27.06.2022

Petri & Eichen – Für die Kinder und Jugendlichen in Bremen

Warum Che, Olga und Natalie gerne für Petri & Eichen arbeiten  
 

Petri & Eichen, Diakonische Kinder- und Jugendhilfe Bremen gGmbh,  bietet unter anderem stationäre und teilstationäre Betreuung von Kindern und Jugendlichen, ambulante Betreuung, Kindertagesbetreuung und Offene Jugendarbeit an. Alles  Bereiche, in denen auch Che, Olga und Natalie tätig sind. Hier stellen die drei das besondere an Ihrer Arbeit vor – und die Einrichtung, für die sie arbeiten. 



Petri & Eichen kurz vorgestellt

Die Petri & Eichen, Diakonische Kinder- und Jugendhilfe Bremen gGmbh fusionierte 2020 aus drei Gesellschaften: der Diakonischen Jugendhilfe Bremen gGmbH, Alten Eichen – Perspektiven für Kinder und  Jugendliche gGmbH, St. Petri Kinder- und Jugendhilfe gGmbH und Diakonische  Kindertageseinrichtungen in Bremen gGmbH. Mehr als 500 Mitarbeiter*innen sind heute für Petri & Eichen tätig. Die Gesellschaft hat ihren Hauptsitz in Bremen-Gröpelingen. Gesellschafter von Petri & Eichen sind die Stiftungen St. Petri Waisenhaus von 1692 in Bremen und Alten Eichen von 1596. Beide Stiftungen blicken auf ein langes Engagement zurück. Sie sind bis heute ein unverzichtbarer  Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe in Bremen.
 

Wie Olga Blank mit den Aufgaben gewachsen ist

Karriere bei Petri & Eichen - von der Kinderpflegerin zur Kita-Leitung

In einer großen Einrichtung wie Petri & Eichen gibt es viele Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Davon kann zum Beispiel Olga Blank erzählen. Vor 15 Jahren hat sie als Kinderpflegerin  bei den „Petri Minis“ in der Vahr angefangen. „Wir haben damals als ganz neues Team gestartet, mit acht Kindern. Wir wollten die Familien in der Vahr unterstützen, indem wir die Kinder tagsüber betreuten“, erinnert sich Blank an ihre Anfänge bei Petri & Eichen (damals Petri Minis gGmbH). Damals war sie Kinderpflegerin. Für diese Ausbildung hatte sie sich entschieden, weil sie mit Kindern arbeiten wollte. „Das war schon immer mein Traum. Als ich jünger war, wollte ich eigentlich Lehrerin werden“, erinnert sie sich. Doch ein Studium hat sie sich mit ihren damaligen Deutschkenntnissen (sie kam mit 14 Jahren aus Russland nach Deutschland) nicht zugetraut. Also entschied sie sich für die Ausbildung zur Kinderpflegerin. „Ich habe selbst als Kind keine schönen Erfahrungen im Kindergarten gemacht – deshalb war es mein Wunsch es anders zu gestalten für die Kinder.“

Ein Praktikum hat Olga Blank dann in ihrer Entscheidung bestärkt. „Ich habe als Praktikantin in einer Einrichtung für junge Mütter gearbeitet und fand das gut, weil ich die Mütter verstehen konnte." Olga Blank ist selbst jung Mutter geworden. Als ihr Kind in den Kindergarten kam, begann sie die Ausbildung. „Ich wollte den Müttern zeigen, dass man trotz Kind eine Ausbildung machen kann – etwas aus sich machen kann.“

„Ich habe selbst als Kind keine schönen Erfahrungen im Kindergarten gemacht – deshalb war es mein Wunsch es anders zu gestalten für die Kinder.“

Neue Möglichkeiten durch die Ausbildung zur Erzieherin

Inzwischen ist Olga Blank anerkannte Erzieherin. Dafür hat sie berufsbegleitend noch eine Ausbildung gemacht. „Als Erzieherin habe ich mehr Möglichkeiten – man wird ja nicht jünger“, sagt die 42-Jährige lachend. Sie sei sich nicht sicher gewesen, ob sie bis 70 im U3-Bereich arbeiten möchte. „Als Erzieherin habe ich mehr Bereiche, in denen ich arbeiten kann. Das ist gut, da Petri & Eichen ja auch viele Bereiche anbietet.“

In den zwei Jahren der berufsbgeleitenden Ausbildung wurde sie von ihrem Arbeitgeber immer unterstützt und freigestellt. Nach der Ausbildung ging sie dann als Erzieherin nach Tenever in das Haus Weltenbummler. Das erste Mal arbeitete sie damals im Elementarbereich, außerhalb des U3-Bereichs. „Die Entwicklung der Kinder zu erleben und mitzugestalten ist ein tolles Gefühl. Wenn man sieht, wie viel sie im Kindergarten gelernt haben und wie sie in ihrer Persönlichkeit gestärkt wurden, das ist wunderbar.“

"Nächstenliebe bedeutet den Menschen, der dir gegenüber steht, so wahrzunehmen, wie er/sie ist. Bedürfnisse zu erkennen und darauf eingehen."


