Tag für Afrika

20.06.2017

200.000 Schülerinnen und Schüler beim „Tag für Afrika“ - Erlös für Bildungsprojekte bestimmt

Am 15. „Tag für Afrika“ 2017 engagieren sich rund 200.000 Schülerinnen und Schüler von 583 Schulen aus ganz Deutschland: Sie erarbeiten 1,4 Millionen Euro für Bildungsprojekte in Afrika und junge Geflüchtete in Deutschland. Aktion Tagwerk veranstaltet die Kampagne seit drei Jahren gemeinsam mit dem evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt.

 

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr Mädchen und Frauen in Afrika. Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland treten mit ihrem Handeln am bundesweiten „Tag für Afrika“ für bessere Lebensumstände und gute Bildung von Gleichaltrigen in Afrika ein. Es geht um die Zukunftsgestaltung für Länder und Menschen. Aktion Tagwerk setzt sich 2017 insbesondere für die Gleichstellung und Frauenförderung in afrikanischen Ländern ein. Das Kampagnenmotto 2017 lautet „Gemeinsam gleiche Chancen schaffen“.

 

Zum 15. Mal veranstaltet der Verein Aktion Tagwerk am heutigen Dienstag den „Tag für Afrika“ – er ist der Höhepunkt der bundesweiten Kampagne „Dein Tag für Afrika“ 2017. In ganz Deutschland engagierten sich in diesem Jahr rund 200.000 Schülerinnen und Schüler aus 583 Schulen und arbeiteten für den guten Zweck, leisteten Hilfsdienste im Freundes- oder Familienkreis, organisierten einen Solidaritätsmarsch „Go for Africa“ oder veranstalteten gemeinsame Aktionen im Klassenverband. Der Verein Aktion Tagwerk rechnet mit einem Gesamterlös in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro, der Bildungsprojekten für junge Leute in Ruanda, Uganda, Burundi, Südafrika und Ghana zugutekommt. Auch junge Geflüchtete in Deutschland werden in diesem Jahr wieder unterstützt. In den vergangenen 15 Jahren, seit 2003, haben sich mit Aktion Tagwerk im gesamten Bundesgebiet rund 2,7 Millionen Schülerinnen und Schüler am „Tag für Afrika“ beteiligt.

Gute und qualifizierte Bildung für Kinder weltweit ist das Ziel von Aktion Tagwerk. Junge Menschen aus ganz Deutschland setzen mit ihrem Engagement ein Zeichen: Sie schaffen Bewusstsein für die Lebensumstände und Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Afrika. Mit dem Motto „Gemeinsam gleiche Chancen schaffen“ soll die

Gleichstellung und Frauenförderung in den von Aktion Tagwerk unterstützten Projekten in Afrika eine wichtige Rolle spielen.

 

Projektpartner von Aktion Tagwerk ist seit Beginn die Kinderhilfsorganisation Human Help Network e.V., seit drei Jahren arbeitet Aktion Tagwerk auch mit dem Hilfswerk Brot für die Welt zusammen.

 

Zum Höhepunkt der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ 2017 fand heute die bundesweite Pressekonferenz im Rabanus-Maurus-Gymnasium in Mainz statt. Am Mittag gaben Dr. Stefanie Hubig, rheinland-pfälzische Bildungsministerin, und Nora Weisbrod, Mitbegründerin und Geschäftsführende Vorsitzende des Vereins Aktion Tagwerk, die bundesweiten Teilnehmerzahlen und die erste Hochrechnung der Kampagne 2017 offiziell bekannt. Das Rabanus-Maurus-Gymnasium in Mainz nimmt seit der ersten Aktion 2003 am „Tag für Afrika“ teil.

