Tagespflegeeinrichtungen für ältere Menschen ermöglichen es Menschen mit Pflegebedarf, in den eigenen vier Wänden zu leben, entlasten pflegende Angehörige und beugen einer frühzeitigen Heimunterbringung vor. Doch die Realität der Tagespflege in Bremen ist seit Jahren von strukturellen Schwierigkeiten geprägt: zu wenig Personal, unrealistische Kalkulationsgrundlagen und veraltete Förderstrukturen. Die Diakonie Bremen hat sich 2025 gemeinsam mit den anderen Trägern der Freien Wohlfahrtspflege in der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG), dem gemeinsamen Sprachrohr der Wohlfahrtsverbände in Bremen dafür eingesetzt, das zu ändern.
Was auf dem Spiel steht
Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren hinterlassen. Gruppenangebote wurden monatelang verboten, Personal wurde anderswo gebraucht und die Besucherzahlen sind eingebrochen. Die Einrichtungen, die überlebt haben, befinden sich noch immer im Neuaufbau. Der Bedarf wächst derweil: Die Zahl pflegebedürftiger älterer Menschen steigt, der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben zu Hause ist ungebrochen. Wer jetzt nicht in Strukturen und Personal investiert, riskiert, dass ein wichtiges Glied in der Bremer Versorgungskette dauerhaft geschwächt bleibt.
Die zentralen Forderungen im Überblick
Gemeinsam mit den anderen LAG-Trägern hat die Diakonie Bremen 2025 konkrete Forderungen formuliert und in verschiedenen Gremien vorangetrieben.
Viele Menschen wissen schlicht nicht, was Tagespflege für Ältere bedeutet – das Angebot wird häufig mit Kindertagesbetreuung verwechselt oder gar nicht wahrgenommen. Eine gemeinsame Imagekampagne unter dem Leitgedanken „Jeden älteren Menschen im Stadtteil versorgen" soll das ändern. Beim Landespflegeausschuss wurde ein Finanzierungsantrag gestellt – von den benötigten rund 7.000 Euro fehlt aber noch ein Teil.
Auf struktureller Ebene drängt die LAG auf die Anpassung der Investitionsförderung. Mehrere geplante Neu- und Ersatzbauten sind daran gescheitert, dass die Förderhöchstgrenzen die tatsächlichen Baukosten schon lange nicht mehr abbilden. Die Sozialbehörde hat eine Anpassung für 2027 angekündigt – ein Ergebnis, zu dem das gemeinsame Eintreten der LAG-Verbände beigetragen hat.
Besonders unbefriedigend bleibt die Ausbildungsumlage. Seit 2025 zahlen Tagespflegeeinrichtungen denselben vollen Refinanzierungsbetrag wie vollstationäre Häuser – obwohl sie ihre Gäste täglich nur acht statt vierundzwanzig Stunden betreuen. Eine anteilige Anpassung, wie in einzelnen Bundesländern noch praktiziert, wäre das Mindeste. Bislang fehlt der politische Wille.
Auch die Kalkulationsgrundlagen für Vergütungsverhandlungen bilden die Wirklichkeit nicht ab: 256 vorgeschriebene Öffnungstage lassen sich mit einer Montag-bis-Freitag-Öffnung schlicht nicht erreichen, der tatsächliche Durchschnitt liegt bei 251 Werktagen. Ebenso wenig realistisch ist ein Auslastungsgrad von 95 Prozent – angesichts hoher Fluktuation durch Krankenhausaufenthalte und Todesfälle. Die LAG fordert eine Absenkung auf 90 Prozent und bereitet entsprechende Beschlussvorlagen für die Pflegesatzkommission vor.
Beim Pflegepersonalschlüssel zeigt sich die Lage besonders deutlich: Kleine Teams ohne Springerpool, ein um 44 Prozent gestiegener Krankenstand und die gesetzliche Pflicht zur ständigen Fachkraftpräsenz machen den bisherigen Schlüssel unhaltbar. Gefordert wird ein Verhältnis von 1:5 mit mindestens zwei Vollzeitpflegefachkräften. Nach langem Ringen hat sich im Juni 2026 eine Arbeitsgruppe der Rahmenvertragskommission gegründet, die dieses Thema nun aufgreift.
Beharrlich – und mit ersten Erfolgen
„Die Tagespflege ist kein Randthema – sie ist das Rückgrat einer Versorgung, die älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu Hause ermöglicht. Bremen kann sich es nicht leisten, dieses Angebot durch veraltete Strukturen und unrealistische Kalkulationen auszuhöhlen. Wir werden weiter gemeinsam mit unseren Partnern in der LAG dafür eintreten, dass Tagespflege in Bremen das wird, was sie sein kann: ein verlässliches Angebot für alle, die es brauchen."
Oliver Schulz, Verbandskoordinator Diakonie Bremen
Sozialpolitische Veränderungen brauchen Zeit. Die Arbeit der Diakonie Bremen in der LAG ist kein Sprint – aber einer mit Richtung. Verbesserte Ergebnisse bei den Fahrdienstverhandlungen, die angekündigte Förderanpassung, die Gründung der Rahmenvertrags-AG: Das sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern Resultate beharrlicher Gremienarbeit. Tagespflege sichert älteren Menschen Teilhabe – und gibt pflegenden Familien Luft zum Atmen.
Unsere Forderungen für eine zukunftsfähige Tagespflege in Bremen
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Imagekampagne – Tagespflege für Ältere braucht mehr Sichtbarkeit im Stadtteil
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Investitionsförderung – Fördergrenzen an reale Baukosten anpassen
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Ausbildungsumlage – Tagespflege anteilig statt pauschal wie Vollstationär belasten
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Öffnungstage – Kalkulationsbasis von 256 auf 251 tatsächliche Werktage senken
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Auslastungsgrad – Realistischen Wert von 90 % statt 95 % zugrunde legen
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Personalschlüssel – 1:5 mit zwei Pflegefachkräften in Vollzeit
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Eigenanteil – Unterkunfts- und Verpflegungskosten fairer verteilen
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Fahrdienste – Sachgerechte Kalkulation statt willkürlicher Kürzungen
Was ist die LAG?
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen (LAG) ist das gemeinsame Sprachrohr von sechs Wohlfahrtsverbänden: AWO, Caritas, Paritätischer, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk und die Jüdische Gemeinde. Zusammen beschäftigen sie rund 30.000 Hauptamtliche und 12.600 Ehrenamtliche in mehr als 1.133 Einrichtungen im Land Bremen. Die LAG vertritt ihre Mitglieder gegenüber Politik und Kostenträgern, koordiniert fachliche Positionen und tritt gemeinsam für eine soziale Infrastruktur ein, die das Leben in Bremen und Bremerhaven lebenswerter macht. Das trifft sich unmittelbar mit unserem eigenen Anspruch: „Gemeinsam für ein soziales Bremen" ist für uns keine Überschrift, sondern Haltung – und die LAG ist der Ort, wo wir sie mit anderen teilen und in konkrete Politik übersetzen. Wer Veränderungen bewirken will, braucht Partner – und eine Stimme, die gehört wird.