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Arbeiten in der Diakonie?

Warum Diakonie nicht gleich Kirche ist und wie wir Nächstenliebe und Diversität verstehen

Büro, Handwerk, Soziales? Start-up, Konzern oder Behörde? Im Berufsleben musst du  oft zwei große Fragen beantworten: Was möchte ich machen? Und: Wo kann ich das machen? Dabei gibt es weitere Fragen, die durchaus lohnenswert sind. Diese Fragen liegen eine Ebene über den ersten beiden. Zum Beispiel: Was passt zu mir? Was für ein Typ Mensch bin ich? Wie soll mein zukünftiger Arbeitgeber sein? Welche Werte möchte ich mit meiner Arbeit in die Welt tragen? Keine Angst, wir werden jetzt keinen Berufswahltest mit dir starten. Auch keinen Persönlichkeitstest. In diesem Artikel möchten wir dir von unserer Arbeit in der Wohlfahrtspflege erzählen, dir unser Leitbild der Nächstenliebe und gelebten Diversität näherbringen. Und wir reden darüber, was Diakonie und Kirche überhaupt miteinander zu tun haben.

Warum du das lesen solltest? Weil für dich am Ende dieses Beitrags, in rund acht Minuten, vielleicht die Erkenntnis herausspringt, dass die Arbeit in der Diakonie genau deiner Vorstellung von sinnvoller Arbeit entspricht. 

Das erwartet dich in diesem Artikel:

Was ist eigentlich die Diakonie Bremen?

Dienstagmorgen, 6 Uhr. Es ist Ende Mai. Die Rosen vor Haus 21 blühen um die Wette, als Karina Wais durch den Park der Stiftung Friedehorst radelt, auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Hier in Bremen-Nord hat die 52-jährige Pflegehilfskraft ihre berufliche Heimat gefunden. Schon seit fast 20 Jahren pflegt sie die Bewohnerinnen und Bewohner der Senioren-Einrichtung Da Vinci. Heute wird sie eine neue Bewohnerin willkommen heißen, für die Karina Wais ab diesem Zeitpunkt eine wichtige Vertrauensperson sein wird. 

Szenenwechsel. Kay König ruft alle ins Esszimmer. Vier Kinder und Jugendliche, die in einer Wohngemeinschaft von St. Petri leben. Kay fragt, wer nach dem letzten Schultag beim School out Grillen mit dabei ist. Wer besorgt die Grillkohle? Wer macht den Salat? Dann stimmt er sich mit seinen Kolleginnen ab. Es ist alles geklärt und dann geht es zunächst an die Hausaufgaben aus der Schule. Das gemeinsame Ziel: Wir wollen die Schule schaffen und eine gute Wohngemeinschaft sein. Zuhause klappt es nicht so gut, hier soll es funktionieren. Kay arbeitet als Erzieher in der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe und die Kinder und Jugendlichen sind ihm ganz schön ans Herz gewachsen.

Viel ruhiger geht es dagegen heute bei Jutta Yzer zu. Ihr gegenüber sitzt eine Patientin, die vor vier Tagen ein neues Hüftgelenk bekommen hat. Gemeinsam sprechen sie darüber, in welcher bestmöglichen Einrichtung sie einen Reha-Platz für die wichtige Anschlussbehandlung bekommen kann. Maxis Arbeitsplatz: der Sozialdienst im DIAKO Krankenhaus

Was Karina, Jutta und Kay gemeinsam haben? Sie alle arbeiten für eine diakonische Einrichtung. Das Dach der vielen unterschiedlichen Wirkungsstätten sind wir – die Diakonie Bremen.

Die Diakonie Bremen ist ein Wohlfahrtsverband

Wir sind ein Wohlfahrtsverband für Menschen, die Unterstützung benötigen. Unter unserem Dach vereinen sich 46 Mitglieder und über 100 Einrichtungen im sozialen und pflegerischen Bereich. Eine Übersicht unserer Mitgliedseinrichtungen findest du hier. Wir leisten einen Dienst für Hilfsbedürftige. Die meisten Menschen, die für die Diakonie Bremen arbeiten, sind evangelisch. Aber nicht alle.

Was uns sehr wichtig ist: Unsere Wertvorstellungen haben wir nicht in einem Management-Workshop ausgearbeitet und unseren Mitarbeitern auferlegt – sie entspringen unserem christlichen Glauben. Vielleicht fragst du dich jetzt, ob auch du in der Kirche sein musst, wenn du für die Diakonie arbeiten möchtest? Nein, das musst du nicht unbedingt, aber du solltest unsere Wertvorstellungen teilen und unterstützen. Deinen Glauben an Gott fragen wir auch nicht ab, denn der ist etwas ganz persönliches. 

