Türkei: Flüchtlinge müssen ihre Rechte kennen

08.12.2017

EU unterstützt Hilfsprogramm der Diakonie Katastrophenhilfe

Humanitäre Hilfe für Flüchtlinge in der Türkei ist weiterhin nötig. Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre türkische Partnerorganisation unterstützen die Menschen vor Ort dabei, ihr Recht auf staatliche Hilfe und ein menschenwürdiges Leben wahrzunehmen. Das gilt insbesondere für Flüchtlinge, die nicht registriert sind oder außerhalb der Camps leben. Sie brauchen besonderen Schutz.

 

„Die Menschen müssen sich ohne Sprachkenntnisse in der Türkei zurechtzufinden. Schon die offizielle Registrierung ist häufig eine große Herausforderung, und ohne Registrierung gibt es kaum Zugang zu staatlichen Sozialleistungen“, weiß Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. „Daher brauchen die Geflüchteten effektive und individuelle Beratung, gerade außerhalb der Flüchtlingscamps. Die Menschen müssen wissen, welche Rechte sie haben und wie sie diese wahrnehmen können. Mit Nahrung und einem Dach über dem Kopf ist es nicht getan.“ Besonders der Zugang zu Schulbildung, dem geregelten Arbeitsmarkt und dem Gesundheitssystem stellen die Menschen vor große Herausforderungen.

 

Den lokalen Organisationen kommt dabei eine wichtige Rolle zu, da sie nah an den betroffenen Menschen und ihren Problemen sind und als neutraler Vermittler zwischen den Flüchtlingen, der Gesellschaft und staatlichen Institutionen fungieren. „Unser Partner in der Türkei berichtet, dass auch die einheimischen Nachbarn und die Gastgemeinden eine wichtige Rolle bei der Unterstützung, Beratung und der Integration der Geflüchteten spielen“, berichtet Keßler. „Das zeigt, wie sinnvoll eine gemeinschaftliche Anstrengung und genaue Abstimmung von lokalen und internationalen Organisationen, staatlicher Hilfe und den Menschen vor Ort ist.“ Zu dem Ergebnis kamen auch Vertreter von humanitären Organisationen, die sich am Mittwoch in Berlin zu einem Austausch ihrer Erfahrungen in der Arbeit mit Geflüchteten in der Türkei und Deutschland getroffen haben.

 

Mit mehr als drei Millionen Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak hat die Türkei die meisten Menschen aus der Region aufgenommen. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat seit 2012 zusammen mit ihrer lokalen Partnerorganisation eine Vielzahl von Nothilfeprojekten für syrische Flüchtlinge in der Türkei umgesetzt. Aktuell läuft mit Unterstützung durch das Europäische Amt für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) ein Projekt, in dem individuelle Beratung und psychosoziale Begleitung für besonders bedürftige Flüchtlinge, die außerhalb der Flüchtlingscamps leben, im Vordergrund stehen.