Olga Blank, Erzieherin und Kita-Einrichtungsleitung bei Petri & Eichen

Neue Herausforderung als Einrichtungsleitung

Schließlich wurde Olga Blank im Dezember 2019 gefragt, ob sie nicht wieder in die Vahr gehen möchte – als Einrichtungsleitung. „Ich habe erst gezögert – es ist eine ganz neue Herausforderung gewesen. Aber, weil mir die Arbeit in der Vahr sehr am Herzen liegt, habe ich mich dazu entschlossen".  Inzwischen leitet sie souverän nicht nur die Einrichtung Vahrfalla, sondern auch den Kinderkreis Alten Eichen. „Es ist nicht immer einfach, man hat mehr Verantwortung. Aber ich mache es gerne und freue mich auch, dass ich zwischendurch immer im Kinderdienst sein kann und so den Kontakt mit den Kindern halte.“

Als Einrichtungsleitung ist sie für die Dienstpläne, die Aufnahmeplanung für die Kinder und den Kontakt zu den interessierten Eltern zuständig. Durch Corona fiel der „Tag der offenen Tür“ zwar aus, doch für Olga Blank war es trotzdem immer wichtig, den Eltern die Möglichkeit zu geben, die Kita kennenzulernen. „Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden wollen, möchten auch die Einrichtung kennenlernen. Dann fällt die Entscheidung leichter.“ Deshalb suchte sie auch in der Pandemie immer nach Möglichkeiten, die Eltern nach dem Kinderdienst in die Einrichtung einzuladen. „Es war so natürlich recht zeitintensiv für mich, aber es war mir einfach wichtig. Wir hoffen, dass wir nun langsam wieder zur Normalität zurückkehren können.“  

Wir haben 3 Fragen an Olga Blank, Erzieherin:


Was treibt dich beruflich an?
Die fröhlichen, lachenden Gesichter der Kinder. Wenn man ankommt und die Kinder sich freuen, dich zu sehen. Das ist eine große Motivation für die Arbeit.

Welche besonderen Momente erlebst du bei der Arbeit?
Wenn man das gute Feedback von den Eltern bekommt, die sich wohlfühlen, weil es den Kindern gut geht.

Was sollte eine (angehende) Pflegekraft in deinem Beruf mitbringen?
Vor allem Ruhe , Geduld und Empathie. Außerdem ein Interesse an Kindern. Und man sollte Kinder als Menschen sehen, auch wenn sie noch nicht so viele Erfahrungen haben wie wir Erwachsenen. Nur so kann man sie unterstützen, wertschätzen und die Freude am Spielen und Lernen vermitteln.

Wie Che Wiafe junge Menschen erreicht

Für den Sozialpädagogen ist klar, dass man etwas verändern kann, wenn man Kinder und Jugendliche für neue Themen begeistert 

Auf den sozialen Bereich ist Che Wiafe durch sein Freiwilliges Jahr in Irland gekommen. „Ich habe mein FSJ mit Wohnungslosen gemacht und das hat mir viel Spaß gemacht“, erinnert sich der Sozialpädagoge. Bei Petri & Eichen ist er seit acht Jahren tätig und arbeitet in der heilpädagogischen Wohngruppe in Horn. „Ich bin im Tagdienst tätig – meine Aufgaben sind unter anderem die Organisation der Gruppe, die Taschengelder, die Kommunikation mit den Ämtern, die Hilfe- und Entwicklungspläne zu lesen und das Organisieren der Ferienfahrten.“

Die Ferienfahrten mit den Kindern und Jugendlichen sind für ihn echte Highlights seiner Arbeit. „Man kann mit den Kindern und Jugendlichen andere Orte entdecken und neue Sachen ausprobieren. Das ist immer eine besondere Zeit – man erlebt die Kinder ganz anders - und die Kollegen auch.“ Aber auch das Sonntags-Frühstück in der Wohngruppe gefällt ihm gut. „Ich mache dann immer Pfannkuchen – weil ich sie gerne esse und die Kinder auch.“ 

 

"Nächstenliebe bedeutet für mich, die Kinder so zu behandeln, wie man selbst auch behandelt werden möchte."

