Sozialpolitische Erklärung betont die gesellschaftliche Verantwortung

24.05.2012

Die Bremische Evangelische Kirche und das Diakonische Werk Bremen haben eine gemeinsame sozialpolitische Erklärung verabschiedet.

Darin machen Kirche und Diakonie auf die soziale Spaltung  und deren Auswirkungen auf Bremen aufmerksam. In ihrer Erkälrung betonen sie die gesellschaftliche Verantwortung zur Überwindung dieser Spaltung.

Die Erklärung im Wortlaut:

Der Ausschuss für Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung und der Kirchenausschuss beantragen, der Kirchentag möge folgende Stellungnahme beschließen:

„Gerechtigkeit erhöht ein Volk“

Für eine bessere Zukunft und eine gerechtere Welt

Mit ihrem Schwerpunkt-Thema „Armut und Reichtum – gemeinsam für eine  soziale Stadt“  macht die Bremische Evangelische Kirche heute erneut auf die soziale Spaltung und deren Auswirkungen in Bremen aufmerksam.
Viele Projekte zur Armutsbekämpfung sind inzwischen in der Bremischen Evangelischen Kirche auf den Weg gebracht. Kirchengemeinden kommen - zusammen mit diakonischen Einrichtungen, Stadtteilakteuren und öffentlichen Institutionen - in vielfältiger Weise ihrem christlichen Auftrag nach. Menschen aus den Quartieren sind mit uns unterwegs und dies bedarf der tatkräftigen Fortführung.
Unser Blick hat sich geschärft: Unsere Stadt ist gespalten. Dies bezeichnen eindeutig die aktuellen Analysen des Statistischen Landesamtes Bremen und der Arbeitnehmerkammer Bremen. Eine bundesweit überdurchschnittliche Armutsquote steht steigenden Einkommen und einem hervorragenden Wirtschaftswachstum gegenüber. Letzteres muss genutzt werden, um diese Spaltung zu überwinden.
In einer sozialen Stadt muss allen Menschen Würde und Auskommen sicher sein. Dies ist eine Aufgabe aller. Insbesondere die Starken sollen sich dafür einsetzen. Die Tätigkeit der Lesehelferin ist ebenso wertvoll wie die der Politikerin, die sich für eine sozial verantwortliche Verteilung der staatlichen Einnahmen einsetzt. Ihr persönliches Engagement ist ebenso gefordert wie das gesellschaftliche und politische Handeln der Kommunen und Institutionen.

Die Bremische Evangelische Kirche tritt ein:

Für eine Kultur des Teilens, die davon ausgeht, dass wer viel hat auch viel geben kann – nicht nur materiell. Darin spiegelt sich die Verantwortung jedes Einzelnen an dem Gelingen eines Gemeinwesens.
Für eine gerechtere Besteuerung, die den Staat in die Lage versetzt, seine sozialen und kulturellen Aufgaben zu erfüllen.
Für wirksame politische Instrumente, die zu einer Regulierung der Finanzmärkte führen und über Bremen und Deutschland hinaus weltweit eine gerechtere Verteilung ermöglichen. Davon hängen zukünftig Frieden und Wohlstand auch bei uns ab.
Für eine Stadtentwicklung, die mit ihrer Wohnungsbau- und Sozialpolitik  dafür sorgt, dass die verschiedenen Milieus in der Stadt miteinander leben können, d.h. dass bezahlbarer Wohnraum und die Infrastruktur in den Quartieren an den Bedarfen der Menschen und nicht nur an wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet sind.
Für eine Bildungspolitik, die einschließt anstatt auszugrenzen. Dazu gehören Rahmenbedingungen´- z.B. genügend Personal und eine angemessene materielle Ausstattung der Schulen und der Kitas-, die notwendige Unterstützungen ermöglichen und die Zugangschancen für alle vergrößern.
Für eine Arbeitsmarktpolitik, die es ermöglicht, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können und gleichzeitig genügend Zeit für ihre Familien, Freunde und für soziales und kulturelles Engagement haben.
Für eine ausreichende Ausstattung der sozialen Sicherungssysteme – Pflege, Fürsorge und Betreuung -, die sowohl den zu Versorgenden als auch den Beschäftigten ein gesichertes und gutes Leben ermöglicht.