 

Nora Weisbrod, Mitbegründerin und Geschäftsführende Vorsitzende von Aktion Tagwerk e.V., besuchte am Aktionstag zahlreiche Schülerinnen und Schüler in Mainz und macht sich selbst ein Bild von deren „Tagwerk“. „Über 100.000 Schülerinnen und Schüler jobben für den guten Zweck, mindestens genauso viele engagieren sich für Gleichaltrige mit tollen Schulaktionen. Ich bin begeistert von den vielen guten und kreativen ‚Tagwerk‘-Ideen und dem persönlichen Engagement. Besonders freue ich mich, dass unsere Idee von Aktion Tagwerk immer wieder auf großes Interesse stößt und zeigt, dass jungen Leuten das Schicksal von Kindern und Jugendlichen in Afrika keineswegs gleichgültig ist. Sie engagieren sich und wollen etwas verändern. Sie sehen dabei auch die Situation der vielen jungen Geflüchteten, die in Deutschland eine neue Heimat finden mussten. Das gibt Hoffnung, insbesondere in diesen unruhigen Zeiten. Für Hoffnung steht Aktion Tagwerk und deshalb für die Bildung von Kindern und Jugendlichen. In erster Linie in Afrika, aber auch weltweit machen wir uns für eine bessere Zukunft stark“.

 

Im Mittelpunkt der Kampagne 2017 stehen Mädchen und Frauen in Afrika.

Warum dieser Schwerpunkt gewählt wurde, erklärte Nora Weisbrod: „Noch immer ist qualifizierte Bildung keine Selbstverständlichkeit. Leider! Fast 130 Millionen Mädchen können keine Schule besuchen, sie brauchen besondere Aufmerksamkeit. Sonst verpassen junge Frauen die Chance, später für sich und ihre Familie sorgen zu können. Bis 2050 verdoppelt sich, nach heutigen Schätzungen, die Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent. Damit wächst derzeit die größte Jugendgeneration weltweit heran.“

 

Weisbrod dankte allen Tagwerkerinnen und Tagwerkern sowie den Lehrkräften, den Eltern und Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, die sich an der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ beteiligten für ihre Zeit, Kraft und Unterstützung.

 

Dr. Stefanie Hubig, rheinland-pfälzische Bildungsministerin, unterstützt die Kampagne „Dein Tag für Afrika“ von Aktion Tagwerk und sagte am Aktionstag in Mainz: „Die Aktion Tagwerk ermöglicht Kindern in Afrika einen Zugang zu Bildung. Es geht um konkrete Hilfe vor Ort, die Chancen für ein besseres Leben schafft. Dabei wirkt die Aktion Tagwerk gleich doppelt: Auf der einen Seite werden in Afrika Strukturen etabliert und Bildung ermöglicht, auf der anderen Seite verdeutlicht die Aktion Kindern in Deutschland, dass lernen und zur Schule gehen nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist. Ich bedanke mich bei allen Schülerinnen und Schülern, die sich auch in diesem Jahr wieder mit unglaublichem Engagement dafür einsetzen, dass Kinder in Afrika von Bildungsprojekten profitieren können. Besonders freut mich, dass der Aktionstag von den Schulen, den Eltern und natürlich den Betrieben so aktiv unterstützt wird.“

 

Linda Metzger und Anna Stendtke, 12. Klasse des Rabanus-Maurus-Gymnasiums, engagierten sich schon mehrfach beim „Tag für Afrika“ und jobbten in diesem Jahr am Aktionstag bei einem Fahrradladen und im Tierheim in Mainz:

Anna Stendtke berichtete anschließend: „Ich finde den ‚Tag für Afrika‘ toll und bin gerne dabei, denn ich kann mich einbringen, gleichzeitig helfe ich anderen und mache dabei auch neue, eigene Erfahrungen. Im Tierheim habe ich heute verstanden, wie viel Arbeit die tägliche Pflege der Vierbeiner benötigt und es braucht viel Geduld und Zuversicht, um die Tiere wieder aufzupäppeln und ihnen hoffentlich ein gutes, neues Zuhause zu vermitteln. Mit meinem ‚Tagwerk‘ konnte ich in diesem Jahr daher gleich doppelt Gutes tun, das ist schön“.