Che Wiafe Sozialpädagoge

Schichtdienst hat seine Vorteile

Für die Wohngruppe hat er sich entschieden, weil er eine gewisse Struktur gesucht hat. Nach seinem Bachelorstudium der Politikwissenschaften folgte ein Masterstudium „Kindheit, Jugend und Soziale Dienste“. Gegen Ende dieses Masterstudiums hat er im Freizi in Horn und in einer Notunterkunft für Geflüchtete in Borgfeld gearbeitet. „Nach meiner Masterarbeit war die Wohngruppe eine gute Option.“

Die Kinder und Jugendlichen in der heilpädagogischen Wohngruppe werden von fünf Pädagog*innen und einer Hauswirtschaftskraft betreut. In der Regel sind die Kolleg*innen zu zweit in einer Schicht, nur am Wochenende sind sie alleine. Der Fachkräftemangel macht sich auch hier bemerkbar, so Wiafe. „Die Arbeit im Schichtdienst ist anspruchsvoll, dafür muss man gemacht sein. Wir arbeiten am Wochenende und auch zum Beispiel an Weihnachten – man muss Lust auf die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen haben“, so der Sozialpädagoge. Es ist schwierig, Menschen für den Schichtdienst zu begeistern, obwohl er selbst darin durchaus Vorteile sieht.

 

Zunächst war der Sozialpädagoge selbst auch im Schichtdienst tätig, inzwischen ist er im Tagdienst. „Das Schöne am Schichtdienst ist, dass man nicht nur Probleme aufarbeitet, sondern auch den Alltag gemeinsam genießt – mit Essen, Fußball oder Playstation spielen. Das macht Spaß“, sagt Wiafe ein wenig bedauernd. Das fehle ihm jetzt im Tagdienst ein wenig. Dafür seien die Arbeitszeiten von 6 oder 8 Uhr bis 16 Uhr fester. Das macht es für ihn einfacher in unterschiedlichen Arbeitskreisen und Gremien, wie dem Arbeitskreis Diversität, mitzuarbeiten, da diese immer in seiner regulären Arbeitszeit stattfinden.

"Warum gibt es überhaupt diesen Machtunterschied? Strukturen müssen hinterfragt und geändert werden, damit niemand zurückgelassen wird."

Ernesto Che Wiafe, Mitarbeitendenvertretung Petri & Eichen

Che Wiafe lächelt in die Kamera.
Foto: Che Wiafe

Diversität als Herzensthema

Das Thema Diversität liegt dem 34-jährigen gebürtigen Cuxhavener besonders am Herzen. Dafür setzt er sich weiterhin ein. „Wir sind als Petri & Eichen Teil der Gesellschaft und müssen auch in der Jugendhilfe daher die Diversität abbilden. Wir müssen wissen, was Diversität bedeutet und wie wir diese tolle Vielfalt im Alltag und in unsere Arbeit einbeziehen können“. Es ist eine besondere Qualität bei Petri & Eichen, dass die Mitarbeitenden so viele verschiedene Themen einbringen und in Arbeitskreisen in die gesamte Einrichtung tragen. „Die Kolleg*innen sind auch teilweise Referent*innen in unserem Fortbildungsinstitut. Das finde ich echt gut und ist auch etwas Besonderes.“

Junge Menschen erreichen

Che Wiafe bringt sich auch seit vielen Jahren im Rahmen der Mitarbeitendenvertretung (MAV) bei Petri & Eichen ein, zurzeit als stellvertretender Vorsitzender. „Ich war gerade mal drei Monate im Dienst, da wurde ich schon in die MAV gewählt. Eine Kollegin hatte mich empfohlen, weil ich sie mein Politikverständnis im Hinterkopf hatte. Und es passt wirklich sehr gut und macht mir Spaß.“ Politikwissenschaften hat er studiert, weil er den Einfluss von Politik auf die Gesellschaft verstehen wollte. Dieses Verständnis versucht er nun an die Kinder und Jugendlichen weiterzugeben. „Wenn man etwas ändern möchte, muss man junge Menschen erreichen.“

Wir haben 3 Fragen an Che Wiafe,
Sozialpädagoge in der heilpädagogischen Wohngruppe

 

Was treibt dich beruflich an?

Meine Motivation ist, dass ich für alle Kinder, die bei uns leben, eine gute Zukunft sehe.

