© Foto: Darius Ramazani, Diakonie

Leben ohne ein Zuhause – Eine Wohnung ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht

Erste umfassende Studie zur Lebenslage Wohnungsloser

Wohnungslose sind der blinde Fleck in amtlichen Statistiken vieler Kommunen. Darum hat der evangelische Bundesfachverband Existenzsicherung und Teilhabe e.V. (EBET) nun die erste systematische Lebenslagenuntersuchung wohnungsloser Menschen vorgestellt. Die Studie der Alice Salomon Hochschule Berlin entstand in Kooperation mit EBET e.V. Erstmalig wurde für die Zielgruppe akut wohnungsloser Menschen ein sogenannter Lebenslagenindex entwickelt. Insgesamt 70 Einrichtungen aus allen 16 Bundesländern wurden für die Lebenslagenbefragung ausgesucht. Darunter waren u.a. ambulante und stationäre Angebote, Beratungsstellen, Tagesstätten, Notübernachtungen und Streetworkprojekte.

 

Das Ergebnis: Viele Befragte schätzen sich subjektiv belasteter ein als die objektivierbaren Daten hergeben. Gut die Hälfte (52,2 Prozent) der befragten 1.135 Wohnungslosen befindet sich objektiv in einer mittleren Lebenslage, knapp ein Drittel (28 Prozent) in einer schlechten oder sehr schlechten. Knapp 2/3 der obdachlos auf der Straße lebenden Menschen leben in einer unterdurchschnittlichen Lebenslage. Einen wichtigen Einfluss auf die Lebenslage haben die Wohn- bzw. Übernachtungssituation, das Sicherheitsgefühl und der Zugang zu medizinischer Versorgung. 

 

„Diese Aspekte des Lebens sind existenziell. Es ist alarmierend, dass 28 Prozent der befragten wohnungslosen Menschen sich in einer schlechten oder sogar sehr schlechten Lebenslage befinden“, betont Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, Vorstand es Diakonischen Werks Bremen e.V.

 

„Die Studie belegt, dass die individuellen Einschätzungen wohnungsloser Menschen beim Sprechen über Wohnungslosigkeit zukünftig noch mehr berücksichtigt werden müssen. Eines macht die Studie auch deutlich: Unabhängig von Geschlecht, Staatsangehörigkeit,  Alter und individueller Lebensgeschichte  - Wohnungslosigkeit verletzt die Menschenwürde  jedes einzelnen, missachtet persönliche Grundrechte und schadet der ganzen Gesellschaft“, so Meyer

 

Gerade in Bremen, mit einer Armutsquote von fast 25 Prozent, können viele Menschen die seit Jahren steigenden Mieten nicht mehr bezahlen. Über die genaue Zahl der Obdachlosen in Bremen gibt es nur Schätzungen. Man geht von etwa 600 Menschen aus, die in Bremen auf der Straße leben. "Bremen braucht dringend eine bessere, soziale Wohnungspolitik, damit jeder seinen Anspruch auf eine angemessene, menschenwürdige und bezahlbare Wohnung einlösen kann", fordert Meyer. Der Landesdiakoniepastor hofft, dass die neuen belastbaren Zahlen dazu beitragen, die Politik auf die Probleme und die Dringlichkeit der Situation aufmerksam zu machen. „Ich finde es erschreckend, dass es zum Großteil der Bevölkerung umfassende Statistiken gibt, Wohnungslose aber immer wieder durch das Raster fallen“, so Meyer.

 

Die systematische Lebenslagenuntersuchung wohnungsloser Menschen ist ein wichtiger Schritt, die Wohnungslosigkeit bundesweit anzugehen. „Und gerade in Bremen fordere ich die Politik auf, bei diesem Thema noch entschlossener zu handeln“, appelliert Meyer. Wohnen ist ein Menschenrecht – deshalb setzt sich die Diakonie Bremen auch weiterhin für mehr bezahlbaren Wohnraum in Bremen ein.