Cafés mit Kopf, Herz und Hand

Dr. Barbara Gehrke koordiniert und unterstützt soziale Café-Angebote in Bremer Gemeinden

  • Nachfrage nach offenen, sozialen Angeboten ist enorm
  • Mehr als zehn soziale Kirchencafés in allen Stadtteilen
  • neue Koordinierungsstelle soll die Café-Angebote vernetzen, beraten und Fortbildungsangebote entwickeln

Mit sozialdiakonischen Cafés in Kirchengemeinden hatte Barbara Gehrke nicht viel zu tun, bis sie im Februar 2019 ihren Job beim Diakonischen Werk Bremen antrat, wo sie sich neben der kirchlichen Caféarbeit auch um andere Aufgaben kümmert. Mittlerweile hat die Café-Koordinatorin Feuer für ihre Aufgabe gefangen: »Es macht großen Spaß, die Teams in den Kirchengemeinden zu unterstützen«, sagt Gehrke. »Ich bin mittlerweile in allen Cafés gewesen und habe überall großartiges Engagement erlebt. Man erlebt Ehrenamtliche, die wirklich mit Kopf, Herz und Hand dabei sind.«

Schlangen vor der Tür

Die Nachfrage nach offenen, sozialen Angeboten sei enorm: 60 bis 100 Gäste zählen zum Beispiel das Café Dienstag in St. Ansgarii oder das Café Mittwoch in Horn. Teils stehen die Menschen bereits vor der Eröffnung draußen Schlange. »Dabei geht es nicht nur um das Frühstück oder die anderen kostenfreien Essensangebote.« Gespräche, Zuwendung und Begegnung seien für Menschen, die in Armut leben, ebenso wichtig. »Unsere Cafés sind eine wichtige soziale Infrastruktur Bremens für Menschen, die sich oft schon selber aufgegeben haben und kaum Orte finden, an denen sie willkommen sind.«

Handwerkszeug für Konflikte

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) und die Diakonie haben für die mehr als zehn sozialen Kirchencafés in allen Stadtteilen die Koordinierungs-Stelle mit fünf Wochenstunden geschaffen. Barbara Gehrke soll in dieser Zeit die bestehenden sozialen Café-Angebote vernetzen, beraten und Fortbildungsangebote entwickeln. »Die Arbeit stellt die Ehrenamtlichen durchaus vor Herausforderungen. Denn es kommen auch auffällige Menschen mit psychischen Problemen. Manchmal gibt es Situationen, die die Ehrenamtlichen zu Recht als bedrohlich empfinden.« Deshalb bietet das Diakonische Werk Fortbildungen zu Themen wie Gesprächsführung, Nähe und Distanz sowie Konfliktmanagement an. Außerdem lädt die Koordinatorin zu Netzwerktreffen ein. »Das Thema Nachwuchsgewinnung fürs Ehrenamt beschäftigt mich ebenfalls. Mancher hat vielleicht nach Feierabend Zeit, Lebensmittel abzuholen und zum Café zu transportieren. Jüngere können vielleicht vormittags keine Brötchen schmieren, weil sie zum Job müssen, haben aber Lust, im Hintergrund bei der Organisation aktiv zu sein.« Der Einsatz der Freiwilligen lohne sich, ist Barbara Gehrke überzeugt: »Sie kommen mit Schicksalen eng in Berührung und erleben den Sinn hinter ihrer Arbeit: Die Gäste brauchen uns.«

 

SOZIALDIAKONISCHE CAFÉ-ANGEBOTE

  • immer mehr von Armut bedrohte oder betroffene, wohnungs- und obdachlose Menschen suchen Unterstützung in Kirchengemeinden
  • an jedem Wochentag öffnet deshalb eine Kirchengemeinde mit einem Frühstücks- oder Essensangebot ihre Türen für Menschen in Not


Text: Matthias Dembski, erschienen im BEK Forum 02/2020