Welchen besonderen Moment hast du bei der Arbeit erlebt?

Es freut mich, wenn Kinder zu uns kommen und sagen, dass sie etwas geschafft haben. Das kann ein Erfolg sein, wie das Abitur oder der Führerschein oder auch ein Sportfest mit einem ersten Platz. Diese Momente sind die besten Momente.

Was sollte eine (angehende) Pflegekraft in deinem Beruf mitbringen?

Man braucht Engagement und Lust mit Menschen zu arbeiten. Aber es ist auch wichtig, dass man ein Verständnis von Pädagogik hat, das von Diversität geprägt ist. Das wird immer wichtiger werden – vielleicht hilft dann auch ein politisches oder gesellschaftliches Verständnis. Humor ist auch etwas, was immer hilft. Und Flexibilität ist bei uns im stationären Bereich wichtig.


Auf einen Kaffee mit Faro Tuncel,
Geschäftsbereichsleitung Jugendförderung

Am liebsten verbringe ich die Zeit direkt in den Einrichtungen im Sozialraum und im direkten Kontakt zu den Kolleg*innen und Akteur*innen vor Ort.

Ich mache wirklich selten eine Mittagspause, aber wenn dan bei einem guten Essen mit den Kolleg*innen 

Ich kann mich sehr gut an meinen ersten Tag erinnern, das ist mittlerweile schon mehr als 16 Jahre her und es kommt mir wie gestern vor. Ich habe direkt eine positive Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen und Jugendlichen erleben dürfen (wie dankbar die Jugendlichen für die Unterstützung bei ihrer Orientierung in einem selbständigen Leben sind und wie notwendig die Unterstützung dabei ist).

Es gibt Tatsächlich viele kleine Momente, direkte Dankbarkeit für die Unterstützung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen und der gute Austausch mit den Kolleg*innen. 

Leider immer noch viel mit dem Auto.


Für Natalie Sauerland ist jeder Tag anders

Warum sie so gerne im ambulanten Team Tenever arbeitet

 

Natalie Sauerland ist erst seit kurzem bei Petri & Eichen, aber definitiv schon sehr gut angekommen. Sie arbeitet im ambulanten Team Tenever und hat dort auch Leitungsaufgaben übernommen. Als Soziologin und systemische Therapeutin war sie davor beim Berufsförderungswerk Friedehorst tätig. „Ich wollte nochmal ein anderes Berufsfeld haben, aber bei einem diakonischen Träger bleiben. Mein Schwerpunkt lag immer bei den Jugendlichen, daher passt das ambulante Team Tenever sehr gut“, so Sauerland.

Ihre Aufgaben sind vielfältig: Als Teamleitung ist sie für den Kontakt zu den Behörden, Ämtern und Schulen zuständig. Aber auch zum Beispiel für die Gespräche mit den Kolleg*innen, Statistiken, Berichte und Dokumentation, die Budget- und Urlaubsplanung ihres Teams fallen in ihren Aufgabenbereich. Auf der anderen Seite macht sie aber auch Hausbesuche bei den Familien und arbeitet direkt mit den Jugendlichen. „Es geht in den Familien oft um Erziehungsthemen – wie man Grenzen setzt, aber auch über Ernährung und altersgerechte Spielmöglichkeiten sprechen wir.“

Die Vielfalt ihrer Aufgaben ist für Sauerland ein Vorteil: „Ich mag das Administrative total gerne, aber ich schätze es auch sehr, draußen zu sein – unterwegs und in Kontakt mit den Klient*innen.“  

