© Foto: Karsten Klama
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Mit Joschi zu den Kindern

Landesdiakoniepastor Manfred Meyer macht einen Tag ein Praktikum als Erzieher im St. Petri Kinderhaus

Es herrscht ein reges Treiben um 8 Uhr morgens im St. Petri Kinderhaus in Bremen-Osterholz. In der Kindertageseinrichtung mit fünf Gruppen beginnt der Tag mit der Ankunft der 76 Kinder in der Einrichtung gleich mit voller Kraft. Manche Kinder stürmen sofort in den Gruppenraum, andere bleiben noch zögerlich bei ihren Eltern stehen – gehen dann aber vertrauensvoll mit den Erzieherinnen an der Hand mit. Für die Schneckengruppe beginnt dieser Dienstagmorgen ein wenig anders als sonst, denn zwei unbekannte Gesichter erwarten die Kinder im Gruppenraum. Es ist Landesdiakoniepastor Manfred Meyer mit seiner Handpuppe Joschi. Die Kinder schauen ihn mit großen Augen an, als sich der Landesdiakoniepastor im Morgenkreis auf den großen roten Teppich setzt und sich vorstellt. „Ich war in eurem Alter nicht im Kindergarten und daher finde ich es ganz aufregend, heute bei euch zu sein“, sagt Meyer zu den Kindern. Nicht im Kindergarten gewesen? Das können sich die 20 Kinder der Schneckengruppe nicht vorstellen – und schon prasseln die Fragen auf Manfred Meyer ein, der sie alle geduldig beantwortet.

Er ist als Landesdiakoniepastor für einen Tag Praktikant als Erzieher im St. Petri Kinderhaus, das zur diakonischen DiKita gGmbH gehört. Er möchte die Arbeit der Erzieherinnen kennenlernen und ihre Anliegen aus erster Hand hören, um sie öffentlich vertreten zu können. Doch zunächst stehen die Kinder im Fokus, denn das gemeinsame Frühstück steht an. Die Kinder eilen also ins Bad zum Hände Waschen und decken dann gemeinsam den Tisch. Den Erzieherinnen ist es wichtig, die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. „Die Kinder können viel und das sollen sie machen. Und was sie nicht können, lernen sie“, erklärt Janina Fürst, Leiterin des St. Petri Kinderhauses. Nach dem gemeinsam gesprochenen Tischspruch, essen die Kinder in Ruhe und räumen anschließend auch wieder gemeinsam den Tisch ab. Es gibt klare Regeln und Strukturen – und innerhalb dieses Rahmens dürfen die Kinder sich entfalten, ausprobieren und ein Gespür für die eigenen Fähigkeiten entwickeln.

Dass das gut klappt, zeigt das anschließende Freispiel. Die Kinder widmen sich ganz unterschiedlichen Dingen: Puzzle, Lego, Murmelbahn, Malen, Basteln, Bügelperlen…die Möglichkeiten sind scheinbar endlos. Besonders beliebt ist ein Hammerspiel, bei dem die Kinder auf einem Korkuntergrund selbst mit einem kleinen Hammer Symbole befestigen können. Und natürlich scharrt sich alles um den Tages-Praktikanten, der eifrig mit bastelt und spielt. Die Kinder denken sich sogar ein eigenes Spiel aus, bei dem sie ein Restaurant gründen. Das Essen wird gebastelt, die Speisekarte gemalt und natürlich dürfen auch Tischdecke und Blumenvase nicht fehlen. Erzieherin Jessica Ellendt überlegt kurz und bringt dann schnell Material zum Blumenbasteln für die Vase herbei. Die Kinder sind begeistert.

Die geübte Erzieherin nutzt jeden freien Moment, sieht nach den Kindern, räumt auf, hilft auf der Toilette, erklärt Spiele und stützt beim Erklimmen der Leiter. Dabei strahlt sie Ruhe und Gelassenheit aus – und hat gleichzeitig alles im Blick. „Ich bin beeindruckt von der Qualität der Arbeit der Erzieherinnen im St. Petri Kinderhaus, die ich im Rahmen meines Praktikums selbst erleben durfte“, betont Landesdiakoniepastor mit Blick auf den erlebten Tag. Neben dem Spiel mit den Kindern und der Unterstützung beim Mittagessen (Hähnchenfleisch, Gemüse und Kartoffelbrei), das in St. Petri vorbereitet wurde, steht für den Landesdiakoniepastor bei diesem Praktikum auch das Gespräch mit den Erzieherinnen und der Leitung im Fokus. Ihn interessieren die Erfahrungen und die Wünsche der Mitarbeiterinnen. „Ideal wäre es, wenn wir die Gruppen mit zwei Fachkräften weiter verkleinern könnten. Kleinere Gruppen wären für alle von Vorteil, denn dann könnte man nochmal ganz anders auf die Kinder eingehen. Das hat sich jetzt auch in den Ferien wieder gezeigt, als weniger Kinder da waren“, sagt Fürst. Ein weiterer Wunsch der Leitung wäre es, dass sich noch mehr Männer für den frauendominierten Beruf entscheiden. Sicher sei es eine Schwierigkeit, dass in Deutschland traditionell die Männer das Geld nach Hause bringen und sich daher weniger Männer für den geringeren Verdienst als Erzieher entscheiden würden. „Und es ist auch nach wie vor leider ein ungewohntes Bild: Männer und Kinder“, so Fürst. Dabei sei es auch für die Kinder gut und wichtig, Männer im Alltag zu erleben. 

„Ich wünsche mir, dass das Land Bremen in diesen wichtigen Bereich der frühkindlichen Bildung mehr investiert“, betont der Landesdiakoniepastor, der diesen Gedanken vom Praktikum auf jeden Fall mitnehmen wird. „Für uns als Diakonie ist frühkindliche Bildung - und Bildung überhaupt - ein wichtiges Thema, denn wie ich heute selbst gesehen habe, werden hier spielerisch auch Werte wie zum Beispiel Gerechtigkeit vermittelt“, so Meyer weiter.  Das kann Janina Fürst nur bestätigen: „Es ist wichtig, dass die Kinder das Miteinander vorgelebt bekommen und dass es ihnen nähergebracht wird.“

Als sich der Landesdiakoniepastor und sein Begleiter Joschi von den Kindern verabschieden müssen, hallt die Frage durch den Raum „Wann kommt ihr wieder?“. Das weiß Manfred Meyer zwar noch nicht, aber es gibt andere gute Nachrichten: Das Diakonische Werk übernimmt die Kosten für einen Puppenspieler, der die Kinder bald besuchen wird. Wenn das kein Grund zur Freude ist!