© Foto: Karsten Klama
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Debatte: Wie reich ist Bremen?

Unter dieser Überschrift veranstalteten die Diakonie Bremen und die Initiative Offene Gesellschaft am Dienstag, 16. Mai, um 17 Uhr gemeinsam eine Debatte mit prominenten Impulsgebenden in der Kunsthalle Bremen (Am Wall 207, 28195 Bremen).

Um über die Frage "Wie reich ist Bremen?" zu diskutieren, gaben die sechs anwesenden Impulsgebenden zunächst ein kurzes Statement ab. Nach dieser Einleitung waren alle etwa 60 Anwesenden aufgefordert, mitzudiskutieren. "Wir sind alle Publikum, wir sind alle Diskutanten", betonte der Moderator des Abends Max Bohm von der Initiative Offene Gesellschaft.

In seinem Eingangsstatement betonte Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, wie gerne er in Bremen lebe. "Bremen ist bunt und das ist gut. In Bremen gibt es vieles, was wunderbar funktioniert. Aber wir könnten den Reichtum in Bremen etwas gerechter verteilen." Seiner Meinung nach sollten starke Schultern auch mehr Solidarität leisten.

Dr. Dorothee Hansen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, war froh bei der Debatte dabei zu sein, denn sie findet es wichtig, darüber zu sprechen, was gut in Bremen läuft. So sei es ein Reichtum der Stadt Bremen, dass es so eine engagierte Kunst- und Kulturszene gäbe. „Dafür steht auch der Kunstverein aus Bremen“, so Dr. Hansen. Schließlich sei dieser der zweitgrößte – nach Werder Bremen.

Bürgermeisterin und Senatorin für Finanzen Karoline Linnert (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) wies in ihrem Eingangsstatement darauf hin, dass man bei einer Diskussion über Reichtum auch die Armut nicht vergessen dürfe. „Es gibt viele Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen“, so Linnert. Die große Spaltung zwischen arm und reich in Bremen sei eine „offene Wunde“.

Die Bundestagsabgeordnete Bettina Hornhues (CDU) betonte, dass Armut und Reichtum zwei wichtige Bestandteile zur Beschreibung einer Gesellschaft seien. „In keinem anderen Bundesland ist die Pro-Kopf-Verschuldung so hoch wie hier. Gleichzeitig sind die Bremer aber auch reich, im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt Bremen bei den Einkommensmillionären ganz oben. Es leben also viele Reiche in einem armen Land.“ Sie sei sich aber sicher, dass wir, wenn wir der Armut unsere Vielfalt entgegenstellen, eine Chance hätten, die Armut ein wenig abzumildern.

Thomas Fürst, Vorstand der Sparkasse Bremen, betonte, dass Bremen zwar in vielen Bereichen reich sei, man aber auch noch Luft nach oben hätte. „In keinem anderen Bundesland ist der Anteil derer höher, die mit anpacken“, lobte Fürst das Engagement in Bremen. So sei beispielsweise der jährliche Haushalt des Bürgerparks nur dank zahlreicher Spenden und Vermächtnisse möglich.

Maria Loheide, Vorstand der Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, stellte klar, dass Reichtum eine hohe Lebensqualität ermöglicht. „Diese Lebensqualität und der materielle Reichtum einer Gesellschaft dürfen nicht nur wenigen zukommen“, kritisierte sie. Die Lebensqualität müsse alle erreichen, auch jene, die auf Hilfe angewiesen seien. „Ein solider finanzierter Sozialstaat, ein durchlässiges Bildungssystem, und gut ausgestattete Kommunen sind für mich die Voraussetzung dafür.“

In der anschließenden Diskussion kamen alle Anwesenden, die sich äußern wollten, zu Wort. Sie entstand eine lebhafte Diskussion – ganz im Sinne des Konzepts für diese Debatten der Initiative Offene Gesellschaft und der Diakonie Bremen.