"Wir sind wie eine Familie"

24.07.2017

Heiner Brünjes, freiwillig Aktiver bei der Freiwilligenagentur, hat sich mit Beatrix Holl getroffen. Sie ist in der Ausbildungsbrücke des Patenmodells der Diakonie Bremen aktiv und betreut vier Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zum Schulabschluss und weiter bis zur Berufsausbildung.

„Gerade als sich meine persönliche Lebenssituation veränderte, erfuhr ich in der Zeitung von der Ausbildungsbrücke“, berichtet Beatrix Holl. „Ich habe Freude an der Begegnung mit Menschen und bin gern mit ihnen zusammen. Da mir Kontakte zwischen den Generationen besonders am Herzen liegen, war mein Interesse für dieses Patenmodell sofort geweckt. Nachdem es beim ersten Anlauf nicht so gut geklappt hatte, gab es ein weiteres Treffen neuer Paten. Dabei formulierten die interessierten Schülerinnen und Schüler ihre Erwartungen an eine Partnerschaft, und es entstanden Gespräche. Eine von ihnen, die mir von Beginn an sympathisch war, entschied sich schließlich für mich. Da ihre Familie einen Migrationshintergrund hatte, benötigte sie insbesondere Unterstützung bei der Anwendung der deutschen Sprache.

"Wir treffen uns seit sieben Jahren mindestens einmal in der Woche. Wir unternehmen auch gemeinsame Ausflüge, oder es gibt eine Geburtstagsfeier. Regelmäßig kochen wir bei mir zuhause, und abwechselnd gestaltet jede(r) von uns einen Abend. So erwerben wir soziale Kompetenzen, lernen Konflikte zu lösen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Das gibt auch Selbstvertrauen! So sind wir heute wie eine Familie.“

Die Ausbildungsbrücke

Bei der Ausbildungsbrücke gibt es je eine Kooperationsvereinbarung mit einer Schule. Rund zehn nehmen mittlerweile am Projekt teil, darunter Standorte in der Neuen Vahr, in Huchting, in der Östlichen Vorstadt und in Bremerhaven. Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse, die eine Unterstützung möchten, verfassen zunächst einen Steckbrief, in dem ihre Wünsche formuliert sind. Dann wird geschaut, wer zueinander passt. Das Modell ist auf die Schule ausgerichtet, bezieht aber auch den privaten Bereich ein.

Die Schülerinnen und Schüler, die in der Ausbildungsbrücke von Paten und Patinnen betreut werden, sind zum Teil Geflüchtete, die Deutsch lernen möchten, aber zuhause kaum die Gelegenheit haben, diese Sprache anzuwenden. „Wenn meine jungen Menschen zum Beispiel eine Hausaufgabe aus sprachlichen Gründen nicht verstanden haben, dann wird es für sie sehr schwierig, und ich versuche zu helfen“, erklärt Beatrix Holl eine ihrer Aufgaben. „Wir lesen deutsche Bücher oder machen einen Ausflug. Das Ziel des Modells ist der Schulabschluss und darüber hinaus der Beginn einer Berufsausbildung.“

Gut vernetzt
Die Patinnen und Paten erhalten alle sechs Wochen ein Supervisionsangebot und regelmäßig Infos per Newsletter. Auch in den Schulen treffen sich die Freiwilligen. Zweimal im Jahr wird auch zu einem Fest geladen. „Wir Paten sind untereinander gut vernetzt und helfen uns gegenseitig. Und es gibt hervorragende Kontakte zu verschiedenen Organisationen, wie zum Beispiel zur Jobagentur, dem Jobcenter, zu Bürgerzentren oder der Freiwilligenagentur Bremen.“

Zurzeit sind im Modell rund 120 Patinnen und Paten engagiert. Insgesamt sind rund 1.300 Freiwillige bei der Diakonie Bremen aktiv, zum Beispiel auch in den Projekten Jobbrücke (Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche), bei der Eingliederungshilfe, bei der Betreuung von Obdachlosen, im Projekt Brot für die Welt und in der diakonischen Altenhilfe.

„Über neue Kolleginnen und Kollegen würde ich mich sehr freuen“, meint Beatrix Holl. „Voraussetzung zur Teilnahme im Modell ist die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses, denn schließlich werden uns junge Menschen anvertraut. Wir brauchen Zeit und Freude am Umgang mit Jugendlichen. Wir benötigen soziale Kompetenz, Durchhaltevermögen und auch Verbindlichkeit, denn unsere Jugendlichen müssen sich auf uns verlassen können.“

Wer Interesse hat, sich in der Ausbildungsbrücke freiwillig zu engagieren, findet hier Ansprechpartner:

patenmodell@diakonie-bremen.de

www.diakonie-bremen.de/patenmodell

Tel 0421/163 84 23

 

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