Diakonische Arbeit ist der Dienst am Menschen – das machen wir für andere

Der Dienst am Menschen – das klingt sehr theoretisch? Das Wort vielleicht, aber was wir tun, ist sehr konkret. Wir befassen wir uns mit fast allen Themen, die uns Menschen beschäftigen: Arbeitslosigkeit, Armut, Inklusion, Integration, Wohnungsnot und Pflege. Das meinen wir mit ‘Dienst am Menschen’. 

  • Wir unterstützen alle Menschen mit Behinderungen, pflegen und begleiten Alte und Kranke – im Leben und im Tod. 

  • Wir helfen Suchtkranken und Geflüchteten. 

  • Wir sind in der Jugendhilfe tätig und betreuen Kinder. 

In unseren Mitgliedseinrichtungen arbeiten Pädagogen, Gesundheits- und Altenpfleger/innen, Ärzte, Pastoren, Verwaltungskräfte, Sozialassistenten, Hausmeister, Köche, Erzieherinnen und viele weitere Berufsgruppen. 

  • Wir leiten unseren Dienst aus dem Neuen Testament ab

    Dort heißt es, dass wir Hungrigen zu essen geben, Durstigen zu trinken, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke besuchen und zu Menschen gehen, die im Gefängnis sind. (Mt 25,34-46)..


Was das Arbeiten in der Diakonie besonders macht 

Gibt es für dich einen Unterschied zwischen einem hippen Start-up, einer Non-Profit-Organisation, einem internationalen Konzern oder einer Behörde? So unterschiedlich die Charaktere und Kulturen der einzelnen Unternehmen sind, so verschieden sind auch wir Menschen. Wir glauben, dass es für jeden Menschen die passende Unternehmensform gibt – schnell, laut, bedächtig, sinnstiftend, erfolgreich, nach Gewinn oder Anerkennung strebend. Manchmal ist es eine Mischform und manchmal ist es noch etwas anderes.

Und bei der Diakonie Bremen? Für uns und bei unserer Arbeit stehen Werte im Mittelpunkt.  Das heißt:

 

Der Mensch ist wichtiger als wirtschaftliche Interessen.

 

Das zeigt sich auch darin, dass all unsere Mitgliedseinrichtungen gemeinnützig tätig sind. Wir schmeißen übrigens kein Geld aus dem Fenster. Auch wir müssen wirtschaftlich arbeiten. Aber wir sind nicht da, um Gewinne zu erwirtschaften. Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu unterstützen – bedingungslos und kooperativ. Das tun wir als vielfältige Gemeinschaft. Wir sind ein Bündnis, auch wenn wir in unterschiedlichen Einrichtungen arbeiten.   

 

Wir wollen eine soziale, liebevolle und verantwortungsbewusste Gesellschaft mitgestalten. Diese Haltung tragen wir in uns und legen sie auch nicht nach Dienstschluss ab.


Es sind die Werte, die uns antreiben und vereinen: Nächstenliebe, Wertschätzung, Offenheit, ein familiäres Miteinander und Sinnhaftigkeit sind einige dieser Werte. Menschen, die in unseren Mitgliedsbetrieben arbeiten, machen das, weil sie etwas Sinnvolles in die Welt bringen möchten. Das spüren wir unter uns Kolleginnen und Kollegen. Und das spüren wir in unserem Dienst am Menschen. 

Menschliche Beziehungen stehen im Mittelpunkt

Viele von uns kennen sich untereinander, obwohl wir nicht in einem gemeinsamen Betrieb arbeiten – unsere 46 Einrichtungen sind überall in Bremen und Bremerhaven verteilt. Uns ist der Austausch von Mensch zu Mensch wichtig – das Feedback, das dir das Gefühl gibt „das habe ich gut gemacht“. Dadurch entsteht ein positives Gefühl, und dadurch wiederum eine Beziehung. Und genau diese Beziehungen sind bei uns wichtig – und bekommen Raum. 

 

Wenn wir sagen, der Mensch steht im Mittelpunkt, dann meinen wir damit sowohl unsere Bewohner, Patienten und Hilfsbedürftigen als auch unsere Mitarbeitenden. 

