Sexualität auch am Lebensende?!

01.02.2018

Worüber man nicht spricht – Diskussionsstoff bei der 9. LEBEN UND TOD

Der Körper verändert sich durch Krankheit und Sterben – nicht selten sind Scham und Ekel bei Angehörigen und Pflegekräften, aber auch bei den Betroffenen selbst die Folge. Und auch die Sexualität gerät am Lebensende oftmals in den Hintergrund. Unter dem Motto „Mit Leib und Seele!“ widmet sich die LEBEN UND TOD in ihrer neunten Ausgabe diesen und weiteren spannenden Themen aus den Bereichen Pflege und Hospiz sowie Seelsorge und Trauerbegleitung. Am Freitag und Samstag, 4. und 5. Mai, diskutieren Experten beim Fachkongress, die interessierte Öffentlichkeit erhält in Vorträgen und Workshops sowie auf der begleitenden Messe Einblicke in die Themen rund um die Zeit am Lebensende, ums Sterben und den Tod.
„Sexualität und Zärtlichkeit bei Sterbenden“ – mit diesem Tabuthema beschäftigt sich Martina Kern, Leiterin des Zentrums für Palliativmedizin am Malteser Krankenhaus Bonn/Rhein-Sieg. In ihrem Vortrag sensibilisiert sie für Intimität, Nähe und Berührungen bei schwerstkranken und alten Menschen und gibt anhand von Beispielen aus der Praxis Hilfestellung, den Fragen und Wünschen von Patienten und Angehörigen sicherer zu begegnen. „Sexualität und Körperbewusstsein sind wesentliche Aspekte der Lebensqualität und wichtige Bestandteile des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls, so lange ein Mensch lebt. Aber gerade im Alter wird der Wunsch nach Sexualität häufig unterschätzt und tabuisiert“, sagt Kern.
Grund hierfür können Veränderungen des Körpers ausgelöst durch Krankheit oder natürliches Altern sein. „Viele Patienten, insbesondere am Lebensende, schämen sich ihrer Erkrankung oder ihres Alters und der damit verbundenen körperlichen und geistigen Auswirkungen und Einschränkungen“, weiß Dr. Susanne Hirsmüller. Gemeinsam mit Lebenspartnerin Magrit Schröer spricht sie zum Thema „Der fremde und der eigene Blick – Schamgefühle in schwerer Krankheit“.  
Abgerundet wird der Themenblock mit dem Vortrag „Scham, Ekel, Ängste – Emotionen positiv verändern durch Multisensorik in der Pflege“ von Beat Grossenbacher. Er erforscht seit mehr als 20 Jahren das Verhalten des Menschen in Bezug auf das Zusammenspiel von Farben, Formen, Licht, Akustik und Duft. Mit Hilfe von praxisnahen Beispielen zeigt er, wie unter anderem Ängste in bessere Bahnen geleitet oder Scham und Ekel in positivere Gefühle umgemünzt werden können.
Die LEBEN UND TOD ist in ihrer Form einzigartig in Deutschland und zeichnet sich unter anderen durch ihre Themenvielfalt aus. Ob lebenserhaltende Maßnahme oder Lebensqualität – welche Rolle Ernährung für Sterbende spielen kann, zeigen Fachleute aus Wissenschaft und Praxis im Rahmen des Schwerpunktthemas „Ernährung“. Neben dem Leib spielt auch die Seele eine wesentliche Rolle: Wie geht man mit den Ambivalenzen von Lebenslust und Sterbensangst um? Wo endet die Seelsorge und wo beginnt die Psychotherapie? Nicht zuletzt wird auch das Thema Nahtoderfahrung im Kongressprogramm aufgegriffen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Ergänzend dazu finden Besucher auf der begleitenden Messe Produkte, Dienstleistungen und Informationen von rund 130 Ausstellern. Neben Heilmitteln, Schmerz- und Aromaölen sind Klangschalen, Trauerschmuck und vieles mehr erhältlich. Einen zentralen Treffpunkt, einen Ort zum Verschnaufen oder für Gespräche mit anderen Besuchern bietet der „Platz der Begegnung“ im Zentrum der Halle 6 der Messe Bremen.
Die LEBEN UND TOD in der Messe Bremen ist am Freitag, 4. Mai, von 9 bis 18 Uhr und am Samstag, 5. Mai, von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung kostet 6 Euro, der Zugang zum Kongress ab 25 Euro. Interessierte Fachteilnehmer können sich online registrieren.
Mehr Infos unter www.leben-und-tod.de