Arbeit in einem multiprofessionellen Team

„Wir arbeiten viel in Tandems. Vor allem, wenn größere Maßnahmen notwendig sind. Die täglichen Treffen mit den Familien machen wir aber alleine". Sie ist froh, dass sie sich mit ihren sechs Kolleg*innen im Team austauschen kann. Neben den Teambesprechungen des ambulanten Teams Tenever gibt es auch Teamleitungsrunden, in denen sie sich mit anderen Leitungen austauscht. Dieser Austausch auf beiden Ebenen ist wichtig, da der Beruf auch herausfordernd ist. „Vieles entscheidet man aus dem Bauch heraus – aufgrund der Sicherheit, die man in der Ausbildung und durch die Erfahrung gewinnt. Aber es gibt auch Situationen – wenn man nicht sofort handeln muss – in denen man sich erst nochmal rückversichert“, so Sauerland. Dafür greift sie einfach zum Handy, denn die Teams sind sehr gut vernetzt und es ist immer ein*e Kolleg*in erreichbar. Das ist der Vorteil bei einem so großen Jugendhilfeträger wie Petri & Eichen. Die kollegiale Beratung ist das eine Zusammen mit externer Fallberatung und Supervision ist es ein wirksamer Werkzeugkasten, um einen guten Austausch zu gewährleisten. „Wir sind ein multiprofessionelles Team – das ist gut für den Austausch, denn es gibt ganz verschiedene Blickwinkel.“ Im ambulanten Team arbeiten Erzieher*innen, Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen und auch Sozialpädagog*innen. Dazu haben viele Kolleg*innen Zusatzausbildungen, wie Erlebnispädagogik, Traumapädagogik, Transaktionsanalyse oder systematische Beratung. „Eine Kollegin, die gerade noch in der Ausbildung ist, kommt aus Westafrika. Fremdsprachenkenntnisse helfen in unseren Beruf ungemein.“ Das weiß die 34- Jährige, die in der Sowjetunion geboren wurde aus eigener Erfahrung. „Und wir haben auch die Möglichkeit, unsere vielen verschiedenen Interessen in die Arbeit einzubringen – zum Beispiel bei unseren Gruppenangeboten für Eltern oder Kinder.“

 

"Nächstenliebe ist für mich die Akzeptanz aller Menschen, aller Lebensformen und eine wertschätzende Haltung dem gegenüber."


Natalie Sauerland, Leitung ambulantes Team Tenever

Früher waren es flexible Hilfen

Die ambulanten Hilfen hießen früher flexible Hilfen – und das nicht ohne Grund. „In meinem Beruf braucht man ein hohes Maß an Flexibilität, denn wir arbeiten in der Lebenswelt der Klient*innen. Wir richten uns danach, wann die Familie Zeit hat, etwa wann die Kinder aus der Schule kommen.“ Außerdem ist es wichtig, eine gefestigte Persönlichkeit zu sein, die sich auch abgrenzen kann. Für die Klient*innen sind Grenzen oft ein Thema. „Die Kinder erleben ein nicht-gefestigtes Elternteil. Dann ist es wichtig, als Fachkraft klar reinzugehen und nicht ins Wanken zu geraten.“ Große und kleine Erfolgserlebnisse gibt es immer wieder. Sie lief bei den ersten Besuchen in einer Familie immer der Fernseher. Später lief er nicht mehr und die Mutter spielte stattdessen gemeinsam mit den Kindern. „Es ist schön zu sehen, wie sich das entwickelt.“ Oder wie ein junger Mann ausgezogen ist und jetzt selbständig lebt, obwohl das ein dreiviertel Jahr zuvor undenkbar gewesen wäre, weil ihm die Struktur und der Tagesablauf fehlte. „Solche Erfolge sind schön. Und gleichzeitig ist dann auch der Abschied herausfordernd. Ich gestalte dann gerne ein kleines Ritual – wir schauen nochmal zurück und auf das, was sich entwickelt hat. Und wir unternehmen nochmal etwas zusammen – zum Beispiel ein Eis essen.“
 

„In meinem Beruf braucht man ein hohes Maß an Flexibilität, denn wir arbeiten in der Lebenswelt der Klient*innen.“

Wir haben 3 Fragen an Natalie Sauerland,
Teamleitung ambulantes Team Tenever:


Was treibt dich beruflich an?
Die Erfolge meiner Klient*innen sehen zu können – auch die kleinen Schritte – das treibt mich an. Ich kann so viel Positives bewirken im Leben anderer.

Welche besonderen Momente erlebst du bei der Arbeit?
Besonders ist es für mich, wenn sich die anfängliche Skepsis auflöst. Wir werden mit dem Jugendamt gleichgesetzt, was bei vielen Familien mit Angst behaftet ist. Wenn sich das auflöst und die Klient*innen froh sind, dass wir unterstützen, das ist besonders. Dann gibt es viele verschiedene Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen und das ist schön.

Was sollte eine (angehende) Betreuungskraft in deinem Beruf mitbringen?
Man muss Flexibilität mitbringen und damit umgehen können, dass Pläne über Bord geworfen werden. Man muss spontan und kommunikativ sein. Eine gefestigte Persönlichkeit und Klarheit sind  auch wichtig. Außerdem Empathie und Toleranz – man sollte nicht vom eigenen Empfinden ausgehen, sondern schauen, welche Ressourcen die Klient*innen haben.

Text: Regina Bukowski
Ein Beitrag im Rahmen der Kampagne Du verdienst mehr!


Freie Stellen von Petri & Eichen:

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