A, B, C - und eine zweite Chance

In den ländlichen Regionen Ägyptens können viele Frauen wederlesen noch schreiben. Die koptische Organisation BLESS bringt es ihnen bei - und noch viel mehr.

Zehn Frauen zwischen zwanzig und Mitte dreißig sitzen an Klapptischen, vor sich die aufgeschlagenen Schulhefte. Eine von ihnen ist Amany Abd El Shaheed. Konzentriert schaut sie nach vorn zu ihrer Lehrerin, die arabische Schriftzeichen an die Tafel malt. Lesen und schreiben zu können, das war schon immer Amanys Traum.

Jede zweite Frau ist Analphabetin

Amanys Familie gehört zu den Ärmsten in El Mashawda, einem 7.000-Seelen-Dorf in Oberägypten. Die Analphabetismus- Rate erwachsener Frauen in der Region liegt bei über 50 Prozent. Mädchen brauchen keine Bildung, davon sind hier viele überzeugt. Auch Amany hat nie eine Schule besucht. Statt einen Beruf zu erlernen, heiratet sie mit 19, bekommt ihren ersten Sohn, kurz darauf den zweiten. Sie backt Fladenbrot, wäscht, putzt das Haus. Und sie ist frustriert. Nicht einmal die Stromrechnung kann sie lesen. „Ich habe mich dumm gefühlt“, erinnert sich die 25-Jährige.

Eine bessere Zukunft 

Dass Amany heute die Schulbank drückt, ist BLESS zu verdanken, dem Hilfswerk der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Ägypten. Es wird seit mehr als 30 Jahren von Brot für die Welt unterstützt. Im Rahmen umfassender Dorfentwicklungsprogramme bietet BLESS Alphabetisierungskurse für Frauen wie Amany an. Deren Mann war erst skeptisch. Doch Amany hat ihn mit einem einfachen Argument überzeugt: „Ich will unseren Söhnen bei den Hausaufgaben helfen können. Oder sollen sie so dumm bleiben wie wir?“

 

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