01.07.2021

Bundesfreiwilligendienst feiert sein zehnjähriges Bestehen

Freiwillige berichten von ihren Erfahrungen

 

Vor zehn Jahren, am 1. Juli 2011, begannen die ersten Bundesfreiwilligen ihren Dienst. Bis heute haben sich bundesweit mehr als 400.000 Menschen engagiert, bei uns in der Bremer Diakonie waren es rund 400.

Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Menschen jedes Alters, die sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl engagieren möchten – im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz. Der BFD löste am 1. Juli 2011 den Zivildienst ab, der durch die Aussetzung der Wehrpflicht weggefallen ist. Durch das neue Format wurden die Einsatzbereiche vielfältiger.

Mehr zur Geschichte des BFD bei der Bundeszentrale für politische Bildung 

Einer der 400.000 Menschen, die sich im BFD bereits engagiert haben, ist André. Er hat im vergangenen Jahr (2020/2021) seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Diakonie Bremen absolviert. Eingesetzt war er in einer Kindertagesstätte (Kita) des Vereins Menschenskinners! Christen engagiert für Kinder und Eltern e.V. Gerne denkt er an seine Zeit dort zurück: „Es hat mir viel Freude gemacht mit den Kindern, sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken“, sagt der 25-Jährige.

BFD als Berufsorientierung

Der BFD hat ihm bei seiner Berufswahl geholfen. Als gelernter Sozialassistent hat er schon vorher in einer anderen Kindertagesstätte gearbeitet. Dort wurde sehr viel von ihm erwartet - zu viel für einen Berufsanfänger. „Dadurch hatte ich ungeheuer viel Druck. Damit ging es mir nicht gut. Also habe ich mich entschieden, einen BFD zu machen. Ich wollte nochmal in Ruhe in den Beruf einsteigen und schauen, ob das wirklich richtig für mich ist.“  

Das war eine sehr gute Entscheidung, denn tatsächlich arbeitet André jetzt nach dem BFD in einer Krippe. „Vor vier Jahren kannte ich Krippe noch gar nicht. Durch die Pandemie habe ich im BFD dort manchmal ausgeholfen und gemerkt, dass es gut zu mir passt“, erklärt er. Er mag, dass in der Krippe mehr das pflegerische, wie Windeln zu wechseln, im Vordergrund steht sowie das Geben von Spielanleitungen. „In der Kindertagesstätte wissen die Kinder oft, was sie spielen wollen. In der Krippe kann man mehr Ideen einbringen und Anregungen geben“, erklärt er.

BFD gemeinsam absolvieren

Ganz ähnliches erhoffen ich auch Helene und Nina. Die beiden jungen Frauen beginnen ihren BFD in diesem Sommer, ebenfalls in einer Kita von Menschenskinners. Ihnen war es wichtig, gemeinsam den BFD anzutreten. „Wir kennen uns aus der Schule, seit der 11. Klasse. Wir haben dieses Jahr zusammen Abitur gemacht und haben uns dann vor einem halben Jahr überlegt, dass wir gerne auch nach der Schule etwas zusammen machen möchten“, erzählen die beiden. Die Pädagog*innen der Diakonie Bremen haben sich daraufhin bemüht, beide Bewerberinnen in derselben Einrichtung unterzubringen – und das hat geklappt! Nun sind die beiden 19-Jährigen gerade von Oldenburg nach Bremen gezogen. „Wir haben die Chance genutzt, einen Schritt Richtung Selbstständigkeit, weg von unseren Eltern, zu machen - und wohnen jetzt zusammen in unserer kleinen Wohngemeinschaft.“

Und nun kann der BFD bald losgehen. Helene und Nina sind schon auf die neue Erfahrung, auch zur Berufsorientierung, gespannt. „Wir sind uns einfach noch nicht ganz sicher, was wir später gerne machen wollen, können uns beide aber vorstellen in den sozialen Bereich zu gehen, daher haben wir uns dazu entschieden erstmal ein Jahr in diesem Bereich zu schnuppern.“

Sich selbst besser kennenlernen

Auch für Viola, die gerade ihren BFD bei der Frauenberatungsstelle der Diakonie Bremerhaven absolviert, hat sich der BFD als Orientierung bewährt. „Nach dem Abitur war ich noch ganz unsicher, was ich beruflich machen wollte. Ich wusste, dass ich noch etwas Zeit brauchte, um mich zu orientieren, weshalb ein BFD eine optimale Lösung war“, sagt die 20-Jährige.