 

Unsere Werte vereinen Persönliches und Berufliches 

Arbeiten in der Diakonie bedeutet auch, seine persönliche Einstellung zu sich und seinen Mitmenschen mit in die Berufswelt zu tragen. Wer privat soziale Werte lebt, lässt diese in der Regel auch in seine Berufswahl einfließen. Und wer beruflich im sozialen Umfeld tätig ist, wird in der Regel auch privat eine soziale Ader haben – Ausnahmen bestätigen die Regel. Unsere gelebten Werte der Nächstenliebe finden sich auch im Verständnis von zwischen Geben und Nehmen wieder. Das bedeutet konkret, dass wir auf die individuelle Situation der Mitarbeitenden Rücksicht nehmen. Wir wollen uns gegenseitig sichere und zuverlässige Partner sein. Daher ist es in der Diakonie in vielen Bereich völlig normal, dass Teamkollegen und auch Führungskräfte die privaten Hintergründe der Mitarbeiter/innen kennen. 

 

„Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit Freude und Begeisterung im Fachbereich Freiwilligendienste des Diakonischen Werks Bremen. Gerade in den letzten Wochen und Monaten der Corona-Pandemie bin ich sehr dankbar für das Entgegenkommen und die Fürsorge meines Arbeitgebers gewesen. Als Mutter von drei Kindern war ich darauf angewiesen, Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, an manchen Tagen sogar gar nicht zu arbeiten. Ich habe mich da sehr gut aufgehoben und unterstützt gefühlt. Im Gegenzug bin ich aber selbstverständlich auch für meine Kollegen da, wenn sie in solch eine Lage kommen.“
Susanne Makowka, Pädagogin im Fachbereich Freiwilligendienste im Diakonischen Werk Bremen

 

Was ist eigentlich sinnvolle Arbeit?

Wenn wir genauer hinschauen, ist eigentlich jede Arbeit sinnvoll, oder nicht? Ob du Kugelschreiber zusammenbaust oder als Ärztin eine Operation am offenen Herzen durchführst: Beide Tätigkeiten erfüllen einen Sinn. Die Frage, was wirklich für dich selbst sinnvolle Arbeit ist, kannst allerdings nur du selbst beantwortet. Die Frage nach dem Sinn hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der aktuellen Lebenssituation. Vielleicht sparst du für eine große Unternehmung und verdienst dir über einen Nebenjob ein bisschen was dazu. In dem Fall ist der Sinn klar – Geld verdienen. Vielleicht verfolgst du aber auch ein Karriereziel und um dort hinzugelangen, musst du bestimmten Stufen gehen und einen Job machen, den du (vielleicht) nur als Mittel zum Zweck ansiehst. Wohnungslose, die auf dem Weg in ein neues Leben sind, verfolgen mit ihrem ersten Job vielleicht einfach nur das Ziel, wieder ein selbstständiges Leben zu führen.



„Da, wo Menschen in irgendeiner Form miteinander interagieren, ist es berührend und deshalb auch sinnhaft.
Auch ich habe mich bewusst für die Diakonie entschieden, weil ich Öffentlichkeitsarbeit für den guten Dienst
am Menschen machen wollte.“

Regina Bukowski, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising, Diakonisches Werk Bremen e.V.


 

Warum Diakonie nicht gleich Kirche ist

Viele unserer Mitarbeitenden gehören einer Kirche an. Wir arbeiten eng mit der evangelischen Kirche zusammen und sind in vielerlei Hinsicht aneinander gekoppelt. Dennoch bedeutet die Arbeit bei der Diakonie nicht, bei der Kirche angestellt zu sein. Korrekt heißt das: Wir sind das Diakonische Werk der Kirche. Wir sind als Verein eigenständig, unsere Mitgliedseinrichtungen sind eigenständig und doch gehören wir alle zusammen. Viele Mitarbeiter fühlen sich in erster Linie der Diakonie Bremen zugehörig und zweitrangig auch der Kirche. Dein Glaube und deine Religionszugehörigkeit stehen bei uns nicht an erster Stelle. Wir sind Kollegen und nicht Brüder und Schwestern.
 


In manchen Einrichtungen von uns sind zum Beispiel Pastoren in der Geschäftsführung oder in der Seelsorge tätig. Bei anderen Einrichtungen ist das nicht der Fall. 

 

Es geht uns um den Dienst am Nächsten. Ganz banal könnte man sagen, dass die Kirche durch ihren Glauben noch mal stärker geprägt ist. Bei uns sind es die Werte, die wichtig sind.