 

Linda Metzger sammelte bei ihrem „Tagwerk“ in einem Fahrradladen praktische Erfahrungen: „Ich habe heute gelernt, welchen Nutzen eine Fahrradkodierung bringt und wie wichtig der Luftdruck für den Erhalt des Reifens ist. Der Job hat Spaß gemacht und die Passanten waren echt interessiert am ‚Tag für Afrika‘ und den Projekten. So konnten wir mit unserem ‚Tagwerk‘ auch viel Aufmerksamkeit für die Bildungsprojekte erreichen“, berichtet die Mainzerin.

 

Ein „Tagwerk auf dem Wasser“ – das hatte sich Benjamin Bürger, Schüler der 7. Klasse der CJD Christophorusschule Königswinter, für den Aktionstag gesucht und arbeitete an diesem Tag auf der Rheinfähre Königswinter. Die Fähre verkehrt im 8- Minuten-Takt zwischen Königswinter und Bonn-Mehlem, und der 12-jährige begleitete die Passagiere auf der Fähre bei der Überfahrt. „Das war toll, ich durfte die Gäste empfangen und auf der Fähre abkassieren, es hat sehr viel Spaß gemacht. Meinen Lohn spende ich nun für Kinder und Jugendliche, damit sie auch eine Schule besuchen können“.

 

Sein Interesse für Mode verband Jonas Neumann, 9. Klasse der Max-Delbrück-Schule in Berlin, mit seinem Engagement am „Tag für Afrika“, denn er jobbte an diesem Tag im „Modeatelier Franzius“ in Berlin Mitte und schnupperte in die Modewelt hinein. „Ich habe heute bei meinem ‚Tagwerk‘ viel gelernt, zum Beispiel wie Mode aus Berlin nach Japan kommt und wie ein neues Kleidungsstück entworfen wird. Ich konnte viel mitarbeiten und bin stolz, meinen Lohn nun weitergeben zu können“.

 

In Berlin liefen 400 Schülerinnen und Schüler der Herman-Ehlers-Oberschule in Berlin-Steglitz bei einem Spendenlauf „Go für Africa“ für bessere Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Afrika und Deutschland im Stadtpark Berlin-Steglitz.

 

Hintergrund: Das ist Aktion Tagwerk

 

2,7 Millionen Jugendliche haben sich seit 2003 engagiert

Aktion Tagwerk besteht seit 15 Jahren. In dieser Zeit haben sich rund 2,7 Millionen junge „Tagwerkerinnen und Tagwerker“ für Gleichaltrige in Afrika engagiert. Die Idee ist aktuell geblieben: Freiwillige Hilfe und persönlicher Einsatz von jungen Menschen in Deutschland für junge Menschen in Afrika und für junge Geflüchtete in Deutschland. Aus allen Schulformen und Klassenstufen von der 1. bis zur 13. Klasse kommen die jungen „Tagwerker“. Unternehmen und Betriebe unterstützen dieses Engagement, indem sie ihre Türen öffnen. Für tausende Schülerinnen und Schüler steht am Aktionstag ihr „Tagwerk“ auf dem Stundenplan, gemeint ist damit der freiwillige Einsatz für andere junge Menschen.

 

