15.06.2021

Kampf gegen das Virus und gegen Armut

Menschen mit Armutserfahrung ziehen erste Zwischenbilanz der Corona-Pandemie

 

Die Corona-Pandemie verschärft die soziale Lage. Um darauf aufmerksam zu machen, haben in Armut Lebende ein Fünf-Punkte-Papier vorgelegt mit dem Titel „Der soziale Notstand ist da. Nicht nur Viren, sondern auch Armut und Ausgrenzung bekämpfen!“. Die Diakonie unterstützt das dahinterstehende Netzwerk von Aktiven aus der Selbstorganisation von Menschen mit Armutserfahrung aktiv.

Die Corona-Krise trifft Menschen besonders hart, die schon vorher mit schweren Belastungen zu kämpfen hatten. Menschen mit Armutserfahrung erleben, dass sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Deshalb verlangen sie im beginnenden Bundestagswahlkampf einen demokratischen Streit um Armutsbekämpfung und Sozialpolitik sowie ein Recht auf Gehör, Beteiligung und gesellschaftliche Teilhabe.

"Wir halten es für dringend geboten, eine dem Problem vieler von Armut betroffenen Menschen angemessene politische Diskussion darüber zu führen, was nötig ist, um eine weitere Verschärfung der sozialen Lage zu verhindern."

Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, Vorstand des Diakonischen Werks Bremen e.V.

Digitale Möglichkeiten zur Teilhabe fehlen

Leben in Armut bedeute auch unter "Normalbedingungen" ein ständiges Improvisieren, jetzt ist durch die Pandemie das Leben derer, die schon vorher mit schweren Belastungen zu kämpfen hatten, besonders hart betroffen und von zunehmender Perspektivlosigkeit gekennzeichnet.

Helga Röller, Aktivistin in Erwerbslosen-Netzwerken sagt auf einer Pressekonferenz der Diakonie Deutschland: "Viele der Menschen, deren Lebenswirklichkeit Armut ist, leiden in den Pandemiezeiten an Einsamkeit. Sie wurden aus sozialen Bezügen herausgedrängt. Ihnen fehlen schon allein die Kreditkarte für die Online-Buchung im Freibad oder selbst digitale Buchungsmöglichkeiten für kostenlose Angebote."

Raum für Menschen mit Armutserfahrung schaffen - damit aktive Beteiligung und Mitreden möglich werden! Das ist ein wesentliches Ziel der sozialpolitischen Arbeit der Diakonie. Deshalb begrüßt die Diakonie das vorgelegte Papier und die darin enthaltenen Forderungen.

Die Ärmsten sind digital unsichtbar

„Menschen mit Armutserfahrung erleben, wie sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Die gesellschaftlichen Austauschprozesse sind digitalisiert – die Ärmsten sind digital unsichtbar. Das darf nicht sein! Es ist wichtig, dass in Armut Lebende ihre Interessen vertreten können – auch und besonders in einer Pandemie“, betont Meyer.  Dafür brauche es neben Orten für Vernetzung und Selbstorganisation, Ressourcen und Technik auch ein deutlich höherer Regelsatz in der Grundsicherung.

„Die Probleme vor denen in Armut Lebende stehen müssen jetzt gelöst werden und können nicht bis ‚nach Corona‘ warten. Soziale Ausgrenzung und wachsende Ungleichheit dürfen nicht hingenommen werden – weder Deutschlandweit noch im Land Bremen mit seiner hohen Armutsquote“, betont Meyer.  Knapp ein Viertel der Bremer ist von Armut betroffen. In zahlreichen sozialen Projekten engagiert sich die Diakonie für die Betroffenen – doch sie müssen auch die Möglichkeit haben, für sich selbst zu sprechen. „Ein Viertel der Bremer und Bremerinnen dürfen nicht abgehängt und überhört werden. Das ist nicht hinnehmbar!“

Die Diakonie lädt deutschlandweit Menschen mit Armutserfahrung dazu ein, ihre Erfahrungen direkt laut und deutlich in die Öffentlichkeit zu tragen und geht noch weiter mit einem umfassenden Beteiligungsprojekt, in dem Betroffene als Expert*innen in eigener Sache Unterstützung und Möglichkeiten erhalten, ihre Interessen selbst zu vertreten.

Darüber berichtete auch die taz am 16. Juni 2021

Corona-Nothilfe der Diakonie Bremen

Dank zahlreicher Spenden zugunsten der Corona-Nothilfe der Diakonie Bremen konnten während der Pandemie bereits zahlreiche Projekte für Wohnungslose und von Armut Betroffene gefördert und umgesetzt werden. Die Diakonie Bremen wird sich auch weiter für diese Menschen einsetzen.

Spendenkonto-IBAN: DE66 5206 0410 0006 4075 10

Diese Maßnahmen wurden durch die Corona Nothilfe gefördert!

Text: Regina Bukowski

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