Weltverbesserer sind bei uns genau richtig!

14.06.2016

Mit diesem Slogan wirbt die Diakonische Altenhilfe unter dem Titel "Raum für mein Leben" für ihre Angebote. Diakonische Altenhilfe bietet Versorgung auf höchstem fachlichen Niveau und achtet dabei die Individualität jedes Menschen. Unsere Mitarbeitende sind echte Weltverbesserer - so wie Daniela Schulz, die bereits mit 28 Jahren Verantwortung für einen Wohn- und Pflegebereich in Friedehorst trägt.

„Wenn ich mit meiner zweijährigen Tochter an meinem Arbeitsplatz außen vorbeikomme, will sie immer sofort reingehen, auch wenn wir nach der Kita schnell nach Hause wollen. Kurz Reingucken ist Pflicht!“ Der Arbeitsplatz von Daniela Schulz ist ein Altenpflegeheim der Stiftung Friedehorst. Im Haus 18 leitet die 28-jährige Altenpflegerin mit Leib und Seele einen Wohnbereich, trägt für 40 Bewohnerinnen und Bewohner und 11 Mitarbeitende Verantwortung. Eine Blitzkarriere in ihrem Traumberuf, die sie so gar nicht geplant hatte.

„Ich mag den familiären Kontakt mit alten Menschen“

Mit 16, den Realschulabschluss gerade in der Tasche, machte Daniela Schulz ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Friedehorst. Früh war ihr klar, dass sie gern mit alten Menschen arbeiten wollte. „In Friedehorst habe ich im FSJ auf der Wachkomastation gearbeitet. Am ersten Arbeitstag war ich fix und fertig, habe mich aber wohlgefühlt.“ Zuhause waren sich ihre Eltern unsicher, ob die 16-Jährige den Belastungen gewachsen sein würde, die die Pflege von Komapatienten mit sich bringt. „Aber das FSJ hat mir beruflich die Richtung gewiesen. Ich habe mit schwerst pflegebedürftigen Menschen gearbeitet und erlebt, wie ich den Alltag für sie gestalten und verbessern kann. Man sieht die Erfolge, wenn Bewohner kleine Schritte zurück in Richtung Selbständigkeit machen.“ Nach einem Umweg über eine Arzthelferinnen-Ausbildung stand für die junge Frau fest: „Ich möchte näher mit Menschen arbeiten. In der Pflege sind die Begegnungen und Beziehungen einfach intensiver. Ich mag den familiären Kontakt mit den alten Menschen.“ Deshalb ließ sie sich zur Altenpflegerin ausbilden und arbeitet seit 2012 in dem Beruf.

„Pflege ist mehr, als sich viele Angehörige vorstellen“

„Pflege ist viel mehr, als sich etwa Angehörige vorstellen, bevor sie ein Pflegeheim kennenlernen. Das Klischee, Altenpflege bestehe nur aus Waschen, Ankleiden oder Hilfe beim Essen, ist völlig verkürzt. Wir machen Behandlungspflege nach ärztlicher Verordnung und versuchen, die Lebensqualität und Selbständigkeit unserer Bewohnerinnen zu erhalten. Vor allem gehört auch viel Kommunikation mit Bewohnern und Angehörigen dazu.“ So kümmert sich Daniela Schulz zum Beispiel um die professionelle Wundversorgung, stellt die Medikamente für die Bewohner zusammen oder sorgt bei Muskelverkürzungen oder Gelenkproblemen dafür, dass Menschen wieder beweglich werden. Den wachsenden bürokratischen Aufwand durch die Pflege-Dokumentation schätzt sie dagegen gar nicht: „Natürlich ist manches sinnvoll und notwendig, aber für mich wäre ein reiner Bürojob vor dem PC nichts. Ich brauche den direkten Kontakt mit den Bewohnern und muss morgens erstmal in die Zimmer gehen.“

Beruf und Familie lassen sich vereinbaren

Mittlerweile hat Daniela Schulz eine kleine Tochter. „Ich kann jetzt erst um 8 Uhr beginnen und meine Tochter vorher in die Kita bringen. Mein Partner arbeitet auch in der Pflege, so dass wir Spätschichten zu Hause absprechen müssen. Aber das klappt ganz gut. Manchmal nehme ich meine Tochter noch für eine Stunde mit zur Arbeit.“ Wenn sie mit ihr auf den Flur kommt, ist das Hallo immer groß. „Für die Bewohner ist besonders schön, wenn sie zusammen mit den anderen Kinder aus der Mitarbeitenden-Kita zum Singen hier auf die Station kommmt. Kinder öffnen das Herz.“ Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelingt so gut, dass Daniela Schulz kurz nach ihrer Elternzeit einen Karriereschritt machte. „Ich bin gefragt worden, ob ich nicht die Wohnbereichs-Leitung für eine Station übernehmen möchte.“ Neben Personalverantwortung muss sie sich jetzt auch um Dienstpläne oder Pflegevisiten kümmern. Für Angehörige und Bewohner ist sie nun die erste Ansprechpartnerin. „Ich habe mich anfangs gefragt, ob ich der Aufgabe schon gewachsen bin. Man übernimmt eine große Verantwortung. Aber ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen, mache demnächst berufsbegleitend eine Zusatzausbildung zur Wohnbereichs- und Pflegedienstleitung und bilde mich gerade zur Praxisanleiterin fort.“ Damit kann sie Altenpflegeschüler in der Praxis ausbilden. „Durch die Schülerinnen und Schüler lerne ich selber Neues dazu. Der Beruf und das Fachwissen verändern und erweitern sich ständig. Ich bleibe fachlich am Puls der Zeit.“ Die Erfolgsmomente ihrer Azubis zu teilen, macht Daniela Schulz großen Spaß.

Auch in der Freizeit mal ins „Zweite Zuhause“ kommen

Daniela Schulz‘ Kollegen haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet, die ‚Zweites Zuhause‘ heißt. Darüber tauschen sie auch private Nachrichten aus. „Wir sind ein tolles Team und die Stimmung ist prima. Alle kommen hier gelegentlich auch in ihrer Freizeit mal auf der Station vorbei, wenn sie gerade in der Nähe sind.“ In etwa zwei Jahren gehe eine Kollegin in Rente, die dann 40 Jahre in Friedehorst gearbeitet hat. „Das zeigt doch, wie erfüllend dieser Beruf ist. Mir fehlt trotzdem die gesellschaftliche Wertschätzung für unsere Arbeit. Der Anspruch an professionelle Fachkräfte und unsere Verantwortung ist hoch, die Bezahlung nicht.“ Die Stiftung Friedehorst zahlt nach dem Diakonie Deutschland-Tarif 20 bis 30 Prozent mehr als private Pflegeanbieter und übernimmt die Kosten einer betrieblichen Altersvorsorge. Doch nach wie vor ist die Entlohnung für die Arbeit an Menschen noch immer unangemessen niedrig. So prognostiziert die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG) bis 2030 allein für Bremen eine Lücke von bis zu 3.000 Vollzeit-Pflegefachkräften. Daniela Schulz hat dazu eine klare Meinung: „Die Politik muss Pflegesätze und damit die Refinanzierung unserer Arbeit dringend deutlich verbessern. Pflege muss der Gesellschaft mehr wert sein, damit wir auch künftig motivierte Fachkräfte für dieses Berufsfeld gewinnen. Ich würde mich immer wieder dafür entscheiden, in die Pflege zu gehen, weil dieser Beruf einfach Spaß macht!

Text/Fotos: Matthias Dembski
(erschienen im Juni 2016 in der Bremer Kirchenzeitung)