So haben sich viele Schülerinnen und Schüler für diesen Tag selbst einen „Tagwerk-Job“, gegen Entlohnung gesucht: Sie schnupperten in die Modewelt hinein, blickten hinter die Kulissen eines Modeateliers in Berlin und lernten die Arbeiten einer Designerin kennen, die „Tagwerker“ packten in einem Fahrradladen mit an und leisteten kleine Reparaturarbeiten; sie machten sich ein Bild von den vielfältigen Aufgaben der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin, besuchten eine wichtige Konferenz und unterstützten bei den Vorbereitungen des großen Heimatssommerfestes; eine Schülerin kletterte mit einem Schornsteinfeger auf die Dächer und erfuhr mehr über die Arbeit des sogenannten „Glücksbringers“; andere unterstützten das Team in einem Tierheim und kümmerten sich fürsorglich um die Pflege der Tiere. Aber auch gemeinsam im Klassen- und Schulverband wurde sich engagiert und Hilfsdienste im Freundes- und Familienkreis wurden geleistet, Solidaritätsmärsche „Go for Africa“ oder andere kreative Schulaktionen wurden organisiert – vom Kuchenverkauf, Konzerten oder Müllsammelaktionen waren wieder viele bunte Spendenaktionen dabei. Gemeinsames Ziel ist es, die Bildungssituation vieler Kinder und Jugendlicher in Afrika zu verbessern.

 

Initiator und Träger der jährlich stattfindenden Kampagne „Dein Tag für Afrika“ ist der Verein Aktion Tagwerk, der im November 2014 mit dem BAMBI in der Kategorie „Unsere Erde“ ausgezeichnet wurde. Sitz des Bundesbüros von Aktion Tagwerk ist Mainz, darüber hinaus gibt es ein Regionalbüro Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Bonn und ein Regionalbüro Berlin/Brandenburg mit Sitz in Berlin.

 

Fester Projektpartner von Aktion Tagwerk ist die Kinderhilfsorganisation Human Help Network e.V. (www.hhn.org), aus der Aktion Tagwerk hervorgegangen ist. Mit Human Help Network e.V. realisiert Aktion Tagwerk die meisten Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche in Afrika. Der Schwerpunkt der Projektarbeit liegt in Ruanda und Uganda, daneben zählen zwei langjährige Bildungsprojekte in Burundi und Südafrika zu der wichtigen gemeinsamen Arbeit.

 

Seit 2015 ist das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt (www.brot-fuer-die-welt.de) ein weiterer Partner von Aktion Tagwerk. Gemeinsam rufen sie zur Teilnahme an der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ auf und unterstützen die von Aktion Tagwerk geleistete Bildungsarbeit in Deutschland. Mit dem Erlös wird ebenfalls ein Ausbildungszentrum in Ghana unterstützt.

 

Der Fokus der Kampagne 2017 „Gemeinsam gleiche Chancen schaffen“

Die Gleichstellung und Frauenförderung in afrikanischen Ländern spielt in den von Aktion Tagwerk geförderten Projekten eine große Rolle. Heute gehen zwar weltweit mehr Mädchen zur Schule als jemals zuvor. Dennoch sind weiterhin 130 Millionen Mädchen im Grundschul- und Sekundarstufenalter nicht in der Schule. (Quelle: UNESCO 2016, Policy Paper 27. http://news.brot-fuer-die-welt.de/r.html?uid=A.B.BlBg.Cm.BYQQd.Oz9ZHgcP_rEbO0J4GuzLjw images/0024/002452/245238E.pdf)

Aktion Tagwerk hat es sich von Anfang an auch zum Ziel gemacht, sich für gleiche Chancen für Mädchen und Frauen in Afrika einzusetzen.

 

Aktion Tagwerk unterstützt beispielsweise ein Ausbildungsprojekt in Kamuli, einer ländlichen Region Ugandas. Frauen in dieser Region sind meist sozial und familiär benachteiligt und erhalten keine oder nur unzureichend Bildung. Durch eine qualifizierte Berufsausbildung und 80 Stipendienprogramme speziell für Mädchen hat es sich Aktion Tagwerk mit seinem Projektpartner, der Kinderhilfsorganisation Human Help Network e.V., zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern. Der Schwerpunkt liegt momentan auf dem Aufbau einer KFZ-Werkstatt, in der derzeit 100 junge Menschen ausgebildet werden, darunter auch 25 Frauen. Dies ist im Umkreis die einzige KFZ-Werkstatt, wodurch gleichzeitig neue Arbeitsplätze für Frauen und Männer geschaffen werden.