 

Die Aufgabe der Kirche ist es, das Evangeliums von Jesus Christus öffentlich zu verkünden. Natürlich hat sie weit mehr Aufgaben als diese. Aber diese steht im Fokus. Genau wie die Nächstenliebe. Auch wir als Diakonie widmen uns unseren Mitmenschen. In der evangelischen Kirche wird dieses Handeln nach dem griechischen Wort „Diakonia“ (Dienst) als Diakonie bezeichnet. Im Katholischen steht für das Wort Nächstenliebe der Begriff „caritas“.

 

„Egal, ob ich mich parteipolitisch oder im Kaninchen­züchterverein engagiere: Gelebte Nächstenliebe
und der Einsatz für eine demokratische und offene Gesellschaft ist mir auch außerhalb meines Dienstes wichtig“

Christian Driftmeier, Pädagoge in den Freiwilligendiensten der Diakonie Bremen

 

Wie wir Nächstenliebe verstehen

Unser Leitbild ist die Nächstenliebe. Die halten wir für wichtig und sind der Meinung, dass wir viel öfter darüber sprechen sollten. Deshalb haben wir dem Thema einen eigenen Beitrag gewidmet: Nächstenliebe? Safe! Warum keiner mehr von ihr spricht, wir sie aber alle brauchen.

Es ist ein großer Begriff und er prägt unser Handeln auf allen Ebenen. Die Nächstenliebe spielt in jedem diakonischen Beruf eine wesentliche Rolle. Wir machen das für das Gesamte, für die Solidargemeinschaft, weil wir als Diakonie etwas Gutes für die Menschen erreichen wollen.
 

 

Nächstenliebe und Wertschätzung werden in der Diakonie gelebt

Aus dem christlichen Ansatz heraus sind die Werte der Nächstenliebe und Wertschätzung bei uns in der Diakonie elementar. Allerdings: Wir reden viel über diese Themen, aber die Begriffe stehen unausgesprochen im Raum. Wir hören oft von unseren Mitarbeitenden, dass sie diese Nächstenliebe und Wertschätzung während der Arbeit und über das Arbeitsverhältnis hinaus erleben. Durch einen kollegialen Umgang, durch Anerkennung und Feedback oder durch das Zusammensein mit Hilfsbedürftigen. Ganz ohne dass wir diese Begriffe ständig benennen müssen. 

Natürlich ist bei uns nicht alles in Watte gepackt – wir behandeln große gesellschaftliche Themen, arbeiten innerhalb gesetzlicher Regelungen und stehen strukturellen Herausforderungen gegenüber. Es ist für uns allerdings ein großer Unterschied, ob man das mit dem Ziel der Gewinnmaximierung macht oder aus unserer Haltung der Nächstenliebe heraus. Wir zahlen natürlich ein anständiges Gehalt. Und es gibt noch ein paar weitere handfeste Gründe, bei der Diakonie Bremen zu arbeiten.
 

Du bist du, ich bin ich – wir sind anders: das ist für uns Diversität 

Die große Klammer, die uns alle eint, die uns alle zusammenhält: Nächstenliebe. Das heißt allerdings nicht, dass wir alle aus demselben Guss sind. Wir als Diakonie Bremen sind ziemlich bunt – bei uns arbeiten evangelische und katholische Christen, Muslime, Jeziden– Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen,  Menschen aus vielfältigen kulturellen Zusammenhängen, Enthusiasten, Kreative, Herzensbrecher, Junge und Alte, Denker und Anpacker, Realisierer und Planer. 

 

Es gibt keine Andersartigkeit! Wir alle sind anders. Das ist Diversität.

 

Menschen und Lebensentwürfe sind vielfältig. Und wir treten allen mit Respekt und Achtung gegenüber. Ganz gleich, welcher Religion du angehörst, welche Herkunft du hast, welche sexuelle Orientierung oder Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen du mitbringst – unsere Gemeinsamkeit ist die Nächstenliebe. 

 

 

Die angekündigten acht Minuten Lesezeit enden hier. Ab jetzt laden wir dich ein, gemeinsam mit uns etwas Neues zu starten. Wenn du etwas über unsere Stellenangebote erfahren möchtest, schau doch mal in unserem Karriereportal vorbei. Oder komm mit uns ins Gespräch – über die Zukunft der Arbeit, deinen Platz in der Gesellschaft oder über einen konkreten Jobwechsel. 

Wir freuen uns auf dich.