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Diakonie Bremen und Initiative Offene Gesellschaft haben zu einer Debatte mit prominenten Impulsgebenden aus Politik, von Wohnungsbaugesellschaften und aus der Gesellschaft über die Wohnungsnot in Bremen eingeladen.

In welcher Stadt wollen wir leben?

Debatte zur Wohnungsnot in Bremen

In Bremen fehlt bezahlbarer Wohnraum - doch wo kann dieser entstehen? Welche Konsequenzen zieht die Politik aus dem Volksentscheid gegen eine Bebauung des Rennbahngeländes? Welche Erfahrungen aus der Überseestadt fließen ein in neue Bauprojekte? Und wer entscheidet eigentlich, wo was in Bremen gebaut wird? Darüber haben rund 70 Bremerinnen und Bremer bei einer Debatte der Diakonie Bremen und der Initiative Offene Gesellschaft am 26. November im Sparkassen-Gebäude am Brill diskutiert. Die prominenten Impulsgebenden aus Politik, von Wohnungsbaugesellschaften und aus der Gesellschaft haben die Diskussion durch ihre sachlichen Impulse angestoßen.

„Es ist uns wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen. Deshalb haben wir dieses Format gewählt“, erklärte Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, der die anderthalbstündige Debatte moderierte, zu Beginn. Denn nach den Impulsen waren alle Anwesenden gefragt und durften sich zu Wort melden. Die manchmal auch emotionalen Statements der Anwesenden, teilweise selbst von Wohnungsnot Betroffene, hatten ebenso ihren Platz wie ausführliche inhaltliche Erläuterungen von Experten im Publikum. Landesdiakoniepastor Meyer erinnerte gerne auch daran, dass die Debatte nicht den Zweck habe, jemanden anzugreifen. „Es geht darum, dass niemand unerhört bleiben soll. Dafür ist es auch wichtig, eine gute Gesprächskultur zu leben“, so Meyer. Das sei das Ziel der Debatte.
 

Peter Stubbe, Vorstandsvorsitzender der GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen, betonte in seinem Eingangsimpuls, dass Bremen im Bereich des sozialen Wohnungsbaus sehr privilegiert sei. Bremen sei also auf einem guten Weg, langfristig genug bezahlbaren Wohnraum zu haben.

Senatsbaudirektorin Dr. Iris Reuther, die die Senatorin Maike Schaefer vertrat, lobte die gute Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Partnern bei Bauprojekten in Bremen. „Ich glaube, dass wir beim Thema Wohnen in Bremen über Neubauten sprechen, aber auch nicht vergessen dürfen, dass bestehende Quartiere sich entwickeln müssen.“ Auch auf Bundesebene schaue man auf Bremen, so zum Beispiel auf das Bündnis Wohnen, das Vorbildcharakter habe.

„Mir stößt auf, dass wir hier kein bauträgerfreies Wohnen haben“, sagte Heiko Strohmann (CDU), Fraktionssprecher für Mobilität, Stadtentwicklung und Aussiedler. Bremen könne es sich nicht leisten, dass Menschen zwar in Bremen arbeiten, aber in Niedersachsen Steuern zahlen, weil sie keine andere Wahl haben. In seinen Augen sei es wichtig, den Mittelstand wieder mehr in den Blick zu nehmen.

„Jede Wohnung, die wir bauen, entlastet den Wohnungsmarkt“, betonte Joachim Linnemann, Geschäftsführer der Justus Grosse GmbH. Durch Bau von Luxuswohnungen würden andere Wohnungen frei. Dieser „Sickereffekt“ entlaste ebenfalls den Wohnungsmarkt. „Auch Luxuswohnungen müssen gebaut werden“, so Linnemann.

Joachim Barloschky vertrat als Sprecher das Aktionsbündnis Menschenrecht auf Wohnen. Er sei froh, dass Housing First nun beschlossen sei und lobte auch die Arbeit des Bündnis Wohnen. Auch die Quote für sozialen Wohnungsbau sei gut, wenn auch zu gering. Man sei auf einem guten Weg, doch es sei auch noch ein langer. „Ich habe mit Mieterinnen und Mietern gesprochen. Wir haben tausende Wohnungslose“, betonte Barloschky. Das sei übrigens auch sein Tipp an Frau Senatorin Schaefer: Man muss mit den Betroffenen reden.

Eine gute Gelegenheit für das Sprechen mit den Betroffenen bot die Debatte, bei der viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zu Wort kamen. Eine Anwesende empfahl den beiden Wohnungsbauvertretern einen Perspektivwechsel. Durch ehrenamtliches Engagement im Streetwork oder im Café für Wohnungslose könnten die Vertreter des Wohnungsbaus mit den Betroffenen direkt ins Gespräch kommen. Denn schließlich seien die Lebenswelten doch sehr unterschiedlich.

Zum Austausch und Perspektivwechsel gab es auch beim anschließenden Imbiss noch Gelegenheit, die viele wahrnahmen und so den Abend mit lockeren Gesprächen ausklingen ließen.

Text: Regina Bukowski