Stadtteile nicht mit den Herausforderungen der Armut alleinlassen

22.01.2018

Eine neue Studie der Arbeitnehmerkammer zeigt: Das Armutsrisiko im Land Bremen ist gesunken - in Bremen und Bremerhaven je um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich ballt sich die Armut in stärker in bestimmten Stadtteilen, in denen schon in der Vergangenheit besonders viele Menschen auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen waren. Das sind vor allem Gröpelingen, Blumenthal und Huchting.

Ursache für diese Ballung ist laut der Arbeitnehmerkammer der Zuzug von geflüchteten und Zuwanderern aus Süd- und Osteuropa in den vergangenen zwei Jahren. Diese Neu-Bremer seien vor allem dorthin gezogen, wo es günstigen freien Wohnraum gab. Und das waren vor allem die genannten Stadtteile, die nun an ihre Grenzen stoßen. „Schon vor dem Zuzug gab es in Gröpelingen, Blumenthal und Huchting zu wenig Kita-Plätze und einen großen Bedarf an Angeboten zur Sprachförderung und Berufsqualifizierung. Jetzt steigt dieser Bedarf und damit auch die Herausforderung für die Stadtteile“, so Landesdiakoniepastor Manfred Meyer.

Armut hat viele Ursachen – ein höheres Armutsrisiko tragen Langzeitarbeitslose und prekär Beschäftigte. Die Diakonie setzt sich dafür ein, benachteiligten Arbeitssuchenden, wie Langzeitarbeitslose oder gering Qualifizierte, neue Beschäftigungsperspektiven und Teilhabemöglichkeiten zu eröffnen. „Für die mehr als 12.000 Langzeitarbeitslosen muss die öffentlich geförderte Beschäftigung in Bremen deutlich ausgebaut werden“, betont Meyer. Die Diakonie schlägt seit einigen Jahren außerdem den sogenannten  „Passiv-Aktiv-Transfer“ vor, um Langzeitarbeitslosen eine sinnstiftende Tätigkeit zu ermöglichen.

Außerdem fordert die Diakonie verstärkte Anstrengungen im Bereich von Bildung und Erziehung, insbesondere eine bessere personelle Ausstattung von Schulen mit Lehrkräften und Sozialpädagog*innen. „Integration in einer bunten Gesellschaft muss gestaltet und nicht nur diskutiert werden“, so der Landesdiakoniepastor. Bedauerlich ist dabei, dass häufig nicht alle zur Verfügung stehenden Kräfte genutzt werden. So wünscht er sich, dass in Bremen viel schneller und konsequenter als bislang die aufholende Entwicklung bei Kindertagesstätten auch mit Hilfe der freien Träger und Investoren genutzt wird. Bisher wird zu zögerlich agiert. „Wir brauchen für diese aufholende Entwicklung alle gesellschaftlichen Kräfte und können uns durch unnötige Ressentiments gegen Investoren nicht selbst begrenzen“, so Meyer.

So erfreulich die gesunkene Zahl des Armutsrisikos im Land Bremen auch ist, es sei fahrlässig, aus dieser Freude heraus die nun besonders geforderten Stadtteile mit den Herausforderungen alleinzulassen.  „Die Bedeutung von Bildungs- und Freizeitangeboten und Unterstützung in Form von Ansprechpartnern vor Ort ist nicht zu unterschätzen. In Bremen gibt es bereits viele gute Einzelprojekte zum Beispiel zur Sprachförderung oder für einen Wiedereinstieg in den Beruf, die sich für den sozialen Zusammenhalt einsetzen und somit aus der Not heraus kommunale Aufgaben der Daseinsvorsorge übernehmen. Gerade in den genannten Stadtteilen – aber auch in ganze Bremen – müssen diese Projekte verstetigt und zu städtischen Aufgaben werden“, betont Meyer.