Bremer Jugendfürsorge und Heimerziehung 1933-1945

Wanderausstellung des Diakonischen Werks Bremen e.V.

Über Jahre hinweg hat die Kulturwissenschaftlerin Gerda Engelbracht im Auftrag des Diakonischen Werks Bremen  den Alltag von Bremer Jugendlichen in den Heimen der Jugendfürsorge in der Zeit des Nationalsozialismus erforscht. Sie hat in akribischer Arbeit, mit leidenschaftlichem Interesse und wissenschaftlich fundiert  an dem Thema gearbeitet. Das Ergebnis sind ein Buch (erhältlich im Kapitel 8) und eine Ausstellung mit dem Titel „Denn bin ich unter das Jugenamt gekommen“ (Originalzitat des Jugendlichen Helmut Bödeker, Rechtschreibfehler bewusst übernommen).

Forschung bewusst begleitet

„Uns ist es als Diakonie in Bremen  ein großes Anliegen – über die Diakonie hinaus – die Jugendhilfe der Jahre 1933 bis 1945 kritisch zu betrachten und diese Zeit transparent zu machen“, betont Landesdiakoniepastor Manfred Meyer. Das Diakonische Werk hat sich in Absprache mit den Trägern der diakonischen Jugendhilfe dazu entschieden, die Forschung in Auftrag zu geben – und diese nicht nur durch einen größeren Geldbetrag zu finanzieren, sondern auch ganz bewusst zu begleiten. „Wir wollten mehr über die Situation von Kindern und Jugendlichen erfahren, die in der NS-Zeit in evangelischen Kinderheimen und Fürsorgeanstalten lebten – ihre Geschichten in Erinnerung rufen und erlebbar machen, um den Opfern ein Gesicht zu geben.“

Lebensgeschichten im Mittelpunkt

Ein besonderes Augenmerk galt bei der Forschung den Lebensgeschichten und Lebensspuren der Betroffenen. Durch das in Erinnerung rufen derpersönlichen Schicksale von jungen Menschen wird die Ausstellung erlebbar und berührt in ganz besonderer Weise. Die unterschiedlichen Lebensgeschichten vereinigt gleichermaßen die Ungerechtigkeit, die diesen jungen Menschen wiederfahren ist. Die Biografien jugendlicher Mädchen und Jungen machen die dramatischen (zum Teil tödlichen) Folgen der Aussonderung aus der „Volksgemeinschaft“ greifbar: die Durchführung von Zwangssterilisationen, die Deportation in Jugendkonzentrationslager und Einrichtungen der „Euthanasie“- Aktionen.
 


Besonders erlebbar wird die Ausstellung auch durch die beiden Hörstationen, die unter Beteiligung von Jugendlichen und in Kooperation mit Demokratisch Handeln und dem Landesinstitut für Schule entstanden sind. Acht Schülerinnen und Schüler der Osterholzer Albert-Einstein-Schule haben für die Hörstationen in der Ausstellung überlieferte Briefe von damaligen „Fürsorgezöglinge“ vorgelesen.

Wer mehr über die Ausstellung erfahren möchte, kann beim Diakonischen Werk eine kostenfreie Führung anmelden. Durch die Ausstellung führen geschulte Ehrenamtliche.

Blick auf die Gegenwart der Jugendhilfe

Ergänzend zur Ausstellung gibt es Bilder, die Jugendliche gemacht haben, die heute in Alten Eichen leben. Sie haben ihre Lieblingsorte fotografiert. Diese Ergänzung zur Ausstellung wirft einen Blick auf die Gegenwart und zeigt auf, wie sehr sich die Jugendhilfe seit 1945 verändert hat.

Schirmherrin der Ausstellung ist die Sozialsenatorin Anja Stahmann. „Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport und die Bremische Evangelische Kirche wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Dafür meinen herzlichen Dank“, so Manfred Meyer.