Spendenaktion startet am 1. Advent zum sechzigsten Mal

Bremer Eröffnungsgottesdienst von Brot für die Welt in der Kirchengemeinde Alt-Hastedt mit Landesdiakoniepastor Manfred Meyer

Am 1. Advent (2.12.) startet Brot für die Welt die 60. bundesweite Spendenaktion unter dem Titel „Hunger nach Gerechtigkeit“ mit einem Festgottesdienst in Stuttgart, der live in der ARD übertragen wird. Der regionale Eröffnungsgottesdienst findet ebenfalls am 2. Dezember in der Kirchengemeinde Alt-Hastedt statt, die eine Partnergemeinde von Brot für die Welt in Bremen ist.

Am Anfang war nur eine einmalige Sammelaktion geplant: Unter dem Motto „Brot für die Welt“ riefen evangelische Landes- und Freikirchen am 12. Dezember 1959 in der Berliner Deutschlandhalle zu Spenden für die weltweit Hungernden auf. Innerhalb weniger Wochen kamen 19 Millionen Mark zusammen, davon fast fünf Millionen Ostmark. Dieser große Zuspruch war der Auftakt zu jährlichen Spendenaktionen von allen evangelischen Kirchen in Ost und West für Brot für die Welt.

In diesem Jahr wird bereits die 60. Spendenaktion eröffnet, die in diesem Jahr den Titel „Hunger nach Gerechtigkeit“ tragen wird. Brot für die Welt setzt sich mit mehr als 1.300 Partnerorganisationen weltweit in mehr als 1.500 geförderten Projekten in 97 Ländern für die Überwindung von Armut und Ungerechtigkeit ein. „Dank der Hilfe zur Selbsthilfe können heute Millionen Menschen ein Leben in Würde führen. Doch immer noch herrscht in vielen Teilen der Welt große Not. Das können und wollen wir nicht akzeptieren“, betont Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, Vorstand des Diakonischen Werks Bremen e.V. Deshalb sei die Spendenaktion von Brot für die Welt, bei der sich jährlich viele Bremerinnen und Bremer sowie Bremer Kirchengemeinden beteiligen, so wichtig. „Durch die Spenden und Kollekten aus ganz Deutschland und auch aus Bremen kann Brot für die Welt jährlich viele gute Projekte umsetzen“, betont Meyer.

Im Eröffnungsgottesdienst in der Gemeinde Alt-Hastedt, Bennigsenstr. 7, am Sonntag, 2. Dezember, um 10.30 Uhr wird Landesdiakoniepastor Meyer die Predigt halten. Pastor Dr. Jörg Mosig der Gemeinde Alt-Hastedt gestaltet die Liturgie. Die Bildungsreferentin für ökumenische Diakonie des Diakonischen Werks Bremen e.V., Christina Hübner, wird ein Projekt in Äthiopien vorstellen, das beispielhaft zeigt, wie sich Brot für die Welt für mehr Gerechtigkeit weltweit einsetzt.

In Äthiopien helfen unter dem Titel „Integration durch gute Ernten“ gute Ernten durch den Anbau von Mais und Gemüse nicht nur den Einheimischen, sondern auch den Flüchtlingen aus dem Südsudan. In den Dörfern konkurrieren die Flüchtlinge mit den Einheimischen um Weideland und Ackerflächen. Dies sorgt bisweilen für Spannungen. Damit alle ihr Auskommen haben, unterstützt die Mekane-Yesus-Kirche, eine Partnerorganisation von Brot für die Welt, Einheimische und Flüchtlinge gleichermaßen bei der Landwirtschaft. Außerdem organisiert sie Zusammenkünfte. So wächst das Verständnis füreinander.

