16.01.2016

Extreme Unterschiede: Leben(serwartungen) an der Straßenbahn in Bremen

Diakonie Bremen fordert eine deutliche Verbesserung der Gesundheitsversorgung, des Wohnraums und der Bildungsangebote in benachteiligten Stadtteilen

 

"Wer arm ist, leidet nicht nur unter einem materiellen Mangel. Einzelne und ganze Familien werden dadurch sozial ausgegrenzt, haben geringere Bildungschancen und können sich weniger am gesellschaftlichen Leben beteiligen“, mahnt Landesdiakoniepastor Manfred Meyer. Deshalb fordert die Diakonie Bremen eine deutliche Verbesserung der Gesundheitsversorgung, des Wohnraums und der Bildungsangebote in den benachteiligten Stadtteilen.

Lebenserwartungen entlang der Linie 1

Die Diakonie Bremen hat eine Karte entwickelt, die am Beispiel des ungefähren Verlaufs der Linie 1 (längste Straßenbahnlinie in Bremen) zeigt, wie extrem unterschiedlich die Lebenserwartungen in den verschiedenen Stadtteilen Bremens sind: Männer in Schwachhausen sterben durchschnittlich mit 81 Jahren, in Tenever schon mit 73 Jahren. Diese Unterschiede stellen eine Gefahr für den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt dar.

Hier die Postkarte als PDF herunterladen!

Diese Karte haben Manfred Meyer, Landesdiakoniepastor und Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bremen e.V., Dr. Jürgen Stein, stellv. Geschäftsführer und Verbandskoordinator des Diakonischen Werks Bremen e.V.,  und Prof. Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Zusammenarbeit mit Prof. Hajo Zeeb

„Wir als Diakonie möchten darauf hinweisen, wie die Situation in Bremen ist und wie kirchliche und diakonische Projekte dazu beitragen, diese Situation zu verbessern“, so Manfred Meyer.

Ein Anlass diese Karte nun vorzustellen ist die am 9. Februar stattfindende Armutskonferenz. Entstanden war die Idee, die unterschiedlichen Lebenserwartungen anhand einer Straßenbahnlinie darzustellen, durch einen Vortrag von Prof. Zeeb. „Wir begrüßen die Umsetzung der Idee und freuen uns, dass ein so tolles Ergebnis dabei herausgekommen ist“, so Zeeb.

Die Daten basieren auf Angaben des Statistischen Landesamtes Bremen (Stand: Dezember 2015*). „Die offiziellen Daten sind das Beste“, so Zeeb. Anders als bei einer eigenen Erhebung seien diese Daten seit vielen Jahren mit derselben Methode erhoben worden. So seien die Daten auch über lange Zeiträume vergleichbar. Schließlich sei die Lebenserwartung nicht immer dieselbe. „Die Unterschiede sind extremer geworden“, so Zeeb.

Gesundheit ist ein hohes Gut

Für Prof. Zeeb ist die Karte mit den Lebenserwartungen ein deutlicheres Signal: „Gesundheit ist ein hohes Gut.“ Daher sei dies ein Thema, welches alle betrifft. Ein Faktor, der die Gesundheit und die Lebenserwartung beeinflusst, sei zum Beispiel das Rauchen. „Aber auch Bewegung, körperliche Aktivität und die Ernährung haben einen extremen Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebenserwartung in einer Stadt“, so Zeeb.    

Diakonie Bremen setzt sich weiter für sozialen Wohnungsbau ein

„Die Bemühungen zum sozialen Wohnungsbau müssen weiter intensiviert werden“, so Meyer. In den kommenden Jahren werden mehr Menschen in Bremen leben und diese benötigen angemessenen Wohnraum. Deshalb unterstützt die Diakonie Bremen auch das Aktionsbündnis Menschenrecht auf Wohnen, das sich für mehr bezahlbaren Wohnraum in Bremen einsetzt.

Außerdem ist Meyer das Thema Transaktionssteuer wichtig: „Das Land Bremen muss innerhalb des Bundes intensiver dafür eintreten, dass die schon langjährig diskutierte Transaktionssteuer europaweit eingeführt wird.“ Auf Bundesebene solle durch Vermögenssteuer und eine Spitzensteuersatzerhöhung eine Steuergerechtigkeit hergestellt werden, damit Vermögende zur gesellschaftliche solidarischen Verpflichtung  herangezogen werden.  

Aber auch die vielen guten und zukunftsweisenden Projekte, die bereits entstanden sind,  müssen kontinuierlich Unterstützung erhalten.

Text: Regina Bukowski

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