Coronakrise Pflege und Leben im Alter

"Danke an alle, die in der medizinischen Betreuung und Pflege Enormes leisten"

Stellungnahme des Landesdiakoniepastors Manfred Meyer, Vorstand des Diakonischen Werks Bremen e.V., zur aktuellen Coronavirus-Pandemie

Während sich unsere Lebenswelt durch das Coronavirus (Covid-19) verändert, Veranstaltungen abgesagt werden und zunehmend Büros leer stehen, müssen ambulante Pflegekräfte weiter durch Bremen fahren, um ihre Patienten zu versorgen. Krankenhäuser und stationäre Einrichtungen der Altenhilfe sowie der Behindertenhilfe sind vor große Herausforderungen gestellt und leisten Enormes.

Handlungsfähigkeit aufrechterhalten

Längst ist das Gefühl präsent, in einer völlig unbekannten Situation – historisch noch nicht da gewesen - zu leben und zu arbeiten.

Das grassierende Coronavirus stellt uns vor die Aufgabe, gesellschaftliche Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten - bei gleichzeitigem Wegfall elementarer sozialer Grundlagen.  Diese Handlungsfähigkeit wird schon seit Wochen in besonderer Weise von den Trägern des Sozial- und Gesundheitswesens aufrechterhalten. In der nächsten Zeit wird das von Tag zu Tag schwieriger, aber gleichzeitig auch wichtiger – lebenswichtiger - werden.

Ich bin sehr dankbar, dass viele Einrichtungen der Diakonie Bremen in einer Zeit, in der soziale Kontakte reduziert werden müssen, ihre Handlungsfähigkeit zeigen. Hoch professionelle Vorgehensweisen und menschliche Hilfe kommen zusammen.  Das gilt in besonderer Weise für die im höchsten Maße engagierten Mitarbeitenden in den Krankenhäusern, den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie den Behinderteneinrichtungen.

Solidarität gefragt

In dieser aktuellen Grenzsituation zeigt sich, wie Kollegen und Kolleginnen, Freunde und Verwandte mit Unsicherheiten umgehen. Und es zeigt sich in dieser Krisenzeit, dass Mitarbeitende im Sozial- und Gesundheitswesen besonders solidarisch sind. Sie halten ihre eigenen Ängste und die der anvertrauten Patienten und Bewohner und Bewohnerinnen aus, stehen Angehörigen beratend zur Seite oder lassen sich durch unverständliches Handeln Dritter nicht irritieren.

Ich möchte all denen danken, die schon jetzt in der medizinischen Betreuung, Pflege und Begleitung von hilfebedürftigen Menschen ein sehr professionelles Krisenmanagement betreiben, personale Beziehungen im Rahmen des Möglichen zulassen und dabei die Arbeitsfähigkeit zu Gunsten der kranken Bürgerinnen und Bürger erhalten. Mein Respekt und meine tiefe Dankbarkeit gehört ihnen. 

Gesundheitssystem an der Belastungsgrenze

Auch wissen wir, dass die langjährige Vorgabe der wirtschaftlichen Rentabilität im Gesundheitswesen eine Herausforderung ist, die uns jetzt „auf die Füße“ fällt. Ein Gesundheitssystem, das schon im Normalzustand an der Belastungsgrenze ist – gewissermaßen „auf dem Zahnfleisch geht“ – weil es privatisiert und der kapitalistischen Logik unterworfen wurde, wird in Krisenzeiten zu einer echten Herausforderung.

Ich wünsche mir, dass wir nach einer guten Krisenbewältigung die bisherige Finanzierungslogik unter die Lupe zu nehmen, um für zukünftige Krisen besser gewappnet zu sein. Jetzt wird deutlich, hier braucht es bessere, krisenfeste Strukturen.

Wir haben hervorragende Mitarbeitende, die jetzt so unendlich viel auffangen und uns in dieser Krise helfen. Welch ein Segen. Danke ihnen allen!