Bremer Wohlfahrtsverbände fordern neue Struktur der Pflegehilfen

„Pflegende Angehörige brauchen eine nachhaltige Unterstützung in der häuslichen Pflege“, dies betonen Arnold Knigge, Vorstandssprecher der Landes-arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bremen (LAG FW), und Martin Böckmann, Direktor der Caritas Bremen.

Die menschliche Tragödie in Vegesack, aber auch andere Erfahrungen von Familien mit Pflegebedürftigen unterstrichen den Handlungsbedarf nachdrücklich. Knigge und Böckmann fordern Sozialsenatorin Stahmann auf, sich für eine neue Struktur der Pflegehilfen in Bremen und Bremer-haven sowie für eine umfassende Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung auf Bundesebene einzusetzen.
Nach Auffassung der Wohlfahrtsverbände gibt es in Bremen und Bremerhaven ne-ben den Angeboten der ambulanten Pflegedienste vielfältige Hilfen für die häusliche Pflege. Das Problem sei aber, dass diese Hilfen den Betroffenen vielfach nicht be-kannt seien. Notwendig sei es, sämtliche Hilfsangebote, wie Information, Beratung und Haushaltshilfe, in den Stadtteilen von Bremen und Bremerhaven stärker zu bün-deln und gut erreichbare Anlaufstellen wohnortnah zu schaffen. „Wir haben in der Stadt Bremen neben den zwei Pflegestützpunkten 17 Dienstleistungszentren sowie zahlreiche Angebote der aufsuchenden Altenarbeit,“ so Knigge und Böckmann, „lei-der sind diese Hilfen und Angebote offensichtlich immer noch nicht bekannt genug. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Der Verweis auf die zwei Pflege-stützpunkte in Bremen und den einen in Bremerhaven reicht bei weitem nicht aus.“
Ebenso dringlich ist es nach Auffassung der Wohlfahrtsverbände, die pflegenden Fa-milien durch die Bereitstellung von mehr Kurzzeitpflegeplätzen zu entlasten. „Wäh-rend wir im Bereich der stationären Heimpflege ausreichend Plätze haben, besteht bei der Kurzzeitpflege ein eklatanter Mangel an Plätzen. Diese Plätze sind aber drin-gend notwendig, um pflegenden Angehörigen von Zeit zu Zeit eine bis zu vierwö-chige Auszeit von der belastenden häuslichen Pflege zu ermöglichen. Wir brauchen für diese Plätze eine bessere Finanzierung. Die Sozialsenatorin und auch die Pflege-kassen sind hier gefordert,“ betonen Knigge und Böckmann.
Die Wohlfahrtsverbände setzen sich für eine umfassende Reform der Pflegeversi-cherung auf Bundesebene ein. „Die gesetzliche Pflegeversicherung darf nicht länger nur eine Teilkaskoversicherung mit gedeckelten Leistungen sein. Um die notwendi-gen Verbesserungen für Pflegebedürftige und ihre Familien durchzusetzen, muss die Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung weiterentwickelt werden. Ansonsten müssen die Versicherten und ihre Familien die notwendigen Personalverstärkungen in der Pflege und höhere Pflegeleistungen selbst finanzieren oder dafür Sozialhilfe in
Anspruch nehmen. Wir fordern Sozialsenatorin Stahmann auf, auch dazu aktiv zu werden“, so Knigge und Böckmann.