Ausgesucht hat sich Viola für ihren Dienst, den sie aktuell absolviert, eine Frauenberatungsstelle. Dort sind ihre Aufgaben vielseitig – und das sei perfekt für sie. „Ich würde mich auch immer wieder neu für diese Einsatzstelle entscheiden.“ Beruflich wird sie sich nach ihrem BFD aber in eine andere Richtung orientieren. „Ich habe mich im BFD selbst besser kennengelernt und durch das Jahr herausgefunden, worauf ich wirklich Lust habe. Obwohl meine Ausbildung nicht in dieselbe Richtung gehen wird wie mein BFD, hat das BFD mir die Zeit gegeben, die ich für die Berufswahl benötigt habe.“ Nach ihrem BFD wird sie eine Ausbildung als Gestalterin für visuelles Marketing in einer Werbeagentur machen. 

Es war ihr auch wichtig, sich sozial zu engagieren, bevor sie ins Berufsleben startet. „Ich habe mich für die Diakonie entschieden da Ich noch nicht genau wusste, in welchen Bereich ich gehen wollte und die Diakonie eine große Auswahl an verschieden Richtungen hatte.“

Gute Rahmenbedingungen bei der Diakonie Bremen

André hat sich für die Diakonie Bremen aufgrund von Empfehlungen entschieden. „Ich hatte gehört, dass die Diakonie am besten ist, weil sie am meisten Taschengeld bezahlt und am meisten Urlaubstage hat. Aber ich bin natürlich nicht allein wegen des Geldes zur Diakonie gegangen – alle waren voll nett, wir hatten nette Seminarleitungen“, erinnert er sich zurück. Durch seinen Hospitationstag bei Menschenskinners lernte er die Einrichtung kennen und entschied sich rasch für den BFD dort.  
Für Helene und Nina, deren BFD noch bevorstehen, war die Bewerbungsphase durch die Pandemie etwas anders – digitaler. „Auf die Diakonie sind wir durchs Internet gestoßen. Wir fanden die Seite sehr ansprechend und bei dem Vorstellungsgespräch per Zoom hat dann auch die Sympathie direkt gestimmt“, erzählen sie.

    "Ich hatte gehört, dass die Diakonie am besten ist, weil sie am meisten Taschengeld bezahlt und am meisten Urlaubstage hat. Aber ich bin natürlich nicht allein wegen des Geldes zur Diakonie gegangen – alle waren voll nett, wir hatten nette Seminarleitungen."

    André, ehemaliger Bundesfreiwilliger bei der Diakonie Bremen

Zuverlässige Ansprechperson bei Sorgen und Fragen

Auch Viola erlebt ihren BFD aktuell mit neuen digitalen Formaten. Durch die Pandemie musste auch im Freiwilligen Jahr bei der Diakonie Bremen umgedacht werden. Die Seminare finden derzeit online als Videokonferenz mit verschiedenen Referent*innen statt. „Auch, wenn die Seminare oft nur über Zoom stattfinden, sind sie immer hilfreich“, sagt Viola. Auch wisse sie immer, dass sie eine feste Ansprechperson im Diakonischen Werk habe, falls irgendwelche Sorgen oder Fragen auftreten würden. Allen Freiwilligen in einem Freiwilligen Jahr bei der Diakonie Bremen - wie dem BFD – sind einer Seminargruppe zugeordnet und haben eine/n Pädagog*in als feste Ansprechperson. Darüber hinaus gibt es in der Einrichtung auch eine/n Anleiter*in.

Seminare bieten Abwechslung und neue Perspektive

Ein Unterschied zu den anderen Angeboten des Freiwilligen Jahres bei der Diakonie Bremen, also Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ), ist beim BFD, dass eines der Seminare zum Thema politische Bildung in Ritterhude stattfindet. Als André seinen BFD absolviert hat, fand dieses Seminar auch noch in Präsenz vor Ort statt. „Die politische Woche in Ritterhude war spannend. Politik ist auch ein großer Bereich, der mich interessiert. Die Seminare haben mir mit am besten gefallen, es war eine schöne Abwechslung“, erinnert sich André. Sein liebstes Seminar sei aber zum Thema Inklusion gewesen. „Mit Rollstühlen sind wir durch die Stadt gefahren und haben geschaut, wo man Hürden begegnet. Es war ein interessanter Perspektivwechsel.“

