes Beispiel dafür, wie die Region durch den Tourismus aufblüht.

Gleichzeitig führt aber die insgesamt schlechte wirtschaftliche Lage in Rumänien dazu, dass viele junge Siebenbürgen auswandern - nach Österreich, Deutschland oder in die Schweiz. Deutsch sprechen die Siebenbürgen ohnehin, weshalb sie leicht eine Ausbildung, ein Studium oder eine Stelle im deutschsprachigen Ausland finden.

Die Auswanderung vieler junger Menschen führt dazu, dass die 499 Gemeindemitglieder (von denen wiederum etwa 170 im Ausland leben) der Gemeinde Schäßburg überwiegend ältere Menschen sind, die kein Familienmitglied vor Ort haben, das sie unterstützt. Deshalb ist die Altenhilfe ein Schwerpunkt der Gemeinde. Darüber spricht die Gruppe bei mehreren Gelegenheiten mit Vertretern und Vertreterinnen der Gemeinde, wie Stadtpfarrer Bruno Fröhlich, Kurator Dieter Zikeli, Kirchenvater Günther Müller, Kirchenmutter Carmen Foaltin und weiteren Presbytern. 

Auch darüber, welche Perspektiven die Gemeinde hat und wie sie sich zukünftig ausrichten möchte, machen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde viele Gedanken, denn das Schrumpfen der Gemeinde - nun schon unter 500 Mitglieder - betrachten sie mit Sorge.

Da auch viele Pflegekräfte nach Deutschland gehen, ist die Leiterin der Sozialstation "Pflegenest", einem kleinen Altenpflegeheim mit acht Plätzen, Erica Duma besonders stolz, dass die Mitarbeiterinnen des Pflegenests bereits seit zehn Jahren dieselben sind. "Das liegt auch an der guten Atmosphäre im Pflegenest", so Erica Duma. Aber ebenso seit die Bezahlung für Rumänien durchaus attraktiv - wenn auch nicht mit deutschen Gehältern vergleichbar.

Die gute Atmosphäre im Pflegenest erlebt die Gruppe auch beim Besuch der Sozialstation. "Es ist als hätte man einen Haushalt mit acht Kindern", so Erica Duma. Schließlich würde alles anfallen - vom Putzen, Waschen, Bügeln und Kochen bis hin zur Pflege. Die Plätze im Pflegenest sind gefragt aber ebenso die ambulanten Angebote, wie die ambulante Pflege und das Essen auf Rädern. "Es werden immer weniger ambulante Fälle - aber sie werden umso aufwändiger", erklärt Erica Duma. Um den Übergang zwischen ambulanter Versorgung und stationärer Pflege zu erleichtern, hat die Gemeinde das Pflegenest um drei Plätze für betreutes Wohnen erweitert. Auch diesen neuen Bereich hat sich die Gruppe angeschaut, bevor die Interessierten Erica Duma und ihrer Vertretung Zsuzsanna Nagy beim Verteilen des Essens auf Rädern begleitet haben. 25 Portionen fahren die Mitarbeiterinnen des Pflegenests täglich (außer sonntags) aus.

Bei dieser Tour bekam die Gruppe einen guten Einblick von Schäßburg und den ganz unterschiedlichen Arten dort zu leben. Teilweise leben die älteren Menschen sehr isoliert auf verfallenen Höfen, manchmal sind sie noch etwas besser mit der Nachbarschaft vernetzt. Doch die Gemeinschaft der Nachbarn, die sich gegenseitig unterstützt hat, gibt es so nicht mehr. Auch nicht auf dem Land - wie es die Gruppe beim Besuch der Kirchenburgen in Malmkrog und Deutsch-Weißkirch erfährt. An beiden Tagen hat die Gruppe die Gelegenheit mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen und erfahren so mehr über den Alltag in den Dörfern. Während in Deutsch-Weißkirch die Familie von Frau Doz, die die Gruppe herumführt, die einzigen Siebenbürger-Sachsen sind, die noch dort leben, zeigt sich in Malmkrog ein ganz ungewöhnliches Bild. Hier, so berichtet uns ein junger Mann, leben überwiegend jüngere Familien. Warum das so sei, könne er sich allerdings auch nicht erklären, denn in den umliegenden Dörfern seien auch keine "Jungen" wieder aus dem Ausland zurückgekommen.

Einen schönen Abschluss der Reise bildet der Gottesdienst in der Klosterkirche, den die drei Bremer Pastoren (Almut Hinz, Jens Florian und Manfred Meyer) gemeinsam mit dem Stadtpfarrer gestalten.  Im Rahmen des Gottesdienstes werden Pastor Manfred Schulken und das Ehepaar Siedler für ihre langjährige Freundschaft mit Schäßburg gewürdigt. Beim gemeinsamen Beisammensein im Kreuzgang der Klosterkirche bei Kaffee und Kuchen entstehen wieder einmal viele gut Gespräche mit den Menschen aus der Gemeinde Schäßburg.

Die Eindrücke waren vielseitig - und besonders kostbar waren natürlich die vielen herzlichen Begegnungen mit den Schäßburgern - wie beim traditionellen Grillen auf dem "Schänzgen" - die der Gruppe auch nach dem Heimflug in Erinnerung bleiben. Dankbar für die schöne Zeit in Schäßburg denken alle zehn gerne an die Reise nach Siebenbürgen zurück – die für manche Mitreisenden nicht die erste und für viele sicher auch nicht die letzte war!

 

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