Hintergrund:

Mit ihren Sammelaktionen haben die evangelischen Kirchen und ihre Gemeinden in der DDR und der alten Bundesrepublik, wie auch später im vereinten Deutschland, Brot für die Welt gemeinschaftlich getragen. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks, sagt: „Die Kirchengemeinden waren und sind das Rückgrat von Brot für die Welt. Mit ihren Kollekten, ihren Spendenaktionen und ihrem oft jahrzehntelangen Einsatz zur Überwindung von Hunger und Armut haben sie Millionen Menschen ermöglicht, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, zu verbessern und in Würde zu führen. Nur als starke Gemeinschaft konnten wir so vielen Einzelnen konkret helfen. Wir sind dankbar und stolz auf diese große gemeinsame Unterstützung für Hungernde und Arme.“ Seit Gründung hat das evangelische Hilfswerk rund 2,4 Milliarden Euro an Spenden und Kollekten erhalten.

Die Überwindung von Hunger und Armut gehört bis heute zu den Schwerpunkten von Brot für die Welt. Bildung, Gesundheit, der Einsatz für den Erhalt der Umwelt und die Wahrung der Menschenrechte kamen im Laufe der Jahre hinzu. Hunger zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte von Brot für die Welt. Am Anfang war es der Hunger nach Brot, heute kommt der Hunger nach Gerechtigkeit dazu. Cornelia Füllkrug-Weitzel: „Zusammen mit dem Einsatz für Frieden und den Erhalt der Schöpfung bleibt es eine der Kernaufgaben unserer Zeit, Gerechtigkeit zu schaffen. Ohne Gerechtigkeit wird es für die Hungernden dauerhaft kein Brot geben. Die weltweite Nahrungsmittelproduktion würde ausreichen, um alle Menschen zu ernähren. Wir brauchen eine gerechte Verteilung der Ressourcen, eine gerechte Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik.“

Das Grundprinzip der Arbeit von Brot für die Welt ist bis heute aktuell: Akute Not lindern, die Ursachen dieser Not beseitigen und partnerschaftliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten: Menschen stark machen. Immer wieder war Brot für die Welt auch Impulsgeber für einen nachhaltigen und gerechten Lebensstil. Dazu zählen die Weltläden und der Faire Handel oder das Rugmark-Siegel für Teppiche ohne ausbeuterische Kinderarbeit, das Brot für die Welt mit dem Friedensnobelpreis-träger Kailash Satyarthi und anderen Organisationen ins Leben rief.

Partner des evangelischen Hilfswerks haben zudem wegweisende Urteile zum Wohle der Armen erstritten. Colin Gonsalves, Jurist und Träger des Alternativen Nobelpreises, erreichte vor dem Obersten Gerichtshof Indiens, dass das Recht auf Nahrung als Voraussetzung für das von der indischen Verfassung geschützte Recht auf Leben anerkannt wird. Aufgrund dieser Entscheidung wurden Gesetze erlassen, die kostenlose Schulessen oder Zusatzprogramme für Schwangere und stillende Mütter garantieren. Die südafrikanische Treatment Action Campaign erreichte mit Unterstützung von Brot für die Welt, dass das südafrikanische Verfassungsgericht 2002 die Regierung des Landes verpflichtete, Medikamente zuzulassen, die die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind verhindern. Millionen Menschen haben von Erfolgen wie diesen profitiert.

Mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte resümiert Cornelia Füllkrug-Weitzel: „Unsere Erfahrung zeigt, dass ohne das Engagement der Zivilgesellschaft nachhaltige Entwicklung nahezu unmöglich ist. Soziale und ökologische Fortschritte gibt es dort, wo die Zivilgesellschaft Handlungsspielraum hat und Defizite offen ansprechen kann. Die Menschen, die sich für das Wohl der Gemeinschaft einsetzen, sind die Heldinnen und Helden von Brot für die Welt.“

Neben Spenden und Kollekten erhält das evangelische Werk Mittel des Kirchlichen Entwicklungsdienstes (KED) und aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Aktuell arbeitet Brot für die Welt mit mehr als 1.300 Partnerorganisationen weltweit zusammen und fördert mehr als 1.500 Projekte in 97 Ländern.

Nach dem Mauerbau wurde die Geschäftsstelle von Brot für die Welt 1961 von Berlin nach Stuttgart verlegt. Dort blieb sie bis zur Fusion mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst im Jahr 2012. Seitdem ist das deutlich größere Werk wieder in Berlin.