Andere Freiwillige im Seminar kennenlernen

Helene und Nina freuen sich schon auf ihren bald beginnenden Dienst und darauf, neue Erfahrungen zu sammeln. Neben abwechslungsreichen Aufgaben in der Kita, an denen die beiden sicher wachsen werden, sind es aber auch die persönlichen Beziehungen, die ein BFD zu einer ganz besonderen Zeit machen. „Wir freuen uns auch darauf, neue Leute bei den Seminartagen kennenlernen zu können.“

Auch für Viola sind es die Beziehungen, die sie in ihrem BFD im Frauenhaus gerade knüpft, die besonders wertvoll sind. „Die allergrößte Freude im ganzen BFD ist mein liebes und warmherziges Team. In der Zeit, die ich jetzt in der Frauenberatungsstelle verbracht habe, sind mir alle Kolleginnen richtig ans Herz gewachsen und es ist immer eine Freude zur Arbeit zu kommen“, fasst sie zusammen.

    "Die allergrößte Freude im ganzen BFD ist mein liebes und warmherziges Team. In der Zeit, die ich jetzt in der Frauenberatungsstelle verbracht habe, sind mir alle Kolleginnen richtig ans Herz gewachsen und es ist immer eine Freude zur Arbeit zu kommen"

Viola, Bundesfreiwillige bei der Diakonie Bremen

Vielfältige Aufgaben im BFD  

Die Aufgaben, die Freiwillige in ihrem BFD übernehmen sind immer sehr vielfältig. Sie unterstützen die Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen in allen Tätigkeiten, sind überall mit eingebunden und lernen so viele verschiedene Bereiche kennen. So ist Viola in der Frauenberatungsstelle vom Aufschließen des Büros, über die Aufnahme von Klientinnen, das Saubermachen der Wohnungen beim Auszug bis hin zu Einkäufen, wenn zum Beispiel Hygieneprodukte fehlen für vieles zuständig. Ihre größte Herausforderung betrifft sie jedoch selbst: „Für mich war es zu Anfang eine Herausforderung, mich richtig zu öffnen. Direkt nach dem Abitur war ich noch ziemlich zurückhaltend und schüchtern, doch mit der Zeit und mit dem Zunehmen meiner Aufgaben wuchs auch mein Selbstvertrauen“, sagt Viola.

Für André waren es ganz konkret die Bastelarbeiten, die ihn im BFD in der Kita am meisten gefordert haben. „Bastelarbeiten – das ist nicht gerade das, was ich am liebsten mache. Aber ansonsten kann ich nix negatives sagen. Manches macht man natürlich lieber als anderes“, sagt der ehemalige Bundesfreiwillige lachend.

Anfangszeit wird ungewohnt sein

Für Helene und Nina liegen solche Herausforderungen noch in der Zukunft. Die beiden jungen Frauen haben sich für den BFD in einer Kita entschieden, weil sie sich vorstellen können, auch danach etwas im sozialen Bereich zu machen. „Bei der Wahl der Einsatzstelle hatten wir auch den Hintergedanken, dass wir uns eventuell das Grundschullehramt beide sehr gut vorstellen könnten. Deshalb wollten wir auf jeden Fall etwas mit jüngeren Kindern machen. Für die Kita haben wir uns dann entschieden, weil uns kleine Kinder sehr am Herzen liegen und uns deren Entwicklung fasziniert“, erklären die beiden 19-Jährigen. Sie sind gespannt auf die Anfangszeit im BFD, denn es wird zu Beginn sicher ungewohnt sein. Aber sie freuen sich darauf, zu den Kindern eine Beziehung aufzubauen.

Fazit: Weiterempfehlen!         

Für André, der den BFD schon hinter sich hat, und für Viola, die gerade noch dabei ist, steht ganz klar fest: Den BFD kann man sofort weiterempfehlen. Jedes Jahr absolvieren rund 150 Freiwillige ein Freiwilliges Jahr (FSJ, BFD, FÖJ) bei der Diakonie Bremen – besonders wertvoll sind für neue Bewerber*innen immer Empfehlungen von Freunden und Bekannten, die schon Erfahrungen mit einem solchen Dienst haben. Ein Großteil der Bewerber*innen meldet sich aufgrund solcher Empfehlungen bei der Diakonie Bremen. Deshalb erfreut das Fazit von Viola umso mehr: „Ich habe Freunden bereits einen BFD empfohlen und würde es auch immer wieder tun.“

Bei der Diakonie Bremen kann man ein BFD, FSJ, FÖJ absolvieren. Weitere Information, eine Übersicht der freien Stellen und die Möglichkeit der Online-Bewerbung finden interessierte unter www.diakonie-bremen.de/ausprobieren

Text: Regina Bukowski

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