Leistbarer Wohnraum für alle

Ansprache von Landesdiakoniepastor Manfred Meyer bei der Bremer Mietendemo am 23. März

"Liebe Bremerinnen und Bremer,

 

unsere Stadt ist eine schöne Stadt. Ich lebe gerne hier. Bremen ist eine bunte, eine vielfältige Stadt. In Bremen sollen unterschiedliche und einzigartige Menschen ein Zuhause finden. Junge und Alte, Arme und Reiche, Familien und Alleinerziehende, Menschen, die schon immer hier wohnen und diejenigen, die zu uns kommen. Bremen soll auch zukünftig Schlüssel zur Welt sein und nicht für immer mehr Menschen eine verschlossene Stadt, die ihnen keinen Zutritt ermöglicht. 

 

Ich sorge mich um unsere liebenswerte Stadt, wenn mir die Rentnerin erzählt, dass Sie nach dem Tod ihres Ehemannes die Miete für die Wohnung nur noch bezahlen kann, wenn sie beinahe die Hälfte ihrer Witwenrente für die Wohnung aufbringt und kaum mehr Geld zum Leben oder für ein kleines Geschenk an die Enkel hat.

Ich sorge mich um die alleinerziehende Mutter, die mit ihren zwei kleinen Kindern, seit Jahren keinen angemessenen und bezahlbaren Wohnraum findet.

Ich bin traurig, wenn die geflüchtete Familie immer noch in einem Übergangswohnheim lebt und sich kein angemessener Wohnraum für die geschundene Familie finden lässt.

Ich bin erschüttert, wenn mir jemand von seiner Wohnungssuche erzählt: „Wenn du so oft bei der Wohnungssuche übergangen wirst, du hinten anstehst, und am Ende doch nur wieder verlierst, dann verbraucht dich das, es zermürbt und es macht dich klein“. 

Das muss sich ändern, liebe Bremerinnen und Bremer.

In beiden Städten unseres Bundeslandes sind die Mietbelastungen überdurchschnittlich hoch: Fast jeder zweite Haushalt in Bremen und Bremerhaven muss 30 Prozent und mehr seines Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aufwenden und ein Viertel aller Haushalte sogar 40 Prozent und mehr.

 

Die Not, bezahlbaren Wohnraum zu finden, hat inzwischen längst die Mitte der Gesellschaft erreicht, denn nicht nur Obdachlose, Rentner, Erwerblose, beeinträchtigte Menschen oder Geringverdiener, sondern auch Haushalte mit mittleren Einkommen sind von der Entwicklung der letzten Jahre betroffen. In unserer Stadt muss sich darum dringend etwas ändern.

Ich möchte in einer bunten Stadt leben, in der alle eine Wohnung bekommen können. Ich möchte in einer Stadt leben, in der Wohnungen nicht zur Handelsware verkommen, mit denen man möglichst hohe Renditen erwirtschaftet, sondern in der Wohnungen für alle da sind. Bremen braucht dringend eine bessere, eine ökologische und soziale Wohnungspolitik, damit jeder seinen Anspruch auf eine angemessene, menschenwürdige und bezahlbare Wohnung einlösen kann. Denn: Die Stadt muss allen gehören!

 

Ob Bremen eine bunte und lebenswerte Stadt ist und bleiben kann, wird sich ganz zentral an der Frage nach bezahlbarem Wohn- und Kulturräumen in dieser Stadt festmachen. Dies muss die vorrangigste Aufgabe der Stadt- und Sozialpolitik der nächsten Jahre werden.

Wir brauchen darum nicht geplanten, aber immer noch nicht fertiggestellten, sozialen Wohnraum, sondern wir benötigen tatsächlichen Wohnraum. Pläne bieten kein Dach über den Kopf. Nur fertiggestellte Wohnungen bieten ein Zuhause.

 

Wir brauchen zukünftig bei allen Neubauprojekten ohne Ausnahmen eine Sozialwohnungsquote von mindestens 30 Prozent und vor allem eine dauerhafte Sozialbindung. Es darf nicht mehr sein, dass geförderte Wohnungen nach Ablauf von 20 Jahren vor allem dem Investor dienen und nicht den Menschen, die diese Wohnungen benötigen.

 

Wir brauchen vielleicht grüne Dächer in dieser Stadt, wir benötigen aber vor allem leistbaren Wohnraum. In der Überseestadt, auf dem Kellogs-Gelände und auch auf der Galopprennbahn. Menschen brauen ein Zuhause. Dafür setzt die Diakonie sich ein.

 

Nur so bleibt Bremen eine bunte und liebenswerte Stadt."