Die vierte Bremer Armutskonferenz, bei der das Diakonische Werk Bremen e.V. Mitveranstalter war, stand unter dem Motto „Blick in die Quartiere“.


Es sind natürlich auch diakonische Einrichtungen dabei, wie das Haus Der Zukunft Lüssum - vertreten durch Heike Binne, die betont: „Die soziale Stadtentwicklung ist eine Langzeitaufgabe.“


"Die soziale Spaltung in Bremen ist größer geworden, die Lage benachteiligter Stadtteile hat sich im Vergleich weiter verschlechtert", fasst René Böhme vom Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen und der Arbeitnehmerkammer Bremen zusammen.

Armutskonferenz fordert noch mehr Einsatz gegen Kinderarmut

  • Diakonie ist Mitveranstalter der 4. Armutskonferenz
  • soziale Spaltung hat sich seit 2010 weiter verschärft
  • besorgniserregend ist die Entwicklung der Kinderarmut

Bremen muss nach Auffassung der 4. Armutskonferenz (5.2.2020) in der Hansestadt trotz vieler Anstrengungen deutlich mehr gegen die Kinderarmut im kleinsten Bundesland tun. In der Summe aller Ortsteile habe sich die soziale Spaltung seit 2010 weiter verschärft, sagte am Mittwoch der Sozialwissenschaftler René Böhme vom Institut für Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen. Besonders besorgniserregend sei die Entwicklung in der Kinderarmut. Die Armutskonferenz forderte wie schon in früheren Jahren eine bessere Koordination der Hilfsangebote.

"In einzelnen Kitas und Schulen konzentrieren sich Armut, Sprachprobleme, Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten in so geballter Form, dass dort dringend deutlich mehr Unterstützung erforderlich ist", führte Böhme aus. In diesen Stadtteilen müssten Kitas, Grundschulen und Gesundheitsangebote in integrierten Familien und Bildungszentren gebündelt werden. Inge Danielzick, Sprecherin der Armutskonferenz, warnte, Bremen als Stadt und Land sei neben dem Ruhrgebiet eine der von Armut am stärksten geprägten Regionen Deutschlands.

In den Stadtteilen mit wachsenden Kinder- und Armutszahlen müssten insbesondere Ganztagsangebote ausgebaut werden, hieß es. "Sonst ist eine Erwerbstätigkeit zur finanziellen Stabilisierung der Familien, insbesondere von Einelternfamilien, kaum möglich", sagte der Armutsexperte der Bremer Arbeitnehmerkammer, Thomas Schwarzer.

Die Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Edda Bosse, hob das Konzept Kindergrundsicherung als wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Armut hervor. In der Kindergrundsicherung sollten Leistungen wie Hartz IV, Kindergeld, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket sowie der Kinderzuschlag zusammengeführt werden. Auch Bosse forderte eine besser koordinierte und vernetzte Politik im Kampf gegen die Armut. Unterschiedliche Ansprechpartner für unterschiedliche Problemlagen überforderten viele Menschen.

Der Koblenzer Professor Stefan Sell lobte den Kampf der Bremer Politik gegen die Armut. "Hier läuft viel, das hat auch etwas mit der Einstellung zu tun", sagte der Sozialwissenschaftler vor der Konferenz im Konsul-Hackfeld-Haus. Er forderte insbesondere Änderungen auf Bundesebene wie eine Kindergrundsicherung, eine regelgebundene anteilige Bundesfinanzierung der Kita-Betreuung und eine armutsfeste Mindestsicherung im Alter.

Die Bremer Armutskonferenz wird von einem Initiativkreis organisiert, zu dem neben Wohlfahrtsverbänden, der Arbeitnehmerkammer und den Kirchen auch Gewerkschaften sowie weitere Initiativen und Einrichtungen gehören. Das erste Treffen lief 2013. Vor zwei Jahren beschäftigte sich das Forum mit den Zusammenhängen zwischen Armut und Gesundheit.

Quelle: epd lnb sel mil